1 1/2 Jahre liegt der letzte Longplayer von Alexx und Noel schon wieder zurück.
So darf man sich also fragen, inwiefern und in welche Richtung hat sich Eisbrecher nun diesmal entwickelt?
Was Eisbrecher schon seit Beginn Ihres Banddaseins auszeichnet sind synthie-pop untermalte Gitarrenriffs gepaart mit gekonnt schwarzhumoristischen und tief-sarkastischen Gesangseinlagen von Alexx (die -für meinen Geschmack- bis dato unerreicht sind und für die nächsten Jahre auch bleiben werden).
Alexx gehassliebtes zynisches Züngeln mit leicht verdaulichem Gesellschaftsgift kommt auch hier wieder in vollen Zügen zum tragen. Anders zu Sünde lassen sich hier jedoch wesentlich mehr Balladen finden die gekonnt mit Brachialromantik in Szene gesetzt wurden. Doch wehr befürchtet Eisbreicher sei zu zart geworden und die Harte Schale schon längst geschmolzen, sei hiermit versichert das trotz eines heruntergeschalteten Ganges auch gewohnt eingängige Rocktitel zu finden sind. Hierbei seien vor allem die ersten beiden Stücke (Böse Mädchen und Eiszeit) erwähnt, die sich direkt nach dem ersten Hörgenuss tief ins Kleinhirn brennen. Eisbrecher bleiben also die (Rocker-) Herzen die wir damals kennen und lieben gelernt haben.
Und da Alexx zumindest versucht ein zweites Standbein in der Schwarzen Szene aufzubauen fehlen selbstverständlich auch die Discohymnen nicht, die von szeneinternen Bands geremixt wurden. Und höret, der Alexx kann es also doch. Selbst ein englischsprachiger Titel ist auf der CD enthalten.
Eisbrecher waren noch nie konsequent und änderten, zumindest streckenweise, ihren Stil von Album zu Album. Dennoch fehlt irgendetwas. Ein letztes bischen Etwas um auch diese Scheibe geschmacklich abzurunden. Ich kann nicht genau sagen was es ist da alle Zutaten gut aufeinander abgemischt verarbeitet wurden.
Mag sein dass es der fahle Beigeschmack ist, dass Eisbrecher nun von der Burger King Zeitschrift als 2. Exportschlager nach Rammstein angepriesen wird.
Vielleicht ist es auch die Vermarktung oder Alexx Checker-Sendung die einem Zweifel an der Ernstigkeit der eigenen Musik aufkommen lässt.
Oder ist es wirklich das wir nach Rund 18 Monaten, die wir auf diese Scheibe warten mussten, uns mit gerade einmal 11 Tracks + 2 Remixen zufrieden geben müssen? Ich kann es nicht genau sagen.
Die Scheibe ist definitiv gelungen und im Gegensatz zu vielem anderen Einheitsbrei eine willkommene Abwechslung. Aber für einen Dauerbrenner im CD-Spieler fehlt das gewisse I-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen auf dem Eisbecher, der Eispickel auf dem Eisbrecher, der Witz über die schwarze Szene auf einem Wave-Gotik-Festival.
Aber hört selbst.