Zunächst das Positive: Format und Umfang finde ich für ein Buch zu diesem Themen sehr gut gewählt. Auch Titelbild und Einschlag wirken passabel. Beim flüchtigen Durchblättern gibt es auch das eine oder andere gute Foto zu entdecken. Als ich das Buch dann las' trat bei mir aber nach und nach die Ernüchterung ein. Die Fotos stammen zwar aus einem Teil der Welt, der den wenigsten Menschen aus eigener Betrachtung bekannt ist und damit können sie durchaus neue Impressionen vermitteln. Ich kann sie aber weder als "atemberaubend" noch als "sensationell" wahrnehmen. Sie wirken flach, zeigen z.T. Banales - vor allem am Anfang des Buches. Es ist für mein Empfinden nicht gelungen, Stimmungen und Emotionen einzufangen. Auch gelingt es den Bildkommentaren nicht, das zu kompensieren oder eine dritte Dimension hinzuzufügen. Das witzig Gemeinte ist nicht witzig - außer die Huber - Buam halten ihre Leser für geistig unterentwickelt. Das abschreckenste Beispiel dafür ist ein Foto des Abenteurers Huber mit wirrem Blick im selbstgebauten arktischen WC. Selbstverständlich wird auch passend kommentiert und es bleibt nicht unerwähnt, dass die gefüllten WC - Tüten nicht im arktischem Eis zugelassen werden. Man ist ja Naturfreund! Ganz ehrlich: So etwas muss nicht in ein Buch zum Thema Abenteuer.
Bei den Texten gewann ich einen ähnlichen Eindruck. In lose wechselnder Reihenfolge kommen die Expeditionsteilnehmer zu Wort. Es gibt gelungene Passagen aber zu oft wird Banales wieder als Füllmaterial herangezogen und es kommt beim Lesen Langeweile auf. Letztlich gewann ich den Eindruck, dass selbst das, was die Autoren als Einblick in ihre Gedanken und Gefühle zu Papier gebracht haben, lediglich Geschwafel ist und sich der Blick dabei weniger auf die tatsächliche eigene Wahrnehmung legt, sondern eher auf das Ziel, beim Leser gezielt bestimmte Eindrücke zur Gedankenwelt und Weltsicht der Autoren hervorzurufen. Es sieht allzu häufig nach affektierten Phrasen aus.
Auch sehe ich die im Buch erkennbaren eingeflossenen Anmerkungen zur Bergsteigerethik als inkonsistent. Einerseits wollen sie die kühnsten Wege freiklettern, andererseits haben sie offenbar säckeweise Bohrhaken dabei, um sich an den technisch schwierigsten Passagen hochzudübeln. Ja was denn nun? Geht es um den Weg? Geht es um den Gipfel? Ist das nicht letztlich auch nur Tourismus, der dem Gedanken des minimalistischem Alpinismus widerspricht?
In der "Nachfolge" eines Reinhold Messner sehe ich die Huber - Brüder nicht. Weder in Bezug auf ihren bisherigen Lebenslauf, noch in Hinsicht auf die publizierten ethischen Ansichten. Hinsichtlich des Marketings könnten sie es allerdings schaffen und ich würde es ihnen gönnen. Mögen sie ihren Lesern dafür bitte auch gute Bücher gönnen!
Zusammenfassend halte ich das Buch nicht für empfehlenswert. Es kann sich nicht mit wirklich guten Produkten zu diesem Thema messen. Als Referenz möchte ich hier "Erlebnis Berg: Zeit zum Atmen" von Reinhard Karl nennen.
Das alles ändert nichts daran, dass die Huber - Brüder hinsichtlich ihrer Bergsportleistungen meiner Meinung nach zur absoluten Weltspitze gehören.