"Eiszeit" ist das erste Album von Eisbrecher, das ich mir gekauft habe. Von der negativen Produktbeschreibung des Amazon-Redakteurs habe ich mich dabei nicht beeindrucken lassen, da ich mir bereits ein eigenes Bild gemacht hatte. Deshalb ärgere ich mich über diese oberflächliche und leichtfertige Beurteilung, die nicht zuletzt doch auch an der Musik von Eisbrecher interessierte Menschen und potentielle Käufer abschreckt! Ich möchte deshalb gerade dieser Rezension meine eigene Beurteilung entgegenstellen.
Tatsächlich bin ich auf die musikalische Arbeit von Alexx Wesselsky und Noel Pix dadurch aufmerksam geworden, dass ich "Wesselsky als Checker in seiner Show beim Gebrauchtwagen reparieren lassen" kennenlernte. Ein glücklicher Zufall, da ich schon seit langen Jahren der Deutschen Fernsehunterhaltung den Rücken gekehrt habe. Die Persönlichkeit von Alexander Wesselsky hat mich spontan interessiert. Seine sprachliche Gewandtheit, sein Humor und die immer wieder durchscheinende tief fundierte humanistische Bildung - und nicht zuletzt der charmante Vortrag, der hier "des Künstlers Glück" macht, haben mir einfach nur Freude bereitet. Im Vorabendprogramm von DMAX in einer "Autosendung für Männer" aufgefordert zu werden, doch einmal (wieder) Homer zu lesen: das hat mich neugierig gemacht. Im Gegensatz zum Amazon-Rezensenten habe ich daraufhin recherchiert. Das ist eigentlich gar nicht so schwer und was man/frau da erfährt, birgt die Möglichkeit in sich zwei sehr faszinierende Musiker und ihr Lebenswerk kennen zu lernen. Ob Alexx dabei seine Biographie tatsächlich nach den Erkenntnissen der Lebensphasen in 7-Jahresschritten betrachtet ist mir nicht bekannt. Wundern würde es mich ja nicht, aber diese leicht mokante Anmerkung hat hier meiner Meinung nach nichts zu suchen. Scheint mir ein Versuch Alexander Wesselsky hier einfach was am Zeuge flicken zu wollen, in dem er zu allem Überfluss auch noch in eine Aberglauben-Esoterik-Ecke geschoben werden soll. Albern. (Das 7. Lebensjahrsiebt steht übrigens unter der Regentschaft des Mars! Da kann's ja für den Alexx richtig spannend werden!)
Nachdem ich zunächst ausschließlich bei You Tube genassauert hatte, beschloss ich mich nunmehr ehrlich zu machen und zunächst mal das Album "Eiszeit" käuflich zu erwerben. Wie schön, das Amazon keine moralischen Bedenken hatte, es mir auszuhändigen. Laufe ich doch Gefahr mich mit "Gewaltphantasien korrumpieren" zu lassen.
Ich habe das Album nun zwei- dreimal gehört (am hellerlichten Tag!), mich mit den Texten beschäftigt und meine Beurteilung ist weiterhin positiv. Man sollte - bitte - nicht vergessen, dass es sich hier um Unterhaltungsmusik (!) handelt. Einen anderen Anspruch habe ich aus den Aussagen von Alexx Wesselsky bisher nicht heraushören können. Und das ist doch völlig ausreichend, vor allem wenn es sich um so gut gemachte Unterhaltungsmusik handelt. Das Album ist facettenreich und : "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen." Mir persönlich gefallen die lauten und tanzbaren Stücke am besten, allen voran "Amok" - Gott sei's geklagt! Gerade jenes Stück, dass mich nach Meinung des Amazon-Redakteurs nun endgültig aus den Reihen der Betroffenheits-Gutmenschen hinaus katapultiert. Das ist nicht schön, das ist nicht "Mainstream". Mir aber völlig schnuppe. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom...
Wer Textzeilen wie "den flammenwerfer ins gesicht / macht schön warm und spendet licht" nicht als das erkennt, was sie sind, nämlich als verdammt gut gemachte Ironie, dem ist doch nicht zu helfen. Vielleicht ist es auch Zynismus, mag sein. Den braucht man aber, wenn man in einer Welt lebt, in der einem tagtäglich das Lachen im Halse stecken bleiben mag. Frigus crescit!