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Der Eisvogel
 
 
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Der Eisvogel [Gebundene Ausgabe]

Uwe Tellkamp
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 317 Seiten
  • Verlag: Rowohlt, Berlin; Auflage: 2 (2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3871345229
  • ISBN-13: 978-3871345227
  • Größe und/oder Gewicht: 20 x 13,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
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Uwe Tellkamp
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Wiggo Ritter hat Mauritz, seinen besten Freund, erschossen und liegt mit schweren Brandwunden in einer Klinik. Die Geschichte, die als Krimi beginnt, entwirrt sich nur langsam: In Erinnerungsfetzen Wiggos, Gesprächen mit seinem Anwalt, Stellungnahmen von Freunden und Familienangehörigen. Wir lernen einen Gescheiterten kennen, der am Leben und der Gesellschaft leidet. Aus reicher Bankiersfamilie stammend, hat er gegen die Kapitalistenwelt seines Vaters rebelliert und ist Philosoph geworden. Doch nach einem Streit mit seinem Professor ist auch dieser Weg verbaut. Da kommen Mauritz und seine Schwester Manuela daher und verdrehen Wiggo den Kopf -- Manuela mit ihrer kühlen Schönheit, Mauritz mit der revolutionären Utopie einer konservativen Elitegesellschaft.

“…er spann wahre Satzlianen, ausschweifende, komplexe, reiche Perioden; aber es wollte lange kein Raum entstehen, die Sätze, die man las, glichen zersplitterten und wieder gekitteten Blumenvasen, man hatte den Eindruck, dass die Scherben nicht in der regelrechten Ordnung zusammengefügt waren“ -- Wiggos Urteil über das Buch eines „kühnen Schriftstellers“ gilt in weiten Strecken auch für Der Eisvogel. Ein kunstvolles Gebilde aus Stimmen, Zeitebenen, Bildern und Erinnerungssplittern einer Kindheit in Südfrankreich. Keine leichte Kost, aber Tellkamp gelingen Passagen von poetischer Schönheit, und vor allem den Vater-Sohn-Konflikt schildert er beeindruckend.

Reichlich misslungen dagegen ist der politische Handlungsstrang des Romans: dieser Mauritz ist eine Witzfigur, ein Möchtegern-Charismatiker mit seiner Organisation „Wiedergeburt“, die auch vor Terror nicht zurückschreckt, um die Gesellschaft zu heilen und einen Kastenstaat mit Ordnung und neuen-alten Werten zu schaffen. Und alles, was Wiggo, dieser angeblich so begabte akademische Philosoph, an philosophischen Gedanken äußert, ist unglaubwürdig und banal. Auch die bildmächtige Sprache Tellkamps stürzt zwischendurch heftig ins Klischeehafte. Etwa wenn Wiggo aufs Arbeitsamt geht und es dort -- natürlich! -- nach “Discounter-Zigaretten“, „schlechter Seife“ und „billigem Parfum“ riecht.

Uwe Tellkamp gewann 2004 den Ingeborg-Bachmann-Preis und wurde von einigen Jurymitgliedern schon als neuer großer Autor gefeiert. Der Eisvogel beweist Sprachtalent, aber um gute oder sogar große Romane zu schreiben, braucht es ganz offensichtlich mehr als das. --Christian Stahl

Kurzbeschreibung

Wiggo Ritter, ein junger Mann mit denkbar besten Voraussetzungen für eine Traumkarriere, ist ins Abseits geraten. Dem Vater, einem erfolgreichen Bankier, wollte er nicht nacheifern, und seine akademische Laufbahn als Philosoph ist gescheitert, weil er keine Kompromisse eingehen kann. Einsam, arbeitslos, doch mit ungebrochenem Stolz fristet er zwischen skurrilen Jobs und so seltenen wie flüchtigen Liebschaften ein Schattendasein. Unverhofft fällt Licht in dieses Dunkel, als Wiggo den charismatischen Geschwistern Mauritz und Manuela begegnet: zwei perfekt getarnten Terroristen, Mitgliedern einer konservativen Organisation, die eine neue Elite inthronisieren will. Ihnen scheint Wiggo, der nichts mehr zu verlieren hat, der ideale Verbündete zu sein. Doch dann verliebt sich dieser Außenseiter ausgerechnet in Manuela - und gefährdet damit nicht allein die gesamte Organisation, sondern vor allem sich selbst.
Uwe Tellkamps kraftvoller, poetischer Roman birgt einen dramatischen Vater-Sohn-Konflikt, eine schonungslose Gesellschaftsanalyse, eine verhängnisvolle Liebesgeschichte - und raffiniert eingesetzte Elemente eines literarischen Thrillers.

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29 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Demokratie auf der Anklagebank, 5. Oktober 2006
Von 
ludwigwitzani (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Eisvogel (Gebundene Ausgabe)
"Tintenhaft kroch die Unsicherheit durch die Fugen und Risse spröde gewordener Tage, schlich sich unter die Oberfläche der Dinge. Man vermochte in den Gesetzen der Wohnung, aber kaum noch denen des Gebäudes zu leben, und so hatte man das Gefühl, etwas schwer Greifbarem ausgesetzt zu sein, das keine Züge besaß, kein Gesicht, keine Gestalt, die man zum Ziel einer Verteidigung hätte nehmen, gegen die man sich hätte zur Wehr setzen können. Die Menschen kämpften, aber sie kämpften gegen Spiegelbilder, es schien mir, als bemerkten sie, dass es nichts half, so dass sie sich aus Furcht vor den schleichenden Wandlungen auf die Verteidigung dessen verlegten, was sich mit ihren Mitteln verteidigen ließ: das, was sie sahen, was sie hatten, was sie besaßen. Mir schien, dass sie immer bösartiger, besessener, irrsinniger vor Angst wurden, weil sie spüren mochten, dass das nicht genügte, denn es war so, als ob sie sich gegen das Untergehen eins Schiffes versicherten bei dem, der selbst auf dem Schiff war und nicht bei einem, der sie retten konnte aus ihrer Not" (S. 69/70)

Das ist die Grundstimmung von Uwe Tellkamps Buch "Eisvogel", einer der ungewöhnlichsten Neuerscheinungen der letzten Jahre. Wiggo Ritter, ein gegen seinen Vater rebellierender Philosophiestudent, ein nörgelns-labiles Abbild seiner Zeit, trifft auf einen wirklich Radikalen: auf den "Eisvogel" Mauritz Kaltmeister, den Spiritus Rektor der "Organisation Wiedergeburt", der als einziger die Frage wagt, "ob diese Gesellschaft vielleicht deshalb nicht funktioniert, weil der ihr zugrunde liegende Gedanke, das sie bestimmende System: die Demokratie, nicht funktioniert." (S. 150). Die Frage zu stellen, bedeutet sie zu bejahen, denn "Die Demokratie ist die Gesellschaftsordnung des Mittelmaßes, des Geschwätzes und der Unfähigkeit, aus dem Geschwätz heraus fruchtbares Handeln werden zu lassen. Alle Räder sind festgefressen in gegenseitiger Hemmung, fordern die Ungernehmer dies, blocken es die Gewerkschaften ab, sollen die Steuern herunter, laufen die Sozialverbände Sturm, die Arbeitslosenraten steigen, die Wirtschaft wandert ab, die Gesellschaft vergreist, die Jugend hat kaum noch Perspektiven."(S. 150/1) Die Menschen sind "krank von Demokratie", konstatiert Mauritz, und das kann nur durch ein Mittel geändert werden: durch Terror, einen Terror, der die Verhältnisse aufbricht und die Menschen nach einer Ordnung rufen lässt, aus der der künftige "Ordens- und Elitestaat" hervorgehen soll. Die RAF lässt grüßen, allerdings diesmal aus einer nicht rechtsradikalen sondern ständestaatlich-konservativen Seite.

Dem Leser stockt der Atem, wenn er liest, wie knallhart hier jemand über die Ränder des common sense hinausdenkt und wie radikal hier ein Ketzer die wahre Religion unserer Zeit, die Demokratie, auf die Anklagebank zerrt. Aber keine Sorge, die Einwände gegen diese Radikalität werden in dem Buch gleich mitgeliefert, ein ganzer Chor der Gegenargumente flattert dem Leser entgegen, sogar innerhalb der "Organisation Wiedergeburt" schreckt man vor dem Fanatismus Mauritz Kaltmeisters zurück, auch wenn sich Wiggo Ritter, der nörgelns-labile Romanprotagonist, eine Zeitlang dem Einfluss des radikalern Mauritz erliegt. Am Ende aber wenden sich alle vom Eisvogel ab, seine Gönner, seine Freunde, selbst seine schöne Schwester Manuela und schließlich auch Wiggo.

So weit so spektakulär - wie aber wird dieser Plot literarisch umgesetzt? Denn es ist eine Sache, eine brisante Thematik aufzugreifen, eine ganz andere aber sie künstlerisch zu meistern. Steht Tellkamp für sein Thema eine Sprache zur Verfügung, die nicht in Klischees und Banalitäten abrutscht sondern das Außergewöhnliche, um das es geht, mit einer ebenso außergewöhnlichen Sprache beschreibt? Uneingeschränkt ja. Tellkamps Sprache ist wie ein Skalpell, mit dem durch das Hundertmal Gesagtes zu immer neuen überraschenden Formulierungen durchstößt. An der formalen Konstruktion des Romans allerdings werden sich die Geister scheiden. Ob die gesamte Handlung wirklich im anstrengenden Antunes'haften Absatzschreddderstil. erzählt werden muss, bei dem auf einer einzigen Seite zwei- bis dreimal die Zeitebenen gewechselt werden, sei dahingestellt. Auf der andern Seite fällt auf, dass die formale Gesamtkomposition als Ganzes genau jeder Kreisbewegung ähnelt, die an verschiedenen Stellen des Buches als Misere einer Demokratie bezeichnet wird, mit der es nicht vorangeht.

Das Problem des vorliegenden Romans aber ist seine Handlung.. Außer einigen Szenen (beeindruckend: S. 275ff., wo ausgerechnet der Eisvogel ein arabisches Pärchen gegen eine Horde Skinheads in der U-Bahn verteidigt ) wird in dem Roman fast nur palaverert, eine wirkliche Geschichte, in der die Personen, das was sie sagen auch durch ihre Handlungen beglaubigen, findet nicht statt. Dem eiskalten und konsequenten Demokratieverächter Mauritz stehen nur Deppen oder Zögerlinge, Egomanen oder Quietisten gegenüber, die eine mögliche und gehaltvolle Gegenposition zur Verteidigung der Demokratie nicht artikulieren können. So sehr es aber längst überfällig ist, die Sackgassen der Massendemokratie und den Bankrott der politischen Gutmenschenklasse ("Morbus 68" - übrigens das Geburtsjahr des Autors ) kritisch zu thematisieren, so kann dies doch nicht geschehen, ohne nicht der demokratische Position einen ähnlich glaubhaften und charismatischen, jedenfalls gleichberechtigten Handlungsträger zuzuordnen wie ihn der "Eisvogel" Mauritz auf der anderen Seite darstellt. Mit anderen Worten: dem "Eisvogel" Mauritz, der in dem Romans ein aktivistischer Naphta auftritt, fehlt der Settembrini als Widerpart. Das ist schade, denn durch diese Einseitigkeit wurde die Chance vertan, einen wirklichen wegweisenden Roman zu schreiben, der das Tor zu ganz neuen Debatten aufstoßen könnte.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Anschwellender Bocksgesang, 1. August 2005
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Eisvogel (Gebundene Ausgabe)
Tellkamps Buch ist ein großartiger Roman, der mich beeindruckt hat wie schon lange kein Buch eines lebenden Autors. Sprachlich wagt Tellkamp mehr als sonst ganze Jahrgänge von Jungautoren zusammen, da ist wohl zu erwarten, dass es zu Missverständnissen kommt: Wo die Metaphorik ins allzu Gesuchte abgleitet, sollte man dafür den Erzähler verantwortlich machen und nicht den Autor; und dann passt das Geschmäcklerische der Sprache hervorragend zu einem Protagonisten, der sich viel auf seinen erlesenen Geschmack einbildet.
Dieser Protagonist Wiggo Ritter ringt mit der Sprache; in immer neuen Wortkaskaden versucht er, der Wahrheit nahezukommen; verschiedene Erinnerungsebenen verschränken sich dabei und kommentieren sich gegenseitig, dazu kommen die ganz anderen Stimmen der Bekannten Ritters. Zunächst mag diese Konstruktion anstrengend wirken, doch immer mehr entsteht ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann.
Wer die Handlung abstrus findet, hat wohl vergessen, dass Peter Handke Deutschland schon lange einen Bürgerkrieg wünscht und dass Botho Strauss die bundesrepublikanische Sattheit herzlich verachtet. Uwe Tellkamp hat es gewagt, diese intellektuelle Attitüde wörtlich zu nehmen, und sich ausgemalt, wie ein Bürgerkrieg à la Handke aussehen könnte. Ein Buch also, das schon lange notwendig war.
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Überfrachtet, 8. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Eisvogel (Gebundene Ausgabe)
Nicht gerade leichte Kost ist es, die uns Uwe Tellkamp mit seinem Roman "Eisvogel" zumutet. Das Werk besteht größtenteils aus Erinnerungsbruchstücken des Protagonisten Wiggo Ritter, aber auch anderer Figuren, die an dessen Verteidiger in einem Mordprozess gerichtet sind. Ziel dieser Fragmente ist es zu erhellen, warum Ritter seinen Freund Mauritz Kaltmeister erschossen hat. Was die Sprache betrifft, so zeichnet sich das Werk durch komplexe, scheinbar nicht endenwollende Sätze und eine nicht immer gelungene Bildlichkeit aus ("dunkleres Land, das unnahbar und still hinter den sichtbaren Dingen begann").
Was meines Erachtens besonders stört, ist, dass Tellkamp keinen Willen zur Form zeigt: Er springt vor und zurück, verharrt über lange Zeit hinweg detailverliebt auf einem Fleck und kanalisiert das, was er dem Leser mitteilen möchte, nicht. Dazu kommt auch noch erschwerend hinzu, dass der Roman thematisch überfrachtet ist: Es geht um Terrorismus, Vaterkomplexe, böse Kapitalisten, fehlende Orientierung, Sado-Maso-Sex, Arbeitslosigkeit, eine Gesellschaft ohne Ideale und vieles mehr...
Was Tellkamp wirklich gut gelingt, ist die bis ins Detail glaubwürdige Zeichnung seiner Figuren. Hier hat er echte Stärken.
Vielleicht hafte ich mit meinen Erwartungen an ein Buch zu sehr im Trivialen, aber meines Erachtens ist Tellkamps Roman "Eisvogel" zu ambitioniert, es ist ein Buch, dem ich nicht so viel abgewinnen konnte.
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