Als eine Sozialarbeiterin in der Interims-Wohnung einer älteren, recht verwirrten Dame eine schon dort länger sitzende, nicht mehr ganz ansehnliche Leiche findet, scheint ganz klar, dass die geistig umnachtete Dame die Täterin sein muss, auch wenn so gar kein Motiv zu erkennen ist. Doch bevor der Fall durch die vollkommen überlastete Kriminalpolizei zu den Akten gelegt wird, entdeckt man auch dank der Hilfe der Psychologin und Psychotherapeutin Frieda Klein, dass es sich bei dem Toten, Robert Poole, um einen charmanten Betrüger handelt, der alleinstehende oder einsame Damen aus besserem Haus sorgfältig um das Ersparte brachte. Da von dem Geld jede Spur fehlt, bietet sich Rache als Motiv an und die Anzahl der Verdächtigen steigt, während andere Verdächtige entlastet werden können. Doch nicht nur der grausame Fund und die Vielzahl der Verdächtigen beschäftigen Frieda Klein, auch ihre Schwägerin bereitet ihr ebenso Sorgen wie ein alter Fall ("Blauer Montag"), der bei weitem noch nicht abgeschlossen zu sein scheint.
Zwar packte mich im vergangenen Jahr eine Leseprobe des 'Blauen Montags' nicht, die Neugierde auf eine so groß-angelegte Serie mit 8 Bänden siegte nun aber und ich griff nun beim 'Eisigen Dienstag' zu. Richtig große Lesefreude wollte aber auch hier nicht entstehen, was sich sogar anhand recht objektiver Kriterien gut erklären lässt:
Ohne Vorkenntnis des ersten Romans bleiben viele der Protagonisten ein für mich unbeschriebenes Blatt, da deren durchaus intensiv geschilderte Beziehung zu 'Frieda Klein' im zweiten Band dennoch kaum bis gar nicht ausreichend erklärt wird. Da gibt es also einen russischen Handwerker, einen Ex-Freund, eine Schwägerin und eine Nichte, zahlreiche Kollegen, Vorgesetzte, Kriminalpolizisten, diverse Freunde und allerhand Patienten, die irgendwie in irgendeiner Form das liebe Leben der Protagonistin durcheinander wirbeln und stets omnipräsent sind. Die Reihe der Verdächtigen explodiert mit zunehmender Seitenanzahl so exponentiell, dass man schnell den Überblick verliert und natürlich gibt es da noch eine geheimnisvolle Unbekannte. Da die Handlung des ersten Romans zudem noch häuffig aufgegriffen wird, verliert man sich also in einer kaum noch zu überschaubaren Anzahl an Personen, die zudem extremen Stereotypen folgen: Ob ein mürrischer Ehemann, ob naiv-ältere Damen, ob exzentrische Fernseh-Moderatorinnen, ob russischer Alkoholiker bis hin zum blond-blauäugigen, deutschen Studenten mit Nickelbrille und Wollpulli - und das sind nur einige Beispiele dieser platten Plattitüden. Dass darüber hinaus London als eigentlich wunderbare, lebendige Stadt der Gegensätze ausführlich beschrieben wird, ist lobenswert - dass diese Beschreibungen jedoch stimmungs- und emotionsloser als ein Stadtplan wirken, fördert nicht unbedingt die Spannung.
Und während die so zahlreichen Figuren Bilderbuch-Plattitüden folgen, ist die Hauptfigur - Frieda Klein - nur grob skizziert und blass, nahezu farblos, stets mürrisch, wortkarg und schlecht gelaunt. Eine dann notwendige Introspektive fehlt vollends, wie sie zumindest Autoren wie Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt ('Der Mann, der kein Mörder war', 'Der Mann, der die Frauen kannte') ihrem Misanthropen spendierten. Dass Frau Klein aber eine bessere Ermittlungtätigkeit als versierte Kriminaltechniker leistet, ist selbst für fiktionale Spannungsliteratur masslos überzogen.
Die Auflösung des Falls selbst ist schlußendlich so überaus über-konstruiert, dass ich ebenso mürrisch - wie die farblose, blasse Protagonistin - das Buch erschöpft und schlechtgelaunt zuklappte und mir spätestens mit dieser Rezension vorgenommen habe, auf den nächsten Band dankend zu verzichten.
Dass sich - ähnlich wie bei zahlreichen Fernsehserien - eine weiterhin offene Rahmenhandlung sicherlich erst mit dem 8. und letzten Band auflösen wird, ist nichts anderes als cleveres Marketing und gut konstruierte, langfristige 'Leserbindung' - aber für mich aufgrund der so zahlreichen, kleinen und damit unangenehmen Qualitätsmängel kein Grund, den Autoren treu zu bleiben. Schade. Vielleicht siegt anno 2015 aber doch noch meine Neugierde beim 'sarkastischen Samstag' ..?