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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wohltuende Abwechslung,
Von Dominik Rosenauer "Dominik Maria Rosenauer" (Wien, Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Eisflüstern (Gebundene Ausgabe)
Es ist eine wohltuende Abwechslung, in einer Zeit, in der es scheinbar unabdingbar ist, auf vielen Seiten nichts zu erzählen, sondern mit den wundersamsten Verrenkungen nur ja nicht in die Nähe einer lesbaren, erzählfließenden Veröffentlichung zu kommen, ein Buch zu lesen, das eine Erzählung ist.Ein Mann kommt aus dem Weltkrieg - wohltuenderweise einmal der I. und nicht der II. - und die Kriegshandlungen haben auch in seiner Heimat so manches verändert. Nichts ist mehr so wie es war, auf nichts kann man sich mehr verlassen und das was man nicht sieht, wird man (nur zu seinem eigenen Schutz) auch nie erfahren. Dieses Buch ist ein psychologisch vielschichtiges Meisterwerk von Reminiszenzen, angenehmen Erinnerungen, furchtbaren Traumata, vergeblichen Hoffnungen und bleibt trotzdem nicht blutrünstig, auch wenn der Weltkrieg dazu einlädt. Mehr will ich zur Handlung nicht sagen, da ich es selbst hasse, wenn ich vor dem Aufschlagen des Buchdeckels schon das halbe Buch kenne. Lesen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Starker Text,
Von
Rezension bezieht sich auf: Eisflüstern (Gebundene Ausgabe)
Bettina Balàka gehört zweifellos zu den interessantesten österreichischen Autor(inn)en der jüngeren Generation. War sie bisher hauptsächlich durch Lyrik, Erzählungen und Essays aufgefallen, hat sie nun einen Roman vorgelegt: "Eisflüstern".Sie erzählt die Geschichte von Balthasar Beck, der 1922 aus der jahrelangen russischen Gefangenschaft als Gezeichneter in seine Heimatstadt Wien und zu seiner Familie zurückkehrt. Sein mühsames, langsames Fußfassen in der Normalität der Nachkriegszeit, die alles andere als normal ist, wird erzählerisch verquickt mit der Aufklärung einer Mordserie, die möglicherweise etwas mit Becks Kriegsvergangenheit zu tun hat... Das titelgebende "Eis" ist auch in der Kälte einer entwurzelten, nahezu führungslosen Gesellschaft zu spüren. Diese wird das Fundament für eine noch viel größere Katastrophe des 20. Jahrhunderts bilden. Wenn auch mancher Charakter zu plakativ nationalistisch geraten ist, erscheint mir dieser Subtext an diesem Roman am interessantesten. Denn die erwähnte Kälte äußert sich auch in einer unbestimmten Distanz der Autorin zu ihren Figuren - da fehlt mir die Empathie und die Möglichkeit zur Identifikation, die für einen Roman so notwendig ist. Die Dramaturgie von "Eisflüstern" beschränkt sich im Wesentlichen auf einen nicht wirklich originellen Kriminalfall mit der Suche nach einem (in der heutigen Literatur offensichtlich unabdingbaren) Serienmörder. Unterbrochen wird die Handlung fast ständig durch Rückblenden, Einschübe und Nebenlinien. Man erfährt über die grauenhaften Lebensbedingungen in russischen Gefangenenlagern ebenso wie über die Kindheit der Protagonisten - harte Kost,fürwahr. Hier zeigt sich auch Frau Balàkas Stärke: in einem bildreichen, stilsicheren Text, der sich in manchen Momenten auch zu verzweifelter Komik durchringt. Im Ganzen scheint mir durch die anekdotenhafte Erzählweise die Form des Romans nicht ideal bewältigt. Der Text hat mich nicht zum Immer-weiter-Lesen animiert; das häppchenweise Konsumieren einzelner Kapitel schien mir lohnender (und einfacher). Alles in allem ein engagiert konstruierter und bedrückender Text einer interessanten Autorin; als Roman nicht ganz überzeugend. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Kaiser als apostolischer Hiob,
Von
Rezension bezieht sich auf: Eisflüstern (Gebundene Ausgabe)
Balthasar Beck erreicht im Herbst 1922 im Frachtraum eines Donauschleppers seine Heimat Wien nach siebenjährigem Kriegseinsatz und Gefangenschaft im Lager von S. Bevor er sich entschließt endgültig nachhause zu gehen zu Frau und Kind, sinniert er in einsamen Tagen und Nächten im Türkenschanzpark seiner Erlebnisse, der Veränderungen durch den Krieg - familiär, finanziell und gesellschaftlich. Rasch tritt er seinen ehemaligen Posten bei der Kriminalpolizei wieder an und damit beginnt eine Serien an Morden, deren Opfer Beck keine Unbekannten sind."Eisflüstern ist eine Wolke aus feinen weißen Kristallen mit eigenartig knisterndem Geräusch, die durch Ausatmen bei minus 45 Grad Celsius vor dem Mund entsteht." Gefroren kalt und erschütternd eisig zeigen die laufenden Rückblenden Becks Leben im russischen Gefangenlager, den letzte Rest an Menschlichkeit im Überleben und Sterben. Nasse, triste und feuchte Kälte führt ihn wieder ins Leben in Wien zurück. Das alte Österreich als "Völkerkerker" besteht nicht länger und wurde umgeschichtet, zusammengeschnitzt, Grenzen aufgerissen und neu, jedoch "völkisch" unerklärlich wieder zu einem anderen Ganzen zusammengeflickt in ein "Restösterreich" samt ihrer Kriegsverlierer und -gewinner. Soll denn Triest nicht länger Österreich und Südtirol Italien zugeführt worden sein, die Becksche Villa an der Adria ebenfalls? Und wer sich dessen nicht fügen wollte, ist ohne Umschweife gestorben - Kaiser Franz Joseph hat es vorgezeigt. Dennoch "der Tod in Wien war auch nicht mehr so schön wie früher einmal" (S336). Der große Hass auf Juden hat begonnen, die Verfolgung wartet auf den böllernden Startschuss und Propagandadreck über Führung wird als Katholizismus verkauft. Für mich steht in diesem Roman der Mensch in der Zwischenkriegszeit mit seiner Wertigkeit für echten Kaffee und Zucker, die Identifikation als "Restösterreicher" und vor allem die Auseinandersetzung mit dem Schrecken des Erlebten im Vordergrund. Das Kennenlernen des eigenen Kindes, das während des Fronturlaubes gezeugt wurde, das Hände ringende Zurückerobern des eigenen "alten" Lebens, das Herantasten an den Ehepartner mit der brennenden offenen Frage nach anderen Partnern während der siebenjährigen Absenz. Der in diesem wunderschönen aber erschütternd traurigen und realistischen Roman verpackte Krimi bietet Auflockerung und beinahe Erholung, auch wenn er in seiner Form nicht notwendig gewesen wäre, da die Geschichte dem Leser an sich genügend Emotionen, Spannung und Erschreckenswertes bietet. Der Roman zeichnet sich schlicht weg als Meisterwerk der Vergangenheitsbewältigung aus. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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