Man stelle sich folgendes vor: eine 10-köpfige Familie trifft sich zu Weihnachten im herrschaftlichen Anwesen des Großvaters mitten im Hochland von Schottland. Der Weihnachtsfrieden wird jedoch gestört, als eine Diebesbande, die auf der Flucht vor der Polizei im Schnee steckengeblieben ist, in das Haus eindringt, um sich dort zu verstecken. Die vier Gangster, die vorher seitenlang als knallharte Profis beschrieben werden, haben ihre liebe Mühe, alle Familienmitglieder zusammenzusuchen und in Schach zu halten - eigentlich sind immer mindestens drei irgendwo in Schränken, unter Betten oder auf dem Dachboden versteckt. Nun sollte man meinen, daß zumindest einer von denen doch mal eine Minute Zeit finden sollte, die Polizei zu rufen. Die Gangster sind natürlich nicht blöd und haben vorher die Telefonleitung durchgeschnitten - aber im modernen Handyzeitalter stört das ja keinen großen Geist. Trotzdem schafft es niemand, einen Hilferuf abzusetzen. Die dicke Tante wird erwischt, als sie gerade ihr Handy in der Hand hat und wählen will. Die zwei Kinder flüchten über das Dach in die Scheune, wo das Handy des Mädchens liegt. Nachdem sie drei- oder viermal fast entdeckt worden wären, finden sie das Handy dann endlich - aber der Akku ist leer. Und das kluge Mädchen hat natürlich das Ladegerät vergessen. Eine weitere Person hat zwar eigentlich ein Handy, läßt es aber auf der Flucht vor einem wild um sich schießenden Einbrecher im Hausflur liegen... Was nun? Achja, Opas Auto hat ein eingebautes Telefon. Die Kinder schleichen also in die Garage, nur um festzustellen, daß der Autoschlüssel noch im Haus ist. Mit viel Glück schaffen sie es, ins Haus zu kommen, den Autoschlüssel zu finden und zurück zur Garage zu laufen. Leider können sie das Autotelefon im Endeffekt trotzdem nicht benutzen, da der Enkel das Auto vor einen Baum setzt und dabei die komplette Elektronik zerstört. Schon blöd, wenn man erst 15 ist und Opas Ferrari auf der verschneiten Straße nicht in den Griff kriegt...
Diese Aneinanderreihung von Mißgeschicken wird irgendwann derart unrealistisch, daß es schon fast lustig ist. Außerdem wird jedes noch so peinliche Klischee plattgetreten. Wir haben einen Terminator-Bösewicht, der im Prinzip unbesiegbar ist und sogar nach zweimaligem Überfahren blutüberströmt und mit gebrochenem Bein noch problemlos in der Lage ist, gleich zwei Gegner in Schach zu halten. Wir haben Gangster, die derart von Panik befallen werden, daß sie sich am Ende gegenseitig umbringen. Wir haben ein todliches Killervirus in einer Parfümflasche. Wir haben eine leicht senile alte Dame, die unmittelbar nach einer Schießerei in der Küche alle Beteiligten fragt, ob sie Tee machen soll. Und wir haben sogar noch ganze zwei Liebesgeschichten in die Handlung eingeflochten...
Und nun zur überraschenden Abschlußbewertung: auch wenn sich meine Kritik bisher wie ein schlimmer Verriß liest, hat mir das Buch ausnehmend gut gefallen. Es war spannend vom Anfang bis zum Ende, sehr interessant und gut geschrieben und an keiner Stelle langweilig. Wer Thriller mag, sollte von dem Buch problemlos sehr gut unterhalten werden - vorausgesetzt, man nimmt es nicht zu ernst...