...ist keinesfalls ein "Island Thriller" gleich von Anfang an!
Dies ist mehr eine Rueckkehr zu seinen Wurzel, die unser Anti-Held hier unternimmt. Und die Spannung baut sich auf, langsam aber sicher - bis jede/r einfach alles wissen will!
Spannend entwickelt sich die Story, bis zum fulminanten Schluss...
Schwer angeschlagen von seinem letzten Fall als Kommissar in Reykjavik, Island, hat sich Erlendur Sveinsson aufgrund einer welbstgewaehlten "Mission" in seine Heimat in den Ostfjorden zurueckgezogen.
Hatten ihn die Umstaende des angeblichen Selbstmordes einer an einem kalten Herbstabend in Þingvellir, Islands geschichtsträchtigstem See gefundenen jungen Frau zu sehr an den tragischen Tod seines juengeren Bruders Breddur vor langen Jahren erinnert ( siehe
Kälteschlaf: Erlendur Sveinssons 8. Fall: Island-Krimi.
Seitdem hat niemand - weder einer seiner Kollegen oder Kolleginnen, wie z. B. Elinborg oder Sigurthur Oli noch seine naechsten Angehoerigen und Freunde - etwas von ihm gehoert. Waren seine Kollegen doch noch in den letzten zwei Buechern
Frevelopfer: Erlendur Sveinssons 9. Fall: Island-Krimi,
Abgründe: Erlendur Sveinssons 10. Fall: Island Krimi diejenigen, die ihm am naehesten standen, die Protagonisten, aber - nichts weiteres mehr.
In den Ostfjorden, in seinem Heimatsort Eskifjoerdur, hat er sich auf Bakkasel, dem alten, verlassenen Anwesen eingerichtet, das einst seinen Eltern gehoerte und nun langsam dem Zahn der Zeit zum Opfer faellt.
Nachdem Breddur, 8 Jahre, in jener schicksalhaften Nacht auf der Suche nach versprengten Schafen in einem Schneesturm spurlos verschwand, traegt Elendur schwer an der Schuld. Hatte er selbst, der aeltere, 10-jaehrige dem Vater doch vorgeschlagen, auch Breddi auf den gefaehrlichen Weg den Urtharklettur hinauf mitzunehmen.
Und nun sucht Erlendur nach einem Abschluss, etwas, das er "begreifen" kann, einen Handschuh - der des ausgesprochen treffenden Titelbildes vielleicht - den Breddi im Sturm verlor, das kleine rote Auto, das sich darin befand ... oder mehr noch - seinen Bruder oder auch nur einen Teil von ihm.
Als erstes trifft er bei seiner Wanderung auf Bòas, den Fuchsjaeger, der eine Lawine lostritt, die unseren Helden einfach mitreissen muss.
Und dass es einen Abschluss geben wird, einen d e r Art, wissen wir ja schon...
Hat es doch unser Autor so vorgesehen.
Erlendur war ja schon immer von den Geschichten in Schneestuermen Verschwundener, Umgekommener, oder daraus Geretteter quasi wie manisch besessen - nun, das wissen wir als seine langjaehrigen Freundinnen und Freunde.
Und so macht sich der Kommissar in ihm auf, den Spuren von Matthildur zu folgen, die sich in einem schlimmen Unwetter im Januar 1942 auf dem Weg nach Reytharfjoerdur im Bereich der Irrlichtscharte im Nichts verloren ...
Im gleichen Unwetter wurde eine Schar von 60 britischen Soldaten aufgerieben, die aus der entgegengesetzten Richtung kam - manche tot, einige verletzt, viele gerettet. Und niemand hatte auch nur etwas von der jungen Frau gesehen.
Erlendur rollt, in seiner gewohnten, methodischen Art und Weise diesen Fall auf.
Er befragt der Reihe nach alle noch lebenden Verwandte, Bekannte, Freundinnen, Freunde und erweitert die Kreise seiner Suche auch auf Kinder und Kindeskinder.
Und es kommt Erstaunliches zum Vorschein ...
Mehr moechte ich an dieser Stelle ueber die Entwicklungen der Ermittlungen nicht preisgeben, denn ... wie ein Sog zieht uns die Handlung immer tiefer in die Geschehnisse hinein, bis es kein Zurueck mehr gibt.
So wie fuer Erlendur.
In die Handlung, fast liebevoll eingestreut, finden sich Anspielungen nicht nur auf fruehere Faelle unseres Helden wie z.B. auf
Nordermoor: Erlendur Sveinssons 3. Fall, nein, der Autor spielt auch auf andere seiner Buecher an, z.B. auf
Codex Regius: Thriller. Auch von Erlendurs Leben vor Rykjavik erfahren die Leser endlich mehr...
Ebenso, ohne ersichtliche Logik, erfahren wir kapitelweise von einem Menschen, der sich tiefgreifende Gedanken um Kaelteresistenz und die verschiedenen Stadien des Erfrierens macht, selbst mit seinem Koerper experimentiert, und dabei dem Ende, so scheint's, immer naeher kommt.
Ein Reisender macht ab und an in verschiedenen Abschnitten seine Aufwartung, wobei es sich um jemanden Bekannten zu handeln scheint, der sich im Verlauf seiner "Auftritte" immer klarer praesentiert.
Die anfangs eher zum Krimi neigende Handlung bekommt mehr und mehr einen Dreh ins Grausige, bis zum Hoehepunkt - wert eines echten Thrillers.
Ihr werdet sehen - Erlendur bekommt seinen Abschluss, so wie auch Matthildur, und die letzten zwei Menschen, die sich schon immer - und noch immer um sie wirklich sorgten.
Nun, ein Abschluss kann ein Ende bedeuten, aber auch eine Aufklaerung beinhalten, die jahrzehntelang begraben lag und mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen wird.
Aber, ein Abschluss kann die Menschen auch frei machen - wie die Wahrheit.
Und dieser folgt Erlendur, wie immer, ohne Kompromisse einzugehen.
Auch wenn es einen hohen Preis kosten sollte ...
Und dies ist der einzig wuerdige Abschluss einer Serie, deren Bandbreite von exzellenten Island-Thrillern, ueber immer noch beste Krimikost auch bis zu ein, zwei etwas enttaeuschenderen Buechern reicht.
Danke, Arnaldur.
Und ... Danke, Erlendur!