Warhammer 40k verschlägt mir als Neuling in diesem dystopischen Genre immer wieder die Sprache - Trash meets high quality literature....
Da ich WH 40k immer recht skeptisch entgegen gestanden bin, hat mir die Figur des Inquisitors Gregor Eisenhorn absolut nichts gesagt. In diesem Omnibus erhielt ich jedoch die Gelegenheit Dan Abnetts Meisterwerk zu lesen, in dem er eine Charakterskizze eines großen Kämpfers zeichnet, die mit hochinteressanten Handlungselementen garniert wird. Ich konnte das Buch nicht mehr zur Seite legen, nur um zu erfahren, wie der Held verwundet, gefoltert und verraten wird; und dennoch bricht er nicht, wird stärker, bis er sich an jener Grenze im Kampf gegen das Chaos befindet, in dem sich viele Helden verloren haben und vom Reich des Bösen überwältigt wurden. Wird Eisenhorn diese Grenze überschreiten und zu einem Gefallenen werden.....?
In drei Büchern und zwei Kurzgeschichten wird das Leben und die Entwicklung des Inquisitors beschrieben. Wir erleben seine Sichtweisen, Gefühlswelt, Zweifel und auch Ängste. Unglaublich wie plastisch Dan Abnett seinen Helden beschreibt und handeln lässt!!!
Ergänzt wird dieser Geniestreich Abnetts durch seine Beschreibung des WH-Universums, die uns tiefere Einsichten in das Funktionieren desselbigen gibt. Wie funktioniert die Ökonomie eines Planeten, wie leben die einfachen Menschen, gibt es das Problem der Überbevölkerung und Umweltverschmutzung, wie funktioniert die lokale planetarische Politik abseits von Terra und wie wird das Imperium überhaupt geleitet? Die Detailfülle, die Abnett ganz nebenbei anbietet, ist schlicht überwältigend. Ein kleiner Genieblitz nach dem anderen erhöht die Ehrfurcht des Lesers vor soviel intelligenter Kreativität.
Beispielhaft darf ich den Triumphzug imperialer Truppen anführen, für den die Smogwolken mit Chemikalien behandelt werden, so dass sich die Wolken "ausregnen". Denn der Warmaster will für seinen Triumphzug einen blauen Himmel. Herrlich wie Abnett beschreibt, dass dieser reinigende Effekt aufgrund der industriellen Verschmutzung und zerstörten planetaren Ökologie nur ein paar Stunden anhalten wird. Und verblüffend ist es, wie Abnett dann Eisenhorn erzählen lässt, dass diese heftigen Regenfälle toxische Stoffe aus der Luft waschen und somit die ohnehin schon problematische ökologische Situation auf Jahre hin noch zusätzlich verschärfen wird. Na hallo, bin ich da noch im WH-Universum!? Wahnsinn - wo andere Autoren in reinem Trash schwelgen, packt Abnett beiläufig vielfältige andere Aspekte in die Geschichte des Gregor Eisenhorn.
Zu Eisenhorn selber muss ich nicht viel sagen. Abnett verdanken wir die Schilderung eines besonderen Menschen, der nicht zum schriftstellerischen Klischee eines überragenden, unbezwingbaren Heroen degradiert wird. Spannung auf höchstem Niveau - ein Meilenstein der Warhammer 40k-Literatur, der sich mit den Größen der klassischen SciFi messen kann! Fünf Sterne!