"Es ist wichtig, daß Wort "männlich" aussprechen zu können, ohne die Vorstellung zu haben, ein sexistisches Wort auszusprechen."
Eines muss also gleich zu Beginn klargestellt werden. Robert Blys "Eisenhans" ist kein Pamphlet gegen die Emanzipation der Frauen. Das zu Beginn der neunziger Jahre erschienende Buch propagiert nicht das Bild eines dominanten Mannes, der das Geld ranschafft, und jenes einer passiven Frau, die sich nur um Kinder, Küche und Kirche zu kümmern hat.
Der "Eisenhans" ist vielmehr ein Aufschrei gegen die vom Autor so empfundene postmoderne Willkür und Beliebigkeit, die die Existenz eines natürlichen sozialen und auch biologischen Geschlechts abstreitet. Somit wendet sich Bly gegen den radikalen Flügel des Feminismus, vertreten durch Simone de Bouvoir und Judith Butler, für die "das Männliche" und "das Weibliche" nur willkürliche Konstrukte einer patriachalisch geprägten Welt sind, welche dem Zweck dienen, die männliche Dominanz zu sichern.
Diese Dekonstruktion der Geschlechterrollen hat, so Bly, katastrophale Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, die "einen schier unerschöpflichen Nachwuchs an Jungen produziert, aber immer weniger Männer hervorzubringen scheint." Eingehend analysiert er die Bedeutung so genannter Initiationsriten, die noch heute bei vielen afrikanischen Stämmen zu finden sind. Hierbei trennen die männlichen Stammesälteren die Jungen von ihren Müttern und führen sie mit diversen Ritualen in die Welt des Mannes ein. Nach Bly gibt es diese Riten seit der Industrialisierung in unserer Gsellschaaft nicht mehr. Vater und Familie leben oftmals getrennt, so dass ein Sohn nicht mehr vom Vater initiert werden kann. So entstehe ein Teufelskreis, denn wie sollen Väter, die selber nie Männer geworden sind, ihren Söhnen auf diesem beschwerlichen Weg behilflich sein?
In Abwesenheit eines Mentors suche sich der Junge dann eben andere Vorbilder, Straßengangs zum Beispiel, die oftmals den Beginn des Abstiegs markieren.
Den roten Faden des Buchs bildet das Grimmsche Märchen vom Eisenhans, der Geschichte eines Königssöhnes, der einen am Hof gefangenen "Wilden Mann" befreit und mit ihm in einen Wald zieht. Bly nimmt einzelne Abschnitte des Märchens und analysiert sie auf seine Fragestellung hin. Daneben zitiert er ausführlich alte Myten und Gedichte, um das Leben und Leiden des Mannes in den vergangenen 3000 Jahren herauszuarbeiten.
Hier liegt auch der Schwachpunkt des Buches. Der Leser wird von der Menge der zitierten literarischen sowie mythischen Quellen schlicht erschlagen. Etwas weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen.
Fazit: Plädoyer für ein essentiell männliches (und weibliches) wider dem postmodernen Zeitgeist.