Walter Hollnagel (1895 - 1983) war Fotograf in der RBD Magdeburg und später in der RBD Altona/Hamburg, während des zweiten Weltkriegs war er für den Pressedienst des Reichsverkehrsministeriums als Bildberichter an den Kriegsschauplätzen der Reichsbahn im Ausland tätig. Sein fotografisches Lebenswerk umfasst mehr als 75.000 Aufnahmen aus ganz Europa über einen Zeitraum von 50 Jahren hinweg. Lange nach seinem Tod erfährt sein Werk nun mit dem vorliegenden Bildband die erste angemessene Würdigung.
Band 1 zeigt das Spektrum seiner Aktivitäten von den Anfängen im Direktionsbezirk Magdeburg Ende der 1920er Jahre, über den Aufbau der Lichtbildstelle bei der RBD Altona, dem Dokumentieren des Betriebsgeschehens der Deutschen Reichsbahn in den 1930er Jahren bis hin zu seinen Einsätzen als Bildreporter im Auftrag des Reichsverkehrsministeriums während des Zweiten Weltkriegs in der Ukraine sowie in Norditalien. Selbst gegen Ende des Zweiten Weltkriegs führten ihn Dienstreisen quer durch das inzwischen zerstörte Deutschland bis in die Eifel. Einzigartige Farbaufnahmen gelangen ihm auch in Dresden kurz nach den verheerenden Luftangriffen im Februar 1945. Obwohl die Ostfront bereits Schlesien erreicht hatte, fuhr er noch im Frühjahr 1945 nach Oberschlesien und kehrte erst im April 1945 auf abenteuerlichen Wegen von dort zurück, aber nicht ohne dies ebenfalls fotografisch zu dokumentieren.
Fazit: Die Aufnahmen Walter Hollnagels im vorliegenden Buch sind tolle Momentaufnahmen der längst vergangenen Epoche der Eisenbahn in der Zwischenkriegszeit. Sie spiegeln nicht nur seine einzigartige fotografische Kreativität wieder, sondern zeigen ihn später auch als Pionier der Farbfotografie in den Kriegsjahren 1939 bis 1944, wobei auch heute noch die Qualität seiner Leica-Aufnahmen besticht. Die in der Ukraine entstandenen Farbaufnahmen sind von einzigartiger Aussagekraft über Land und Leute, belegen aber gleichzeitig den Propagandaauftrag des Fotografen, Normalität in den besetzten Gebieten vorzugaukeln. Mit dem Fortschreiten des Krieges gelang das immer weniger, Gräuel und Zerstörung werden ebenso klar gezeigt.