*Die Halbglatze ihres Vaters glänzte wie eine in Öl geröstete Erdnuss. Sein weißes Oberhemd spannte über seinem Bauch, den er stolz herausstreckte. Er übertönte mit seiner sonoren Stimme die anderen, fuhr wie immer, wenn er einen sitzen hatte, den anderen über den Mund, wusste alles besser, hatte alles selbst schon einmal erlebt. Sie fragte sich, was an so einem Feiertag, im Kreise der Familie, die Nachbarin Irene Walter hier verloren hatte. Margareta mochte sie nicht. Ihr Vater dafür umso mehr. Er starrte ihr in den immens tiefen Ausschnitt ihres selbst gehäkelten Pullovers und wäre offensichtlich mit seiner fettigen Nase am liebsten zwischen ihre faltigen Brüste gekrochen.
Margareta wußte, wie das nächste Stadium seiner Feiertagsschnapslaune aussehen würde. Krampfhaft würde er in seinem Hirn nach schlüpfrigen Witzen kramen, um sie zum hundersten Male kundzutun und die Reaktionen der anderen zu testen. Irene Walter würde am lautesten lachen, ja, regelrecht quieken, und sich nach hinten werfen. Und ihr Vater würde immer geiler werden.
Wieso hat man nicht Irene Walter ermordet? Eine so junge Frau musste sterben, und sie darf weiter die ganze Nachbarschaft närrisch machen, dachte sich Margareta ...*
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Zum Inhalt: Ein alter Wohnturm im fränkischen Stil und das mitten im Ruhrgebiet? Den gibt es. Er ist das Wahrzeichen einer alten Zechensiedlung, nahe einer der größten und schönsten Friedhöfe Deutschlands. In ihm wohnt Margareta Sommerfeld.
Von ihrem Schlafzimmerfenster aus beobachtet Margareta Karol, ihren illegal in Deutschland lebenden Nachbarn polnischer Abstammung, wie er schräg gegenüber in einem Turmzimmer Tag für Tag Schuhe repariert. Frisch von ihrem Ex-Liebhaber Bertl getrennt, sehnt sie sich nach zärtlichen Stunden mit diesem muskolösen Karol.
Wäre da nur nicht der Mord an der jungen Reitlehrerin Sabine passiert, die man tot auf dem Friedhof gefunden hat. Kann es sein, dass Karol etwas damit zu tun hat? Oder war es vielleicht der finstere Karl-Heinz, Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens? Da ist auch noch Walter, ein fünfzigjähriger Junggeselle und scheinbarer Frauenhasser, der mit seiner Mutti ebenfalls in der Siedlung in einer kleinen Dachwohnung lebt. Wer war der Mörder? Alles Fragen, die Margareta nicht beantworten kann. Noch nicht!
Als dann noch ihr Vater erschlagen im Märchengrund im Berger Park aufgefunden und Bertls Vater exhumiert wird, ist sie völlig mit ihrem Latein am Ende. Haben die frustrierten Hausfrauen Waltraud, Margaretes Mutter, oder Christel, Bertls Mutter, da ihre Finger im Spiel? Nicht zu vergessen Tante Henriette, die ihren lieben Neffen Karol lieber heute als morgen loswerden will.
Und plötzlich verschwindet Margareta spurlos. Hat sie ihre Nase zu tief in Dinge gesteckt, die sie nichts angingen?
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Fazit: Eine interessante, spannende und sich feinfühlig entwickelnde Geschichte. Familienleben, wie viele von uns es sicherlich kennen. Fein gezeichnete Charaktere und eine sich durchaus steigernde Spannung.
Aber dann: Das Ende! Leider dieses Ende!
Es erinnert mich an einen 10.000-Meter-Läufer: 400 Meter vor dem Ziel geht ihm zunehmend die Luft aus - er kämpft - und er rettet sich so gerade noch ins Ziel. Für einen Spitzenplatz reicht es natürlich nunmehr nicht mehr. Wirklich schade.
4 Sterne waren eigentlich schon sicher.
Wirklich schade!
[Reinhard Busse]