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EisTau: Roman
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22 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ilija Trojanow, dessen großes Thema die Begegnung verschiedener Kulturen ist, widmet sich in seinem jüngsten Roman einer Thematik, die aktueller kaum sein könnte: Die Ausbeutung der Natur durch den Menschen.
Zeno ist der Mann, der das Eis liebt. Als Glaziologe (Gletscherwissenschaftler) hat er "seinen" Gletscher, den er ausmisst und so gut kennt wie kein anderer. Als der Alpengletscher stirbt, das Eis von Geröll und Schutt überlagert wird, bricht für ihn eine Welt zusammen. Er trennt sich von seiner Frau und gibt seinen Lehrberuf an der Universität auf, um auf einem Kreuzfahrtschiff in die Welt des Eises, das Niemandsland - die "Terra Nullius", zu reisen und auf dem Schiff zu arbeiten. Zeno versucht den Touristen die Bedeutung dieses einzigartigen und empfindlichen Lebensraumes nahe zu bringen - stößt allerdings rasch an seine Grenzen, wenn er feststellt, welche Ignoranz ihm entgegenschlägt. Die Menschen betrachten gerne die Naturschönheiten der Antarktis - die besondere Tierwelt, die atemberaubend schöne Welt des Eises - aber wenn sie von der Reise zurückkehren, ändern sie nichts an ihrem Lebensstil, der zur Ausbeutung der Natur beiträgt. Als Zeno zum Expeditionsleiter ernannt wird, weil sein Vorgänger mit Verdacht auf Schweinegrippe ins Krankenhaus muss, eskaliert die Reise ins Eis. Ein Aktionskünstler hat vor, ein riesiges SOS aus den Passagieren des Kreuzfahrtschiffes in der Arktis aufzustellen - um ein Zeichen zu setzen. Zeno entlarvt dieses "Kunstprojekt" als verlogener Scheinversuch, die Welt zu retten und greift schließlich zum Mittel der Gewalt, um die Sache zu verhindern.

Die 12 Kapitel sind alle nach Koordinaten benannt, an denen sich der Großteil der Handlung zuträgt. Jedem dieser Kapitel, in denen Zeno aus seiner eigenen Perspektive berichtet und in zahlreichen Rückblenden auch seine Kindheit und Jugend sowie seine Zeit an der Universität und sein Eheleben Revue passieren lässt, folgt eine Art P.S. Darin findet man verworrene Wortfetzen - Nachrichtenmüll, den die Medien völlig beliebig produzieren und damit der Sache in keiner Weise gerecht werden. Die BREAKING NEWS finden sich als sinnloses Gebrabbel zwischen sinnlosem und beliebigem Gebrabbel wieder. Diese Gegenüberstellung von Zenos persönlicher Geschichte und völlig sinnentleertem Meldungsmüll lässt die Geschichte noch eindringlicher erscheinen. Hier kämpft jemand ohne Hoffnung und scheinbar ohne Nutzen - allein weil er im Recht steht - und kann nichts ausrichten.
Ilija Trojanow hat hier eine bewegende Geschichte geschrieben. Die Sprache ist poetisch und voller kleiner Kostbarkeiten - Wortneuschöpfungen etwa, die der Sache einen gewissen Zauber verleihen.
Ein Buch, das man sowohl aufgrund seiner Thematik als auch aufgrund der wunderbaren Umsetzung nur empfehlen kann!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 9. November 2012
Bevor ich das Buch las, hatte ich die Gelegenheit, Ilja Trojanow bei einer Lesung live zu hören.

Der Autor liest nicht, er lebt seine Geschichte. Eindringlich schildert er sein Erschrecken über das Verschwinden der Gletscher, mit knappen, starken Worten. Die im Buch vorhandenen langen Sätze werden aufgelöst, sie existieren nicht mehr.

Da ist nur noch die Angst des Glaziologen, von den Gletschern, vom Eis, nichts mehr zu sehen. Wie der Verlust einer Liebe. Einer sehr großen Liebe.

Während der Lesung lachten manche Zuhörer bei verschiedenen Passagen. Gut, wenn eine Reisende bei der Rettung eines Pinguin-Eies in die Hand gebissen wird und gleichzeitig ein Schneesturm heraufzieht, die Rettung des Eis aber letztendlich doch scheitert, dann ist das im ersten Moment witzig. Aber das Lachen erstirbt in dem Moment in der Kehle, wenn einem bewusst wird, welch ein Frevel, welch ein Eingriff durch den Menschen in die Natur vorgenommen wird. Das ist nicht lustig.

Fazit: Große Literatur. In passenden Worten. Die vermutlich jene aus der Hand legen, denen das Thema irgendwie peinlich ist, weil sie selbst imens zur Zerstörung der Gletscher beitragen - wenn auch unbewusst.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. Februar 2012
Eigentlich müsste man nach der Lektüre der letzten Seiten sofort wieder zum Anfang zurückkehren. Soviel Wissen bringt Ilija Trojanow in seinem Buch "Eistau" auf gerade einmal 168 Seiten unter. Auch wer sich noch nie mit Gletschern oder dem nur vermeintlich ewigen Eis der Antarktis beschäftigt hat, wird hier zum heimlichen Glaziologen gemacht. Wissen, das nicht akademisch anstrengt, sondern im Gegenteil nach mehr ruft. Denn Trojanow schreibt mit ganz einfachen Sätzen, prägnant und doch in jedem Moment verständlich. Ein überraschendes Buch, das den Leser nicht unterfordert und es ihm dennoch leicht macht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. März 2015
In Ilija Trojanows 2011 erschienem Roman „EISTAU“ begegnen wir Zeno Hintermeier, einem passionierten Glaziologen, der sich in einer Welt wiederfindet, in denen Vermarktung und Werbung wichtiger sind als die schützenswerte Verletztlichkeit der scheinbar unberührten Antarktis.
In 12 Kapiteln (+ 12 dazugehörenden Subkapiteln, in denen uns eine Mischung aus Funksprüchen und platten Schlagzeilen begegnet) entfaltet sich in Zenos privatem Notizbuch die Geschichte eines einfachen Gletscherforschers von einer deutschen Universität, über das Sterben seines ihm in Zwangsehe quasi angetrauten alpinen Gletschers bis hin zur Katastrophe und zum Scheitern seiner Person.
Die MS Hansen ist ein Ort, an dem sich leidenschaftliche Naturwissenschaftler wie der Ornithologe El Albatros wiederfinden, aber auch Zeno, der eine Außenseiterrolle genießt, da er selbst unter Science-Nerds als ZU passioniert gilt. Die Haupthandlung spielt sich auf einem Touristenkreuzfahrtschiffes ab und auf den verschiedenen Stationen, die das Schiff, samt Forschern und Touristen anläuft. Durch Koordinaten als Kapitelüberschriften soll die Echtheit dieser Erzählung unterstrichen werden. Wer die Schifffahrt also auf einer Karte/Google Maps nachverfolgen möchte, sei dadurch dazu angehalten.
Mir hat dieser kaum 170 Seiten umfassende Roman von Trojanow sehr zusagen können.
Alle Erwartungen, welche die Buchrückseite in mir geweckt hatte, haben sich auch erfüllen können.
Was habe ich erwartet? Auf jeden Fall das angepriesene „kunstvolle Plädoyer eines Poeten“, die poetische Ader Trojanows lässt sich kaum anzweifeln, zudem schafft er es in shakespear’scher Manier Worte gänzlich neu zu schöpfen und sie neu zu kombinieren. Künstlerisch-geschichtliche Anekdoten und das Einstreuen von Gedichten konnten genau meinen Nerv treffen. Wer also Pablo Neruda, Nathaniel Hawthorne oder Samuel Taylor Coleridge nicht abgeneigt ist, wird hier einiges an literarischen Schätzen eingestreut finden.
Des Weiteren gefiel mir der Protagonist, der sich immer weiter in sich selbst zurückzieht, sich isoliert und dessen unglaubliche Passioniertheit und Liebe zu der sterbenen Gletscherwelt sich bis ins leicht Wahnhafte steigert. Jemand, der an der Verletzlichkeit der Natur krankt und gemütstechnisch mitstirbt, ist in der heutigen Welt definitiv zum Scheitern verurteilt.
Mir gefiel am besten Zenos Sarkasmus, mit dem er seine eigene Verletzlichkeit überspielt, ebenso seine Beziehung zu Paulina, das zwischendurch eingestreute Englisch, die relevanten und pointierten Dialoge und vieles, vieles mehr.
Mich hat wie bereits erwähnt, genau der Klappen-/Rückseitentext gefangen, normalerweise sind die globale Erderwärmung und das Gletschersterben Themen gewesen, die mich nur sehr am Rande interessierten.
Der einzige Kritikpunkt sind für mich diese Sub-Kapitel nach jedem Hauptkapitel. Ich verstehe ihre Funktionalität, allerdings hat es meinen allgemeinen Lesefluss sehr gestört. Ich respektiere die Experimentierfreude moderner Autoren und ich habe dieses Buch abgöttisch geliebt, aber es wäre (für mich persönlich) auch ohne gegangen.

Gesamtwertung: 4,5 Sterne
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Mai 2012
Zeno Hintermeier, einst Professor für Glaziologie, hat sein Leben und Arbeiten einem Gletscher in den Alpen gewidmet. Als dieser Gletscher dem Sterben geweiht ist, stürzt Zeno in eine tiefe Krise und gibt seinen Job auf. Jahre später heuert er dank eines Freundes auf einem Kreuzfahrtschiff an, und begleitet die Passagiere als Expeditionsleiter und Lektor auf der Reise in die Antarktis. Doch Zeno ist so gar nicht zufrieden damit, wie seine Mitmenschen mit der vermeintlich unberührten Natur des Südpols umgehen...

Ein ernstes und äußerst wichtiges Thema, das Ilija Trojanow hier angeht. Auch die Geschichte um Zeno, den der Leser hier in Form der Lektüre seines Notizbuches begleiten darf ist gut durchdacht. Nur leider fand ich den Schreibstil schon beinahe grauenhaft. Sehr viele Kommas und fast ausschließlich scheinbar endlose Bandwurmsätze. Ich habe mich mehrmals dabei ertappt, den ein oder anderen Abschnitt zweimal lesen zu müssen.
Fast hätte ich dieses Buch abgebrochen, doch einzig das am Ende der einzelnen Kaptitel (die übrigens mit den aktuellen Koordinaten des Schiffes betitelt sind) eingestreute Kauderwelsch aus Nachrichten und Funksprüchen hat mich so neugierig gemacht, dass ich bei der Stange geblieben bin. Schade, denn ich hatte mir mehr erhofft.

Fazit: Eine sehr gute Idee, die leider am Schreibstil des Autor scheitert, da ein flüssiges Lesen kaum möglich ist.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Juli 2012
Zeno Hintermeier ist als Glaciologe ein anerkannter Wissenschaftler an einer deutschen Universität, scheitert aber an seiner unbedingten Hingabe an sein Fachgebiet. Als 'sein' Gletscher in den Alpen stirbt, überkommt ihn eine tiefe Traurigkeit. Er bricht seine universitäre Karriere ab und verdingt sich vier Jahre lang als Lektor und Expeditionsleiter auf einem exklusiven Kreuzfahrtschiff, das einer schwer reichen Klientel die letzten unberührten Gebiete der Antarktis näher bringen soll. Zeno fühlt sich insgeheim als Verräter an der Natur, er eckt bei Vorgesetzten und Gästen an, bis es zum finalen Eklat kommt. Als der Kapitän anordnet, eine medial inszenierte 'Kunstaktion', nämlich das Bilden eines SOS Zeichens mit allen Passagieren des Schiffes, als Rettungsübung zu tarnen, macht Zeno ernst: Er setzt die Offiziere der MS Hansen in einem Rettungsboot aus und fährt mit dem Kreuzfahrtschiff alleine in Richtung Norden.
Ilija Trojanow erweist sich mit diesem Buch einmal mehr als glänzender Beobachter und großer Meister in Dramaturgie und Sprache. Gnadenlos entlarvt er die Doppelmoral von öffentlichkeitswirksamen Gutmensch-Aktionen, die häufig nur dazu dienen, ihre Initiatoren berühmt zu machen. Er hält auch all jenen Kreuzfahrtpassagieren einen Spiegel vor, die sich als gebildete, feinsinnige 'Naturliebhaber' gerieren, aber gerade dadurch den Lebensraum der Wale, Pinguine und Delfine empfindlich stören. Iija Trojanow spielt mit diesem Buch all seine Stärken aus. Kaum ein Autor beherrscht die Verbindung von Fakten und Fiktion so gut wie er.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. März 2014
Das Buch war für mich nach dem viel versprechendem Klappentext eine große Enttäuschung. Ein langweilender Schreibstil, der vermutlich modern sein soll - wie auch schon der stammelhafte Buchtitel. Die Kapitel-Überschriften mit den Positionskoordinaten erinnern stark an Dan Simmons tollen Arktis-Roman "Terror". Schade um die eigentlich interessante Geschichte. Aber das Titelblatt (ich hatte die Taschenbuchausgabe) ist wirklich schön!
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