Ilija Trojanow, dessen großes Thema die Begegnung verschiedener Kulturen ist, widmet sich in seinem jüngsten Roman einer Thematik, die aktueller kaum sein könnte: Die Ausbeutung der Natur durch den Menschen.
Zeno ist der Mann, der das Eis liebt. Als Glaziologe (Gletscherwissenschaftler) hat er "seinen" Gletscher, den er ausmisst und so gut kennt wie kein anderer. Als der Alpengletscher stirbt, das Eis von Geröll und Schutt überlagert wird, bricht für ihn eine Welt zusammen. Er trennt sich von seiner Frau und gibt seinen Lehrberuf an der Universität auf, um auf einem Kreuzfahrtschiff in die Welt des Eises, das Niemandsland - die "Terra Nullius", zu reisen und auf dem Schiff zu arbeiten. Zeno versucht den Touristen die Bedeutung dieses einzigartigen und empfindlichen Lebensraumes nahe zu bringen - stößt allerdings rasch an seine Grenzen, wenn er feststellt, welche Ignoranz ihm entgegenschlägt. Die Menschen betrachten gerne die Naturschönheiten der Antarktis - die besondere Tierwelt, die atemberaubend schöne Welt des Eises - aber wenn sie von der Reise zurückkehren, ändern sie nichts an ihrem Lebensstil, der zur Ausbeutung der Natur beiträgt. Als Zeno zum Expeditionsleiter ernannt wird, weil sein Vorgänger mit Verdacht auf Schweinegrippe ins Krankenhaus muss, eskaliert die Reise ins Eis. Ein Aktionskünstler hat vor, ein riesiges SOS aus den Passagieren des Kreuzfahrtschiffes in der Arktis aufzustellen - um ein Zeichen zu setzen. Zeno entlarvt dieses "Kunstprojekt" als verlogener Scheinversuch, die Welt zu retten und greift schließlich zum Mittel der Gewalt, um die Sache zu verhindern.
Die 12 Kapitel sind alle nach Koordinaten benannt, an denen sich der Großteil der Handlung zuträgt. Jedem dieser Kapitel, in denen Zeno aus seiner eigenen Perspektive berichtet und in zahlreichen Rückblenden auch seine Kindheit und Jugend sowie seine Zeit an der Universität und sein Eheleben Revue passieren lässt, folgt eine Art P.S. Darin findet man verworrene Wortfetzen - Nachrichtenmüll, den die Medien völlig beliebig produzieren und damit der Sache in keiner Weise gerecht werden. Die BREAKING NEWS finden sich als sinnloses Gebrabbel zwischen sinnlosem und beliebigem Gebrabbel wieder. Diese Gegenüberstellung von Zenos persönlicher Geschichte und völlig sinnentleertem Meldungsmüll lässt die Geschichte noch eindringlicher erscheinen. Hier kämpft jemand ohne Hoffnung und scheinbar ohne Nutzen - allein weil er im Recht steht - und kann nichts ausrichten.
Ilija Trojanow hat hier eine bewegende Geschichte geschrieben. Die Sprache ist poetisch und voller kleiner Kostbarkeiten - Wortneuschöpfungen etwa, die der Sache einen gewissen Zauber verleihen.
Ein Buch, das man sowohl aufgrund seiner Thematik als auch aufgrund der wunderbaren Umsetzung nur empfehlen kann!