Als in Amsterdam die verbrannte Leiche einer Frau gefunden wird, ahnt Commissaris van Leeuwen nicht, dass dieser neue Fall sein ganzes bisheriges Leben ändern wird. Auf der Suche nach den Mördern gerät er in den Dunstkreis einer menschenverachtenden mafiösen Verbindung, die mit Frauenhandel, Pornofilmen und Snuff-Movies ihr Geld verdient und von höheren Stellen aus gedeckt wird. Immer tiefer wird er in die Machenschaften hineingezogen, die ihn über die Grenzen von Amsterdam hinaus bis nach Mailand und schließlich bis nach Las Vegas führen. Unterstützung erhält er nur von seinen Mitarbeitern Ton Gallo und Julika Tambur, die für die Aufklärung dieses Falles bis an die Grenzen ihrer eigenen Existenz gehen müssen.
Je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto mehr gerät van Leeuwen in eine Grauzone, wird zum Einzelkämpfer, der sich zudem den Geistern der Vergangenheit stellen muss, denn der Tod seiner Frau sowie deren lang zurückliegende Affäre holt ihn in den laufenden Ermittlungen wieder ein. Dem gegenüber steht die aufkeimende Beziehung zur Psychologin Feline Menardi, die sich einer Belastungsprobe unterziehen muss und von den Sorgen um seine Mitarbeiterin Julika überschattet wird, die durch einen Alleingang in Gefahr und in die Fänge der kriminellen Organisation gerät.
Nicht nur für den Commissaris ist dieser vierte Fall der härteste in seiner bisherigen Laufbahn. Auch dem Leser verlangt Claus Cornelius Fischer in seinem neuen Buch viel ab, denn der Autor führt Protagonisten und Leser in die Abgründe des harten Geschäftes mit der Ware Mensch in all seinen Facetten: Frauenhandel, Pornografie, Kinderpornografie, Filme, die mit dem Tod eines Menschen enden. Wer die drei vorangegangenen Romane des Autors kennt, der weiß, dass Claus Cornelius Fischer nie nur einfach an der Oberfläche kratzt sondern sehr intensiv und atmosphärisch dicht erzählt. Der Autor verzichtet auch im vierten Band nicht auf ausführliche und bildreiche Beschreibungen von Situationen, Szenen, Umgebungen, Gedanken und Gefühlen. Was Commissaris van Leuwen und seine Mitarbeiter erleben und durchmachen, erlebt der Leser hautnah mit und manche geschilderte Situation war dermaßen intensiv, dass ich das Buch gelegentlich aus der Hand legen musste, um die gerade gelesene Szene erst mal sacken zu lassen. Trotz der ausführlichen Erzählweise, in der auch das Seelenleben des Ermittler-Trios wieder viel Raum einnimmt, kommen im Buch keine Längen auf. Dieser vierte Band hat deutlich mehr Tempo als die ersten Bücher und konzentriert sich diesmal nicht nur auf Amsterdam sondern in seinen Dimensionen auch auf Mailand und Las Vegas. In Las Vegas sieht sich das Trio einer Entscheidung ausgesetzt, mit der vielleicht einige Leser Probleme haben dürften. Ich fand sie in dieser Situation nachvollziehbar aber grenzwertig.
Der Grundtenor dieses Buches ist düster, brutal und hart und es gibt diesmal nur wenige lichte Momente. Vielleicht ist aber gerade die dadurch entstehende Intensität der Grund, dass ich dieses Buch für das bislang beste und stärkste um den Commissaris van Leeuwen halte. Ich hoffe, dass ich van Leeuwen hier nicht zum letzten Mal begegnet bin.