Aus der Amazon.de-Redaktion
Nicht einmal zwei Monate nach der Lancierung seines Buches
Westwand, in dem er noch einmal seine größten Erfolge und Misserfolge, Siege und Niederlagen am Berg Revue passieren lassen hat, ist schon das nächste Werk von Reinhold Messner vom Stapel gelaufen.
Eis-Pole steht ganz im Zeichen der zweiten Herausforderung, an der sich der Südtiroler Zeit seines Lebens zur Selbstbestätigung seines ausgeprägten Egos abgearbeitet hat. „Abenteuer ist für mich, wo die Zivilisation aufhört. Dort, wo keine Menschen sind und ich viel von der Menschennatur erlebe", meint der inzwischen 65-jährige, eine Mischung aus Marketinggenie in eigener Sache und letztem Dinosaurier des Extremtourismus, dessen schärfste Konkurrenten inzwischen fast allesamt den Gefahren und Strapazen zum Opfer gefallen sind, die ihre Expeditionen begeleiteten.
„Er ist mir wie der Bote eines fast vergessenen zäheren Menschenschlags aus Jägern und Prärieläufern erschienen – großmütig, ohne Furcht, mit einem gefräßigen Lächeln und dem Kreislaufsystem eines Steppenwolfs", schrieb der amerikanische Schriftsteller James Salter voller Bewunderung nach einer Begegnung mit Messner, der kurz darauf zusammen mit Arved Fuchs zu seiner ersten Fußreise in horizontalen Gefilden zur Bezwingung der unwirtlichen Antarktis aufbrach. Ein Unternehmen, das ihn mehr als alle Achttausender an den Rand seiner physischen und vor allem psychischen Leistungsfähigkeit gebracht zu haben scheint. Die bittere Erkenntnis, dass der König der Berge am Pol seinen Meister gefunden hat, schwingt unterschwellig über weite Strecken in diesem Buch mit, das auf 250 reich illustrierten, großformatigen Seiten den ewigen Wettlauf zum Ende der Welt nachzeichnet, an dem Messner selbst beteiligt war.
Alles in allem wirkt das Buch jedoch irgendwie unstrukturiert, um nicht zu sagen: zusammengeschustert. Rein optisch schon präsentiert es sich als ein Durcheinander aus Grafiken, Fotos in Schwarz-weiß und Farbe, Zitaten, philosophischen Marginalien, Tagebucheinträgen, Chroniken. Man kann sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass hier Material verbraten worden sein könnte, das Messner in anderen Büchern zum Thema nicht mehr untergebracht hat. Dennoch informativ und angesichts der rasanten Polschmelze sicherlich auch ein Lehrstück über den Umgang des Menschen mit der Natur. – Franz Klotz
Kurzbeschreibung
Reinhold Messners Rückblick auf 100 Jahre Pol-Expeditionen - dramatische Abenteuer am Ende der Welt · Messners eigene Erfahrungen auf seinen Grenzgängen zu den Polen - selbstkritisch analysiert · Mit historischem Bildmaterial erster Güte: Fotos, Stiche und Karten.Ewiges Eis, erstarrtes Leben: schon immer war das mehr als eine Metapher, denn es gibt sie ja wirklich: Die Pole fernab allen Lebens, an denen das Eis herrscht und der Mensch geduldeter Gast ist. In einer Zeit, in der Atom-Eisbrecher daunenvermummte Touristen für 30 Minuten auf das dünner werdende Eis über dem Nordpol entlassen, Flüge zum Südpol buchbar sind und auch durchschnittliche Alpinisten von Dienstleistern auf den höchsten Punkt der Welt gezerrt werden, sind die Dimensionen des Gehens im Unzugänglichen in Vergessenheit geraten und es braucht einen langen Atem, eine andere Geschichte des Eises zu erzählen. In Eis Pole gelingt Reinhold Messner diese große Erzählung souverän. Der berühmte Bergsteiger und Grenzgänger spürt dem Sog nach, der Menschen in die ungeheuren Eiswüsten, zum Nord- und Südpol und nach der alpinistischen Erschließung der Alpen zum "dritten Pol", den Gipfeln des Himalaya, führte. Als exzellenter Kenner der klassischen Reiseliteratur erschließt Messner in diesem vor Geschichten, Triumphen, Schicksalen und Tragödien strotzenden Buch nicht nur eine ungeheure Materialfülle, sondern erzählt die Unternehmungen, die mit Namen wie Cook, Scott oder Shackleton, Hillary, Buhl, Mallory und Hunderten anderer verbunden sind, wie sie noch nie erzählt worden sind. Messner schildert den Aufbruch zum Ende der Welt atemberaubend spannend. Ausgiebige Zitate aus zeitgenössischen, modernen und Messners eigenen Expeditionsberichten lassen die innere Wirklichkeit von Menschen in Extremsituationen lebendig werden. Er überblickt und durchdringt die komplexe Gemengelage aus Abenteuerlust, Getriebensein, wirtschaftlichen wie wissenschaftlichen Interessen und nationalem Pathos, die viele Unternehmungen prägte. Das Eis aber kann einen Menschen verändern und an dieser Erfahrung ist auch Messners Blick geschult. Vielleicht daher seine Lust an Zwischentönen, am Unerwarteten und Offenen, die sich bis in die Fülle der wundervollen Fotografien, Zeichnungen, Karten, Zitate und Randvignetten, die das Buch auch zu einem optischem Juwel werden lassen, hineinzieht. Es ist nichts weniger als eine Ideengeschichte des Abenteuers, der Lust am Grenzgang, die hier mit Eis Pole vorliegt. Kein anderer hätte sie schreiben können.