Der bekannteste Essay in diesem Band ist sicherlich der über die Sprache und Machart des „Spiegel". Er hatte seinerzeit eine Diskussion über dieses Blatt entfacht, die eigentlich nie zum Erliegen kam. Und dem Blatt selbst so wichtig schien, daß es den Beitrag in einer Sonderausgabe zum fünfzigsten Jubiläum noch einmal nachdruckte. Aber Enzensberger beschäftigt sich auch mit anderen Institutionen der deutschen „Bewußtseinsindustrie". Zunächst weißt er der FAZ Provinzialität und einen Mangel an Objektivität nach (wohlgemerkt der FAZ aus den Sechziger Jahren, inwiefern das heute noch zutrifft, muß wohl offenbleiben), analysiert wie angesprochen den Spiegel, um sich dann unter anderem noch einem Versandhauskatalog zuzuwenden, den er ebenfalls mit der Frage nach seinem Einfluß auf die Denkmuster seiner „Leser" konfrontiert. Alles seine Studien unterstreichen seinen Eindruck einer Bewußtseinsindustrie, die ihre Konsumenten zwar nicht zu einem bestimmten Verhalten zwingt, aber doch - mehr oder weniger subtil - das Denken in eine ganz bestimmte Richtung lenkt und es immer wieder schafft, bestimmte Begriffe und Themen in ihrem Sinne - oder im Sinne ihr nahestehender Ziele - zu besetzen. Aufgrund seines Alters mag das Buch auf den ersten Blick nutzlos erscheinen - seitdem hat sich in der Medienwelt doch allzuviel verändert: Weder von Privatfernsehen konnte damals die Rede sein, noch von der zunehmenden Medienkompetenz der Konsumenten. Doch letztlich erkennt man in dem Text auch viele Motive wieder, welche die heutige Debatte über Einfluß und Rolle der Medien prägen wieder. Und Enzensbergers Analysen gehören sicherlich zu den lesbarsten und präzisesten Beispielen dieser Gattung. Dazu kommt noch, daß sich Enzensberger an keiner Stelle in allgemeinen Klagen oder genereller Kritik an der Kultur des ausgehenden 20. Jahrhunderts verzettelt - ebenfalls ein Attribut, daß nicht viele Texte für sich reklamieren können, die sich mit der Medienwelt kritisch auseinandersetzten. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)