Hätte man vor einigen Jahrzehnten ein Buch in die Hand gedrückt bekommen mit der Erläuterung "das ist eine Zukunftsutopie über eine Welt, in der die Geschlechterrollen vertauscht sind" - die meisten hätten dann wohl eine Phantasie erwartet, die für Frauen einen Traum und für Männer einen Alptraum darstellt. Und bei der feministischen Dauerbeschallung über herrschende Männer und unterdrückte Frauen, denen wir alle ununterbrochen ausgesetzt sind, könnte man es fast jedem verzeihen, der von einer Rollentausch-Utopie heute noch dasselbe erwartet.
Wolfgang A. Gogolins cleveres Buch bedient diese vorhersagbaren Erwartungen ganz bewusst nicht. In der von ihm präsentierten Welt sind statt grundsätzlich nur Feministinnen irgendwann auch Männerrechtler in die Parlamente eingezogen und haben ihre Vorstellungen ebenso radikal politisch durchgesetzt, wie es zuvor die Feministinnen getan hatten. Das führt zu einer Gesellschaft, in der zum Beispiel Frauen doppelt so lange Zivildienst leisten wie Männer, um ihre deutlich höhere Lebenserwartung für die Allgemeinheit auszugleichen. Die Frauenquote ist endlich umfassend durchgesetzt: Das bedeutet allerdings auch, dass Frauen hälftig in den Urantagebau, die Feuerwehr, die Müllabfuhr und die Abwasserkanäle gezwungen werden. Und ehemalige Feministinnen, die "vor der Wende", wie es in dem Buch heißt, die Geschlechter noch gegeneinander aufgehetzt hatten, werden inzwischen angesehen wie Stasi-Mitarbeiter nach dem Ende des DDR-Sozialismus, müssen wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden und versuchen, den angerichteten Schaden halbwegs wiedergutzumachen.
Man merkt schon: Gogolins Buch ist mit einem wunderbaren schwarzen Humor geschrieben. Wirklich aufrüttelnd aber ist, dass nicht nur die Welt, in die er uns entführt, ziemlich grotesk wirkt. Grotesk und schaurig wirkt vor allem unsere eigene Gesellschaft und die Art, wie sie mit Männern umgeht, wie dies in Gogolins Roman rückblickend erzählt wird. Der Gedanke drängt sich auf: Wenn dieser ganze Spuk vorbei ist, werden viele Leute ebenso befremdet auf zum Beispiel das Jahr 2011 zurückblicken, wie wir heute auf die DDR-Jahrzehnte zurückschauen. Vielen DDRlern mag ihre sozialistische Welt aus purer Gewohnheit genauso selbstverständlich erschienen sein wie heute etlichen Bürgern das Zeitalter der feministischen Ideologie.
"Eintritt frei für Männer" hebt sich von vielen anderen Satiren erfreulich ab. Seien wir ehrlich: Die meisten Satiren legen längst nicht mehr den Finger auf alltägliche Unsäglichkeiten, die zu den Grundfesten unserer Gesellschaft gehören und deshalb kaum mehr hinterfragt werden. Stattdessen veralbern linke Satiriker die politische Rechte und umgekehrt, alles grundharmlos wie der Rosenmontagzug. Niemand braucht sich wirklich daran zu stören, alle finden es lustig, die Durch-den-Kakao-Gezogenen eingeschlossen. Würde ein Buch wie "Eintritt frei für Männer" jemals Massenauflage erreichen (was natürlich nicht passieren wird, weil Wolfgang Gogolin nicht durch die Talkshows gereicht wird wie beispielsweise Bascha Mika und Alice Schwarzer), dann wäre mit der Harmlosigkeit Schluss. Die Reaktionen wären zweifellos sehr heftig - schließlich sehen sich männliche wie weibliche Feminismuskritiker, die die von Gogolin ausgebreiteten Themen ansprechen, jetzt schon immer wieder Gewaltdrohungen ausgesetzt. Wenn eine Absage an die politische Korrektheit auf so intelligente und durchdachte Weise geschieht, wie Gogolin das hier tut, hat man es mit einem wirklich starken Buch zu tun. Insofern kann ich es für Bibliotheken, Lesezirkel, aber auch den ganz privaten Genuss nur empfehlen.