Der Autor Horst-Eberhard Richter lässt große Denker der Menschheitsgeschichte ein Streitgespräch im Himmel über die Zukunft der Menschheit führen: Konfuzius, Platon, Buddha, Augustinus, Descartes, Marx und Freud, moderiert von 'Gastgeber' Einstein.
Das Hörbuch ist eine Art philosophisches Handbuch für alle an der Zukunftssicherung interessierten Bürgerinnen und Bürger. Es ruft gleichermaßen dazu auf, die Vergangenheit zu erforschen und zu kennen, das Positive wie Negative unseres kulturellen Erbes anzunehmen, wie es uns ermahnt, die Chancen der Technologien zu ergreifen und gleichzeitig ihren selbstvergessenen, überheblichen Auswüchsen entschieden entgegen zu treten. Ein Maß für Verträglichkeit oder Schädlichkeit finden wir allein in der Vergangenheit in der Tradition, in der Kultur.
Vor allem aber möchte dieser Beitrag Mut machen und aus Pessimismus und Resignation herausführen.
Die Herangehensweise an das General-Problem »Zukunftssicherung« ist umsichtig, geschickt und modern. Die gegenwärtigen massiven Probleme der abendländischen, westlichen Kultur werden entlang eines roten Fadens erhellt. Die/der ZuhörerIn bekommt Zusammenhänge vor Augen geführt, lernt ganz verschiedene Positionen kennen und wird zu Synthesen angeregt, auf die sie/er womöglich anders nie gekommen wäre. Anzumerken ist, dass Einiges an Vorwissen von der Zuhörerin, dem Zuhörer verlangt wird, will sie/er dem Dialog mit Spannung und Gewinn folgen.
Die verschiedenen Positionen äußern sich mit der Stimme ihres Hauptvertreters zu einem aufgeworfenen Problem. Durch den konsequenten Gebrauch der Perspektive der jeweiligen Schule dieses Denkers lernt der Zuhörer ihre typischen Elemente und Kerngedanken kennen. Mit jeder Figur in der fiktiven Runde verbindet er bald eine bestimmte Denkweise und kann dem Streitgespräch alsbald mit intellektuellem Genuss folgen. Durch keine der Lehren muss sich hindurch gequält werden, sondern immer geht es um konkrete Probleme im Jetzt und Hier, wodurch es spannend bleibt.
Die anderen »Konferenzteilnehmer« haben Gelegenheit, das Gesagte kritisch zu kommentieren - was sie wiederum aus ihrer Perspektive, ihrer Denkschule heraus tun. So werden Vor- und Nachteile einer jeden geistesgeschichtlichen Tradition offen gelegt. Wir als die Zuhörer bekommen ein Feeling dafür, was diese uns heute nützen. Wie urteilen wir bspw. heute über des Kirchenvaters Augustinus' Lehre von der »Ursünde«, die dem Menschen ewig anhaftet und die das Böse beständig neu hervorbringt? Müssen wir uns in Demut und Buße üben, oder sollten wir radikal brechen mit diesem Denken und uns rein wissenschaftlich-positivistisch ausrichten, wie Descartes es vorschlägt, dem die schrecklichen Auswirkungen von Aberglaube und Fanatismus in seiner Zeit deutlich vor Augen standen? Inwieweit eignet sich der Buddhismus als neutraler Vermittler in diesem abendländischen Streit zwischen Geist und Körper? Er, der eine ganzheitliche Weltsicht kennt - männliches und weibliches Prinzip harmonisch miteinander in Einklang bringt, das Spirituelle als wichtigen Bestandteil des Seins nicht unterschlägt, sondern eingehend erforscht? Und inwieweit sollten wir Marx Recht geben, der sich für die unterdrückten Proletarier-Massen einsetzt oder Freud, der die Seelenverfassung der Modernen - und zumeist aus den Reihen des gehobenen Bürgertums - analysiert?
Die Konferenzteilnehmer suchen nach Lösungen für die Misere der Umweltvernichtung und atomaren Bedrohung, die offenbar von keinem internationalen politischen Organ, keiner Regierung, keinem Mächtigen und keiner Bevölkerung auf der ganzen Welt so behandelt werden, wie es ihrem Bedrohungspotential angemessen wäre. Woher diese Passivität? Wo lassen sich hoffnungsvolle Lösungsansätze finden? Die Suche ist keine einfache. Zumindest aber erkennt die von so hoher Warte aus durchgeführte Erörterung zahlreiche Irrwege und Fallstricke.
Ein Beispiel: Die so einfache wie falsche 'Lösung' einer Menschenzüchtung mit Hilfe der Biotechnologie in einem womöglich total überwachenden, technisch hochgerüsteten Staatsapparat werden aufgrund der damit verbundenen seelischen Verarmung zurückgewiesen.
Freilich wird am Ende kein Patentrezept verkündet. Der Gastgeber Einstein schließt mit den Worten:
»Fragt ihr mich nach meinem persönlichen Resümé, so sehe ich für den Menschen, will er die Zukunft seines Geschlechtes sichern, die einzige Chance darin, dass er zwei ganz einfache Einsichten endlich praktisch beherzigt: Dass sein Schicksal mit dem der Mitmenschen in allen Teilen der Erde unlösbar verbunden ist und dass er zur Natur und diese nicht ihm gehört.«
Ein dazu passendes weiteres Zitat lautet: »Woraus zu folgern ist, dass der einzelne Mensch zu jeder Zeit seiner Mitverantwortung für das Ganze inne sein sollte. Daraus allein ergebe sich schon ein entschlossenes Widerstreben gegen alle Formen von Ungerechtigkeit und Gewaltverhältnissen. Ich bin sicher: Sollten die Einzelnen gemeinsam den Weg einer geduldigen und eingehenden Selbstbefragung einschlagen, werden sie in sich genau diese Verbundenheit mit dem Ganzen vorfinden. Denn das Mitfühlen mit noch so fremdem Leben und Leiden ist jedem Menschen als Chance zur Überwindung seiner trostlosen Vereinzelung und zur Bestätigung seiner sozialen Wichtigkeit eingebohren.«