Preiswerte Gitarren sind eine riskante Angelegenheit. Nicht selten ist die Verarbeitungsqualität schlecht und man sich kann beim Spielen die Finger verletzen (und oft genug auch die Ohren ...). Umso mehr überrascht diese Westerngitarre, ein Produkt des in Belgien ansässigen Herstellers Stagg (Modell Stagg SW203N). Es ist erstaunlich, dass man für so wenig Geld eine so gute Qualität erhalten kann. Stagg scheut sich nicht, auf die SW203N eine lebenslange Garantie zu geben, was man sonst eigentlich nur von Markenherstellern wie Martin, Gibson oder Fender gewohnt ist.
Der Klang ist recht gut, so dass diese Billig-Gitarre durchaus mit deutlich teureren Modellen mithalten kann. Das hat seinen Grund darin, dass hauptsächlich ordentliche Hölzer und keine künstliche "Holzpampe" verwendet wurden. Die Decke ist ebenso wie die Zargen aus Lindenholz; sie ist außerdem mit einem X-Bracing stabilisiert, wie man es von teureren Gitarrenmodellen kennt. Bei einer Gitarre dieser Preisklasse wird Lindenholz nicht häufig verwendet, meist greifen die Hersteller zu einfachen Holzmischungen wie Laminat. Leider ist der Gitarrenhals nur aus Nato, einer mahagoniähnlichen Holzart, die recht bruchanfällig ist. Das Griffbrett dagegen ist aus dunklem Ahorn. Positiv zu vermerken ist in diesem Zusammenhang, dass die Saiten einen geringen Abstand zum Griffbrett haben, so dass man sie ohne große Schwierigkeiten drücken kann. Außerdem lassen sich die Barré-Griffe auf diese Weise leichter bewältigen.
Erfreulich ist auch, dass die SW203N über einen verstellbaren Halsspannstab verfügt, sollte es insoweit einmal Anpassungsbedarf geben. Die Mechanik ist aus schwarzem Chrom und macht einen stabilen Eindruck. Der Korpus ist auf Hochglanz lackiert, was sich zwar auf den Klang nicht auswirkt, aber zumindest nett anzuschauen ist.
Das Zubehör kann sich ebenfalls sehen lassen: Neben einer schwarzen Gitarrentasche ("Gig Bag"), einem Gitarrengurt und einem Gitarrenständer finden sich Reservesaiten sowie eine Stimmpfeife. Letztere ist zwar nur bedingt brauchbar, aber auf der beigefügten CD-ROM ist neben einem interaktiven Gitarrenkurs auch ein Gitarrenstimmprogramm enthalten, mit dem sich über das Computermikrofon, sofern man über eines verfügt, die Gitarre sauber stimmen lässt. Positiv zu vermerken ist auch, dass dem Zubehör der erste Band des Gitarrenbuchs von Peter Bursch beigegeben wurde. Es handelt sich hierbei um den Klassiker unter den Gitarrenlehrbüchern ohne Noten; wer hiermit nicht Gitarre spielen lernt, sollte sich besser ein anderes Instrument suchen, das ihm mehr liegt.
Fazit: Eine überraschend gut verarbeitete Gitarre mit ordentlichem Klang, bei der das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Für Anfänger kann dieses Gitarrenset uneingeschränkt empfohlen werden.