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5.0 von 5 Sternen
Oswald Metzger - der Neonormale?, 26. April 2003
Rezension bezieht sich auf: Einspruch. Wider den organisierten Staatsbankrott. (Gebundene Ausgabe)
Einer der wenigen Vordenker unseres Gemeinwesens hat sich einen Ruck gegeben und zusammengeschrieben, was in Deutschland am Bach ist. In einer überregionalen Tageszeitung war im April ausschnittsweise ein Vorabdruck zu lesen. Hier ein Auszug seiner -wie ich finde- richtigen Erkenntnisse: - Staatliche Transferleistungen ohne Gegenleistung sind nicht mehr finanzierbar und deshalb nicht mehr hinzunehmen. - Wahre Solidarität -einer der am meisten mißbrauchten Wertbegriffe in diesem Land- kann in Form finanzieller Hilfe gegenüber nur noch denjenigen gewährt werden, die sich aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr selbst helfen können. Eine Inanspruchnahme staatlicher Sozialleistungen mit einem Anspruch auf In-Ruhe-gelassen werden, kann es nicht mehr geben. - "Neoliberalismus" ist ein Kampfbegriff derjenigen, die ihr Monopol auf einen Arbeitsplatz mit Vollkaskoversicherung verteidigen. - Die Bundesanstalt für Arbeit beschäftigt sich im wesentlichen mit sich selbst und hat eine Industrie um sich herum angesiedelt, die davon lebt, dass Arbeitslose nicht zurück in den Arbeitsmarkt kehren. - Es hat über Jahrzehnte eine schleichende Steuererhöhung dadurch gegeben, dass die Einkommenssteigerungen nicht in die Progression eingegangen sind. Man braucht heute ein wesentlich geringeres nominelles Gehalt um in den "Genuss" höherer Steuersätze zu kommen. Metzgers Erkenntnisse sind nicht von irgendeiner Ideologie getrübt und auch nicht alle neu, aber trotzdem dramatisch. Hier werden die Mißstände im Zusammenhang untersucht und auf Ursachen zurückgeführt. Seine Schreibe ist absolut verständlich und nachvollziehbar. Ich halte dieses Werk für genauso empfehlenswert wie Meinhard Miegel's "Die deformierte Gesellschaft", der ähnliche Mißstände aus dem Blickwinkel der demographischen Veränderungen untersucht hat.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Grüner Terminator des Sozialstaates, 18. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Einspruch. Wider den organisierten Staatsbankrott. (Gebundene Ausgabe)
Oswald Metzger auf dem Weg zurück in die Politik „Weniger ist mehr“ ist nicht nur ein Leitspruch, zu dem der ehemalige Bundestagsabgeordnete Oswald Metzger in seinem Buch „Einspruch! Wider den organisierten Staatsbankrott“ ausruft, diese Metapher ist ein fester Bestandteil des Lebens des streitbaren Grünen Politikers geworden. Pädagogisch und manchmal oberlehrerhaft rechnet Metzger in seiner Leidenschaftsvorlage mit dem ab, was ihn als Abgeordneten störte: ein überkommenes Beamtenparlament, rückgratlose Parteikollegen und der zum Selbstbedienungsladen verkommenen Sozialstaat. Alle kriegen ihr Fett weg. Doch mit seinem Blick zurück im Zorn wird der querdenkende Querkopf nicht selten ein Gefangener seiner selbst. Zum einen bemängelt er das Verhalten vieler Politiker als eitel und nach Liebe der Wähler lechzend, auf der anderen Seite sind es genau diese niederen Beweggründe, die die urgrüne Nervensäge zum unbequemen Autor machen. Der gebürtige Schweizer und abgebrochene Rechtswissenschaftler glaubt an seine politische Wiedergeburt per Buch. In den drei Monaten, schrieb ein Buch, frei von der Leber weg - ohne dabei groß auf Diplomatie zu setzen. Doch dass er damit etwas erreicht, könnte sich als Trugschluss erweisen. Lafontaine oder Möllemann machten den gleichen Fehler. Es scheint als hätte er sein persönliches Debakel, die verlorene Stichwahl gegen Cem Ödzdimir, die zu seinem Abgang aus dem Bundestag führte, noch nicht verarbeitet. Denn nach seinem kometenhaften Aufstieg, bei dem Metzger schneller zum Haushaltsexperten wurde als ihm lieb war, wollte er nicht sang- und klanglos abtreten. Besonders geglückt ist ihm die Diagnose im zweiten Kapitel „Abschied vom Schlaraffenland“: Eine auch für Laien leicht verständliche und nachvollziehbare Kritik an der deutschen Finanz- und Wirtschaftspolitik und dem Gesundheitswesen. Für ihn alles ein bereits zu Bismarcks Zeiten falsch aufgesetzter und verkommener Schmarotzerladen mit „Vollkaskomentalität“, wo der Ehrliche der Dumme ist. Das von Metzger skizzierte Bild lässt sich ideologisch schwer in Schubladen stecken. Doch darin liegt seine Stärke und Schwäche zugleich. Es trägt Züge von einem schwabenländischen, grünen Neoliberalismus, für die es schwer fallen wird, breite Massen in unserer deformierten Gesellschaft zu gewinnen. Ob sein Wunsch als „Terminator des Sozialstaates“ in die Politik zurückzukehren aufgeht, wird die Zukunft zeigen.
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18 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Nur die Hälfte des Weges, 29. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Einspruch. Wider den organisierten Staatsbankrott. (Gebundene Ausgabe)
Ich war auf Metzgers Buch sehr gespann, weil ich seine erfrischend ehrliche und leidenschaftliche Art bei öffentlichen Auftritten gerne mag. Jetzt, nach der Lektüre, bin ich enttäuscht. Das Buch besteht aus zwei Teilen. In einem ersten bekommen wir auf knapp 50 Seiten die politischen Memoiren von Oswald Metger zu lesen. Anmerkungen zum Aufstieg, zu den Verletzungen und zum Rückzug aus der Politik. Der zweite Teil ist sicher die vollständigste, knappste und verständlichste Beschreibung der notwendigen Reformen in Wirtschaft und Politik. Nirgends kann man sich schneller, präziser und vollständiger über die Reformen informieren. Nur: warum ist es so langweilig, das zu lesen? Satz für Satz ist richtig. Er weiß, was man tun muss und man würde ihm sofort vertrauen. Aber warum sitzt er in Biberach und nicht mehr in Berlin? Das Problem des Buches ist, dass es sich auf die Diagnose und die Beschreibung der notwendigen Reformen beschränkt. Aber es reicht eben nicht, dass man dem Patienten seine Krankheit erklärt und die perfekte Medizin für ihn entwickelt. Er muss die Pille auch schlucken! Das aber fehlt in diesem Buch. Wie die Medizin in den Patienten kommt wird vollständig ausgeklammert. Dass wir eine Krise haben, weiß jeder. Und was wir dagegen tun müssen, wird seit Jahrzehnten im volkswirtschaftlichen Grundstudium an jeder Uni gelehrt. Deshalb ist das Buch fast langweilig, weil es sich wie die populäre Fassung des Sachverständigengutachtens liest. Aber Sachverständige und Wissenschaftler haben wir genug. Wir brauchen Politiker, die spüren, wie etwas umsetzbar wird, wie man den Ausgleich sucht, taktiert, Mehrheiten bildet, motiviert, damit die Dinge endlich umgesetzt werden können. Oswald Metzger war für mich einer, dem ich diese schwierige Aufgabe zugetraut hätte. Deshalb ist das Buch auch fast deprimieren, weil er nicht am Ende ankündigt, wie er im Sturm von Biberach wieder zurück nach Berlin kommen will. Mit seinen ganzen Attacken gegen Parteifreunde hat er eine solche Rückkehr auch fast unmöglich gemacht. Wer aber bleibt denn noch, um diese Aufgabe wirklich anzupacken?
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