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"Lieber Udo,
gestern in der Nacht habe ich das Buch beendet. Nach der Lektüre der letzten Monate im Erleuchtungsdschungel muß ich Dir unbedingt Recht geben, es war der absolute Höhepunkt. Es scheint wohl doch einen erheblichen Unterschied zu geben zwischen Erleuchteten und Erleuchteten, insbesondere, wenn man bedenkt, dass Stephen sein Erlebnis mit 16 Jahren hatte und in den letzten 40 Jahren mit seinem scharfen Intellekt versucht hat, dieses Erlebnis und die nachfolgende Entwicklung auch auf gedanklicher Ebene zu erfassen. Dies finde ich besonders dadurch bemerkenswert, dass er keiner Richtung angehört und sich seine Gedanken ohne Beeinflussung irgendwelcher Philosophien selbst gemacht hat. Ich kann Deine Aussage verstehen, dass im Gegensatz zu (...)dieses Buch eine besondere Resonanz bei Dir hervorgerufen hat. Mir ging es genauso.
Nach der Lektüre dieses Buches habe ich den Eindruck, dass die Verfasser der anderen Bücher allein auf Grund der Zeit gar nicht in der Lage sind,einem Nicht-Erleuchteten das Erlebnis auf einer gedanklichen Ebene rüberzubringen, denn sie benutzen irgendwelche Erklärungsmodelle, die dem Erlebnis nicht gerecht werden und den Nicht-Erwachten nur verwirren. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie sagen, Erleuchtung ist Zufall,ich bin eben erleuchtet, und du nicht. Keep cool, buddy, man kann nicht alles haben. Bei Jourdain hatte ich das Gefühl nicht, was auch daran liegen mag, dass er keine Veranlassung sieht, der Welt seine Weisheiten aufzudrängen.
Gerade am Schluß des Buches hatte ich das Gefühl, Jourdain kam zu den Schlüssen, die der Kurs[in Wundern,d.V.] so schön beschreibt. Insbesondere die ständig von Dir benutzte Frage: "Wer erfährt/entscheidet/erlebt denn da?", die ich in der Form zum ersten Mal von Dir im ersten Treffen mit unserer Gruppe Anfang des Jahres wahrgenommen habe, und die Du ja schon fast gebetsmühlenartig wiederholst, diese Frage kommt bei Jourdain einer Antwort näher. Die Antwort, da ist niemand, nur die Quelle, die unendliche Weite oder was sonst noch, ist und war letztendlich unbefriedigend. Obwohl die Antwort von Jourdain im Prinzip gleich ist,aber eigentlich besser zum Kurs passt. Aber ich habe das Gefühl, dass Jourdain mit vielen Irrwegen radikal aufräumt, auch den Irrwegen, die man als Kursianer einschlagen kann.
Du hast in diesem Buch sicherlich die Antwort gefunden, ob der Weg zum Erwachen grundsätzlich durch das Leiden führen muß. Denn die gemeinsam mit Gilles Farcet gefundene Aussage, dass es zunächst notwendig ist, den glücklichen Traum zu träumen, beantwortet die Frage (allein dieser gemeinsam gefundene Gedankengang war beeindruckend). Wobei das "Leiden" dann noch erforderlich ist, um das Bedürfnis nach dem Erwachen aufrechtzuerhalten. Dieses letzte Kapitel hätte aus dem Kurs stammen können, nur, dass es nicht als eingegebene Wahrheit daherkommt, sondern als Ergebnis einer Reflexion über eine direkte Erfahrung. Belustigt hat mich der Ärger von Jourdain, dass er für einige seiner selbst gefundenen Erklärungen christliches Gedankengut heranziehen musste, für einen Atheisten sicherlich sehr schwierig. Aber gleichzeitig auch seine Offenheit,sein Erleben vor solche Kinkerlitzchen zu stellen.
Sehen wir also zu, dem glücklichen Traum näherzukommen und vergessen wir, was wir für Erleuchtung halten, um aus diesem Objekt endlich ein Subjekt zu machen. Nächste oder übernächste Woche werden wir bestimmt Gelegenheit haben, das Thema noch etwas näher zu beleuchten (hast Du Dich schon auf Korsika angemeldet? :-).
Liebe Grüße, guten Rutsch ins Euro-Jahr Gregor "
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