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Produktinformation
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Mit seinen Bildern vom Alltag in der postmodernen Metropole baut Autor Helmut Krausser einen beachtlichen Spannungsbogen rund um Hingabe, Freiheit und Illusionen der Fröhlichkeit auf. Lässt der brillante Romancier Menschen im Berliner Dunstkreis zusammentreffen, wird zunächst aus der Sicht des einen, später des anderen erzählt. So wachsen die Geschichten Schritt für Schritt zusammen und verdichten sich bis hin zur Kernschmelze. Selten kommen die Figuren stereotyp, oft tragikomisch daher. Und die unterschiedlichen Paare beweisen einmal mehr, dass es ohneeinander nicht geht, miteinander aber auch nicht so recht, am ehesten noch im Bett.
Stets bunt, meist direkt und höchst lebendig wird das heutige Leben im urbanen Milieu gezeichnet, aus dem Schweinefresserhuren, Ziegenficker und unerhörte Propheten förmlich herausgeschnitten wirken. Im Alltag koexistieren bierseeliges Öttinger-Lachen und harte No-Go’s, zarte Zuneigung und respektloses Gegeneinander. So kommt Tänzerin Janine im Roman einmal zu dem Schluss: „Es gab so viele Menschen. So viele Milliarden. Und alle würden in 100 Jahren tot sein.“ Bis dahin möge Autor Helmut Krausser im echten Leben noch zahlreiche weitere temporeiche literarische Tatorte verfassen wie Einsamkeit und Sex und Mitleid.
– Herwig Slezak
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einfachheit und Stil und Menschlichkeit,
Von
Rezension bezieht sich auf: Einsamkeit und Sex und Mitleid (Gebundene Ausgabe)
Der Autor bzw. sein Buch Fette Welt wurde mir von meinem Deutschlehrer ganz beiläufig empfohlen. Da mir die Geschichte um Hagen Trinker aber vom Thema her nicht zugesagt hatte, habe ich mich nach anderen Romanen Helmut Kraussers umgeschaut und - siehe da - prompt traf ich auf "Einsamkeit und Sex und Mitleid", welches mich schon durch die Verballhornung der einschlägigen Passage der Nationalhymne ansprach.Eine lange Zugfahrt stand bei mir an, so dass ich nicht lange überlegen musste und dieses knapp 230-seitige Werk schnell gekauft habe. Den Inhalt in Kürze zusammenzufassen, fällt ungemein schwer: Sind es doch zu viele Menschen und unterschiedliche Persönlichkeiten, die in dem Roman eine tragende Rolle spielen. Sei es der Callboy Vincent, der am Weihnachtsabend von einer Einbrecherin in seiner leeren Wohnung überrascht wird - und die sich anschließend anfreunden oder Herr Dr. Stern, der mit seiner Mitarbeiterin Carla eine Affäre eingeht, von der seine Ehefrau Sarah weiß und diese auch duldet. Oder die sechzehnjährige Swentja, die mit Johnny, einem Jungen, der von seinen Eltern nach Sektenstandards erzogen wurde, zusammen ist, diesen aber nach einer Beziehung, "die nun fast sieben Wochen dauerte" und dadurch der Meinung war "im Leben bereits zu viel verpasst zu haben", sitzen lässt und sich lieber Mahmud - einem Fremden - zuwendet, der ihr per SMS ein für sie verlockenedes Angebot macht. Außerdem wird noch ein kleines Mädchen entführt, Menschen werden verprügelt, bepöbelt und angeschossen... Zu den genannten acht Personen gesellen sich aber noch mindestens 15-20 weitere, die alle ihr eigenes Päckchen zu tragen haben. Das Tolle an diesem neuesten Roman von Helmut Krausser ist, dass der Leser sofort in die Handlung hineinfindet. Sukzessive werden die Protagonisten vorgestellt und in Verbindung mit anderen schon kennengelernten Figuren gebracht. Und hier ist auch ein großer literarischer Hut vor Herrn Krausser zu ziehen, denn wie er es schafft, sämtliche Personen in einen Zusammenhang mit anderen zu bringen, ist wirklich beachtlich. Keines dieser "Treffen" oder dieser "Zusammenstöße" wirkt konstruiert oder gekünstelt. Die teils lakonische und ironische Schreibweise, die die Situationen und Handlungsverläufe wunderbar beschreibt, ist zu keinem Zeitpunkt falsch gewählt. Zu jeder Person kreiert Krausser andere innere Monologe und Gedankengänge. An vielen Stellen des Romans habe ich laut aufgelacht, so dass ich im Zug von vielen schief angeguckt wurde. Eine der ersten Szenen des Buches, in der Dr. Stern einen kleinen Jungen beschuldigt seinen Turnschuh geklaut zu haben, ist, meiner Meinung nach, absolut herausragend, meisterlich und urkomisch. Natürlich spielt der Sex in jeder, der vielen Geschichte eine tragende Rolle. Ob bei den zwei einsamen Menschen, die sich per Online-Dating kennenlernen und treffen oder innerhalb einer obdachlosen Punker-Gruppe: zu jeder Zeit ist die Ware Sex ein Thema. Und da ist auch schon der Knackpunkt: Nie wirken die Szenen, die Krausser beschreibt, reißerisch oder gar überbordend, eher wirkt die fehlende Erotik, die eigentlich ein Teil dessen sein sollte, mitleiderregend. Eigentlich sind alle Protagonisten einsame Menschen, die der Meinung sind, sich durch Sex aus dieser Lage herausretten zu können. Und ob und wie sie es versuchen, beschreibt Helmut Krausser in tollen sprachlichen Bildern und Szenen. Ich bin froh, diesen Roman spontan gekauft zu haben, denn er hat meinen literarischen Fundus um einiges bereichert. Das nächste Buch von Krausser, welches ich lesen werde, wird die Schmerznovelle sein. Ich bin sehr gespannt, ob meine Erwartungen erfüllt werden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der große Meister Zufall,
Rezension bezieht sich auf: Einsamkeit und Sex und Mitleid (Gebundene Ausgabe)
Der große Meister ZufallWas macht man an Weihnachten? Mit der Familie um den Weihnachtsbaum sitzen? In 'Einsamkeit und Sex und Mitleid' findet man die große Liebe in Form einer Einbrecherin, lässt in seiner Stammkneipe mit der Bedienung ganz leise eine Freundschaft beginnen oder trennt sich mit einem einfachen Satz von seinem Mann. Willkommen in der Welt der Romanfiguren Helmut Kraussers! Mit einer unvergleichbaren Beobachtungsgabe analysiert Krausser in seinem neuen Buch die Berliner Großstadtgesellschaft zum Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts. Die einsamen Figuren, die hier auftreten, stammen dabei nicht wirklich aus Randgruppen der Gesellschaft, repräsentieren aber auch nicht die üblichen Mittelschichtsbürger. Eine solche Bürgerschicht existiert in diesem Roman nicht. Vielmehr ist das Kaleidoskop von Figuren ein Ausdruck der Fragmentarisierung der Gesellschaft. Hier der frühpensionierte Lateinlehrer, dort der Punker oder der Junge, dessen Eltern einer streng-christlichen Gemein-schaft angehören. Dass aber in einer Großstadt niemand einfach nur für sich hin leben kann, das führt uns Krausser kunstvoll vor Augen. Dabei webt der das Netz, das die einzelnen Figu-ren verbindet und aneinander bindet von Seite zu Seite immer dichter. Hierbei ist der Zufall das Verbindungsglied, das die Figuren aneinander kittet und ihr Schicksal bestimmt. Dieses Verfahren, das gleichzeitig die Konfliktlinien innerhalb der Gesellschaft absteckt, weist Kraussers Roman als postmodernes Werk aus. Die glaubwürdig-realistische Darstellung gleitet aber nie in ein langweiliges Sozialkritikepos ab, sondern wird durch Kraussers dunklen Humor und eine gute Portion Ironie aufgelockert. Das Interessante an diesem Roman ist nicht so sehr die Handlung und die leider manchmal nur schlaglichtartige Charakterisierung, die sich aber durch die große Zahl der Figuren auf 223 Seiten kaum vermeiden lässt. Vielmehr präsentiert der Autor uns eine Rollenverteilung, die wir nicht gewohnt sind. Der junge Türke, der nicht weiß, wie ihm geschieht, als er von einem älteren Herrn provoziert wird und von dessen kickboxender Geliebter verprügelt wird. Oder der Edelgigolo, der seinen Kundinnen bestimmte Sexpraktiken verweigert, weil das seine Freundin so will. Diese Umkehr der ge-wohnten gesellschaftlichen Rollen weist uns auf unsere eingefahrenen Denkmuster hin und macht durch diese Verfremdung das Buch zu einer eindrücklichen Zeitdiagnose und dazu sehr unterhaltsam. Ein positives Bild dieser Figuren darf man sich davon aber im Großen und Ganzen nicht versprechen. Das Bedürfnis nach Sex wird vielmehr für die meisten Figuren zur obersten Priorität, was für sie immer wieder zu peinlichen und unangenehmen Situationen führt. Dabei will man auch manchmal das eine oder andere Detail einfach nicht lesen. Aber das ist bei Krausser nun mal Programm. Nur in wenigen Fällen kommen menschliche Regun-gen als Gegenpol zu dieser Triebsteuerung in Sicht. Und ob das nun immer wahre Liebe oder eher Mitleid über das Schicksal des anderen ist, bleibt letztlich offen. Doch wenn, dann fällt sie dorthin, wo man sie nicht erwartet. Zu Weihnachten wie auch im Frühling. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Homerische Souveränität,
Von
Rezension bezieht sich auf: Einsamkeit und Sex und Mitleid (Gebundene Ausgabe)
Helmut Krausser hat mit seinem neuen Roman "Einsamkeit und Sex und Mitleid", einem Episodenroman ohne eigentliche Hauptperson, einen neuen Höhepunkt seines literarischen Könnens, eine wieder verwandelte, überraschende, furiose Stufe der Meisterschaft erreicht. Wer oder was hat ihm nur die Inspirationen eingegeben für die vielgestaltigen Figuren, an die uns ein olympischer Erzähler sachte heranführt, ohne sie je despektierlich zu behandeln oder vorzuführen? Wie Homer nimmt Krausser den Leser an die Hand, wir sind an vielen Orten gleichzeitig, dürfen zuschauen, zuhören, uns an den witzigen, brillant gestalteten Dialogen und Situationen ergötzen, empfinden Mitleid mit den tapsigen, verblendeten, kopfscheuen Versuchen der in feinsinnigem Beziehungsgeflecht stehenden Personen, mit ihren Versuchen, vom großen, immer nur als Option vorhandenen Lebensglück ihr Teil abzubekommen. Wie die Götter Homers vom Olymp schauen wir hinab, erkennen den Menschen als den armen Tropf, der er nach Schopenhauers Meinung trotz allen zivilatorischen Beiwerks immer bleibt, erfreuen uns grausamerweise manchmal am Farbenspiel eines möglichen Todeskampfes, bis am Ende alle mit sich und der Welt in einem Maße ausgesöhnt sind, über das hinaus die Welt eine Aussöhnung nicht gewährt.Krausser und Kehlmann könnten sich vor nicht allzu langer Zeit zu einem inspirierten Gespräch getroffen und ihre literarischen Pläne ausgetauscht und erstaunliche Ähnlichkeiten festgestellt haben: Von Glück und Unglück des scheinbaren Zufalls, von menschlichen Beziehungen zu schreiben, deren subtile Zusammengehörigkeit sich nur aus dem Blickwinkel einer höheren Warte mitteilt. Kehlmanns "Ruhm" gewann das Wohlwollen der Rezensenten und der Leser. Kraussers "Einsamkeit und Sex und Mitleid" gebührt die Krone! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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