Zum Glück werden Jungen immer öfter zum Thema gemacht. Sicherlich Dank der wertvollen Arbeit mit Mädchen aus der feministischen Ecke kommt immer deutlicher der Ruf nach entsprechender Forschung und Arbeit mit Jungen. Doch bei dem vorliegenden Buch scheint den Autorinnen nicht ganz klar geworden zu sein, womit sie sich eigentlich beschäftigen. Ich selbst bin durch meinen Beruf Bezugsperson auch für viele Jungen. Es war äußerst unbefriedigend, ständig mit oft sehr platten Allgemeinplätzen konfrontiert zu werden, wie Jungen sind - zu oft im Vergleich zu Mädchen, um die es doch eigentlich im Buch nicht gehen sollte - und dass es ihnen doch viel besser erginge, wenn sie all die tollen Eigenschaften der Mädchen annehmen und integrieren würden. Sicher, habe ich das Buch als Mann von meiner männlichen Warte aus gelesen und ich bin dabei auch bewußt parteiisch - eines der grundlegenden Fundamente geschlechtsspeziefischer Arbeit. Impulse für ein zeitgemäßes Jungenbild konnte ich leider nicht finden. Zudem kommt bei mir der Verdacht auf, dass viele der Interviewergebnisse sehr gelenkt sind, und die ständigen Generalisierungen sind ein nur wenig überzeugender Versuch, wissenschaftliches Vorgehen darzustellen. Sicher sind die geschilderten Erfahrungen gemacht worden - aber aus der Sicht von Frauen. Was wir brauchen ist die Sicht der Jungen. Denn genauso kenne ich aus meiner Arbeit viele entgegengesetzte Erfahrungen mit Jungen, die liebevoll, sensibel, kreativ, verspielt und abenteuerlustig (...) sind. Sicherlich aber ist die (einzige) Lösung nicht im doch so großen Gruppendruck zu suchen. Die vielversprechenden Kapitelüberschriften machen neugierig, der Inhalt hat damit aber oft nur zu wenig zu tun. Schade. P.S. Auch bei Mädchen gibt es den Gruppendruck (meine Erfahrung als Mann...)