Billy Wilders "Eins, zwei, drei" gehört ganz bestimmt zu den allerbesten Filmkomödien, die je gedreht wurden -- eine an sich schon komische Grundsituation, "überzeugter Kommunist muss binnen weniger Stunden in einen für amerikanische Tycoons akzeptablen Schwiegersohn umgemodelt werden", wird durch die traumwandlerisch sichere Regie und phantastische Schauspieler-Leistungen bin in die allerkleinste Nebenrolle hinein zum Meisterwerk.
Wer den Film noch nicht kennt: Berlin, Frühsommer 1961. McNamara, Coca-Cola-Chef für Westberlin (James Cagney in der Rolle seines Lebens), hat sich gut eingerichtet mit devoten Subalternen (einfach herrlich: Hanns Lothar als hackenschlagender Schlemmer), dem blondem "Fraulein Ingeborg" mit Monroe-Touch (unwiderstehlich: Liselotte Pulver) als Sprachsekretärin, dem unerschütterlich korrekten Chaffeur Fritz (Karl Lieffen) und treu ergebenen Angestellten, die brav aufstehen, sobald der Chef den Raum betritt und auf seinen Befehl zum "Sitzen machen" warten. Und nun wird ihm die Sorge für die 17jährige Tochter Scarlett seines Chefs Hazeltine (herrlich dümmlich: Pamela Tiffin) angetragen. Damit nicht genug: Nach einigen Wochen will Hazeltine seine Tochter wieder abholen, und wenige Stunden vor dessen Eintreffen erfährt Mc Namara, dass Scarlet heimlich einen Ostberliner Kommunisten Otto Piffl (Horst Buchholz) geheiratet hat und obendrein schwanger ist -- eine Katastrophe, denn Hazeltine ist ein strammer Kalter Krieger. Eine aberwitzige Jagd beginnt, während der Liselotte Pulver zu den Klängen des Säbeltanzes auf dem Tisch tanzt und dabei die russische Handelskommission betört, Piffl mit "Itsy bitsy teeny weeny" gefoltert wird, die Mutter aller Auto-Verfolgungsjagden zu sehen ist, und Otto Ludwig Piffl schließlich in Rekordzeit und brachialstmöglich in den Leiter der Flaschenabfüllung Otto Ludwig von Droste-Schattenburg verwandelt wird. Wilders und Diamonds Drehbuch beruht auf einer Salonkomödie von Ferenc Molnár von 1928, und man merkt es in jeder Einstellung, jedem Dialog: Wilder hatte sich seinen k.u.k.-Humor wunderbar bewahrt.
Noch einmal: Was hier an schauspielerischen Leistungen zu sehen ist vom alles und alle antreibenden James Cagney bis in die allerkleinste Nebenrolle, wie hier en passant Film- und Kulturgeschichte veräppelt werden, von "Ninotschka" bis "Zwölf Uhr mittags", von sozialistischen Heiligen Kühen bis zu amerikanischer Prüderie, wie hier die Dialoge vor Witz sprühen, wie Wilder hier noch brillante Pointen in Szenen setzt, mit denen andere Regisseure auch schon ohne Pointe hochzufrieden gewesen wären -- das ist Spitzenklasse! Man könnte schwelgen, Szene für Szene wiedergeben -- ob nun Friedrich Holländers Gastspiel als Kapellmeister im Grandhotel Potemkin, ob McNamaras Gattin (Arlene Francis) mit ihren wunderbar sarkastischen Kommentaren, den "Genossen Borodenko vom Limonandensekretariat", Schlemmers nicht zu übertreffendes "Die Herren Kommunisten sind eingetroffen!", schließlich die atemberaubende Jagd zum Flughafen Tempelhof, um den hohen Gästen aus Amerika den gerade noch rechtzeitig fertiggewordenen Schwiegersohn vorzustellen -- es wäre ungerecht all den vielen ungenannten Szenen gegenüber.
Diese DVD enthält erfreulicherweise aber nicht nur die deutsche Fassung (was allein schon den Kauf wert wäre), sondern, neben dem amerikanischen Original, auch die italienischen, französischen und spanischen Synchronisationen. Vor allem das Original ist natürlich verlockend und ein Hochgenuss. Nicht nur die ganze Palette an "German Englishes", vom Doktor und seinem "The temperature, she is normal" bis zu Buchholz' nahezu perfekter Aussprache. Aber das Beste ist: Man stellt hier fest, wie hervorragend dieser Film synchronisiert wurde, wie jeder Original-Witz kongenial ins Deutsche übertragen wurde. Keine platten Übersetzungen! Auch hier erkennt man deutlisch Billy Wilders Handschrift.
Das einzige was bei dieser auch in Sachen Bildqualität hervorragenden DVD verbessert werden könnte, sind die etwas mageren Hintergrund-Informationen zum Film, etwa ausführlichere Besetzungslisten (gerade weil hier die schauspielerischen Leistungen so phantastisch sind!) oder Hinweise auf Synchronsprecher usw. Aber, was wiegt dieser kleine Einwand schon gegen dieses begnadete Meisterwerk!