Jedes Wort der Begeisterung über diese Geschichte ist berechtigt. Handlung, Sprache, Atmosphäre, wechselnde Erzählperspektiven - alles hervorragend in jeder Hinsicht. Aber ist es wirklich, wie der Untertitel besagt, "Eine Liebesgeschichte" ? Es ist eine Geschichte über Liebe, über verschiedene Arten von Liebe, auch über die große Liebe, die man eben nur einmal im Leben erfahren darf.
Aber die Erzählung handelt auch von Heimatlosigkeit, von Unentschlossenheit, die sich daraus ergibt, dass hergebrachte kulturelle Normen ihre Gültigkeit verlieren, ohne dass andere, verbindliche, an ihre Stelle treten.
Es handelt von Trauer. Die Trauer eines jungen Mannes um seine geliebte Mutter wird meisterlich dargestellt.
Das Buch handelt von Zeit, von ihrer relativen Bedeutungslosigkeit. Was sind schon zehn, zwanzig Jahre, wenn es um die große Liebe geht? Es handelt von Zeit im Sinne ihrer absoluten, alles entscheidenden Bedeutung. Sekunden entscheiden dann über Schicksale. Ein falsches Wort, ein falscher Satz gibt dann den Ausschlag.
Das Buch handelt von Trauer um eine nicht gelebte Liebe. Es ist wohl eine Liebesgeschichte, aber fast mehr noch eine Nichtliebesgeschichte. Ich lese es als bittere Mahnung in der Liebe nicht halbherzig zu sprechen und zu handeln.