Eine der erstaunlichsten Neuerscheinungen des Jahres 2009 hielt der fe-medienverlag in Kißlegg im Allgäu für seine Leser bereit. Unter dem Titel "fromm!" erteilt die jugendliche Autorin Elizabeth von Thurn und Taxis die "Einladung, das Katholische wieder mit allen Sinnen zu erleben" - so der Untertitel der knapp 200-seitigen Kleinform. Die Einladung wird darauf ausgedehnt, die Beichte gleiche einem Frühstücksei (sic!) als einen "Genuss, den man ruhig öfters mal konsumieren" (S. 16) dürfe, oder den Rosenkranz als "Vitaminbombe für die Seele" (S. 43) zu betrachten. Angesichts solcher Blüten erscheint die provokante Frage angemessen, wie viele Schritte man in den Kreisen des Hochadels benötigt, um sich, wenn schon nicht gekonnt, so doch charmant von "fromm!" zu "dumm!" zu bewegen.
Man mag sich die Frage nach dem Leserkreis stellen: Die sog. junge Generation dürfte die Publikation wohl kaum vom (nicht einmal vom gut-katholischen) Hocker reißen, führen doch die zahlreichen Wegweiser zur tridentinischen Messe zu einem Konservatismus, der - außerhalb einiger einschlägiger Priesterseminare - den jungen Menschen unverständlich erscheinen muss. Dem konservativen Katholiken hingegen, sofern er auch nur ein Mindestmaß an theologischer Bildung genossen oder sich angeeignet hat, dürfte Frau Thurn und Taxis' Frühstückseifrömmigkeit zum verzweifelten Griff an den eigenen Kopf verleiten. Kaum eine christliche Glaubenswahrheit, kaum ein Element des katholischen Kultus, das hier nicht vollkommen fehlgedeutet wird. Erfreulich ist lediglich, dass die Autorin mit ihrem Büchlein wahrscheinlich nicht viel Schaden angerichten kann (vom Schmerz der gefällten Bäume, die dafür als Papier herhalten müssen, einmal abgesehen), dafür ist es viel zu unbeholfen geschrieben, so dass die Lektüre (soll es denn eine lohnende sein) maximal zur Lachnummer verkommen mag. Denn, sind wir doch mal ehrlich, ob der Rosenkranz-Vitaminbomben, der Frühstückseibeichte oder dem ausgesprochen amüsanten Kapitel zur Mundkommunion (in dem wir erfahren, dass Frau Thurn und Taxis offensichtlich unter "schwitzenden Händen" leidet, ansonsten aber recht hygienebewusst sei) kann man sich ein selig-verklärtes Lächeln auf den Lippen dann doch nicht verkneifen. Somit hat das Büchlein sich zumindest dafür auch seinen Stern verdient.