Der Schriftsteller Walter Wippersberg ist bekannt, aber nicht berühmt. Robert Menasse ging ja sogar so weit, irgendwann zu behaupten, es gäbe nur 40 oder 50 wichtige Künstler in Österreich - ihn eingeschlossen natürlich. Aber Menasse hat schon viel behauptet, was sich als unhaltbar erwiesen hat. Nach seiner Zählung wäre Wippersberg wohl nicht wichtig, und das ist ein großer Irrtum. Mit seiner Österreichischen Trilogie (Die Irren und die Mörder, Ein nützlicher Idiot, Die Geschichte eines lächerlichen Mannes) hat er mehr zur Erhellung Österreichs beigetragen, als andere in dutzenden Essays und in mit hochstaplerischer Geste geschriebenen Romanen. Wippersberg ist wichtig. sein Film "Das Fest des Huhns" sogar ziemlich berühmt. Der Mann ist halt einfach zu bescheiden und leise in einer Zeit, die es nach lautstarken Defraudanten dürstet.
Trotzdem erstaunlich, daß sein letztes Buch aus dem Jahr 2006 weder von der Kritik noch in der allgemeinen Rezeption so wahrgenommen worden ist, wie es eigentlich angebracht gewesen wäre. Es ist ein durchaus spektakuläres Buch. Diese Biographie Gottes, des Gottes der monotheistischen Religionen, ist die Summe der Forschungsarbeit eines Lebens. In vielen liebevollen Details entsteht das Bild eines Gottes, den der Mensch sich nach seinem Ebenbild und je nach den herrschenden Umständen selbst erschaffen hat. Ein Erziehungs- und Bildungsroman über Gott - wenn man so will. Und damit auch einer über die Menschen.