Lange habe ich mir überlegt, ob ich drei oder vier Sterne geben soll. Vier sind es dann doch geworden, weil ich im Laufe des ersten Bades gelernt habe, mit den Macken dieser Maschine zu leben und dennoch respektable Ergebnisse zu erzielen.
Zunächst mein Anwendungsfeld: Ich bin ambitionierter Heimwerker und habe mir diese Maschine gekauft, da wir uns vorgenommen haben, in unserem 80-er-Jahre-Haus der Reihe nach die Bäder, die Gästetoilette, die Küche und die gefliesten Bereiche im Keller zu ent-80-ern. Ich denke, genau solche Anwender sind Zielgruppe dieser Maschine. Sie lohnt sich nicht für ein paar Quadratmeter Fliesen und für den Profi ist sie gewiss nicht robust genug und insbesondere nicht...gleich komme ich dazu.
Aufgrund der gestalterischen Ideen meiner Frau und ihrem Wunsch nach modernen, großformatigen Fliesen sind einige ziemlich komplizierte Schnitte dabei, weshalb ich mich zur Diamanttrennscheibe entscheiden habe. Insbesondere bei großformatigen, starken Fliesen ist diese Technik m.E. dem Ritz-Kanck-Schnitt überlegen. Insbesondere eignet sie sich auch, um gerade mal 5 mm abzuschneiden, was ja mit Ritz-Kanck nicht besonders gut geht.
Zunächst zu den Stärken der Maschine:
Die Schnittleistung ist super. Nahezu ohne Kraftaufwand zieht man die Diamanttrennscheibe durch 12 mm starke 60 cm-Fliesen wie durch Butter.
Die Schnittqualität ist o.k.. Ein winziges Bisschen bricht die Glasur am Rand aus, aber das verschwindet in den meisten Fällen unter Silicon. Wo nicht, kann man das mit einem Karborundumstein etwas nacharbeiten. Dann sieht man es nur noch, wenn man es weiß.
Beim Schnitt gibt es keinerlei Staub. Das ermöglicht ohne weiteres den Indoor-Einsatz ohne besondere Lüftungsmaßnahmen.
Die Standzeit der Diamant-Trennscheibe scheint sehr gut zu sein. Nach dem ersten gefliesten Bad sehe ich keinerlei Verschleiß. Ich hatte mir gleich eine Ersatzscheibe bestellt, aber so wie es aussieht, werde ich die für die o.g. geplanten Arbeiten gar nicht brauchen.
Nun aber zu den Macken: Zunächst die harmlosere:
Gewiss ist es kein Wunder, dass eine Nass-Trennscheibe ein Wenig schmutziges Wasser um sich herum verspritzt. Hier hätte man aber durch ein paar konstruktive Maßnahmen dafür sorgen können, dass die Sauerei, die das Gerät in seiner Umgebung anrichtet, deutlich geringer ist. Nach 10 Schnitten steht man in einer Lache aus Schleifmatsch. Diese entsteht insbesondere dann, wenn man den Schneidkopf ganz zu sich herangezogen hat. In diesem Moment rinnt das Wasser in einem dicken Strom aus der Abdeckhaube der Trennscheibe über den Rand der Wanne hinweg auf den Fußboden. Lästig ist das dann, wenn dieser kein Wasser verträgt, z.B. weil er aus Spanplatte ist. Naja, sagte schon, damit kann man leben. Man muss halt Plastikfolie auslegen und bisweilen aufwischen. Wäre aber vermeidbar....
Nun aber zum Hauptproblem: Die Genauigkeit!
Der Tisch ist uneben, große Fliesen schaukeln darauf herum.
Die werksseitige Justierung der Skalen und des Wingkelanschlages ist völlig verkehrt. Legt man eine 60-cm-Fliese an dem Anschlag an und macht einen Schnitt, unterscheidet sich die Breite der Stücke am Anfang und am Ende des Schnittes um 3 mm. Das ist nicht akzeptabel. Langlöcher erlauben eine Nachjustierung, die auf jeden Fall erforderlich ist. Man muss sich eine Zeitlang hinstellen mit Winkel und Schraubenschlüssen. Einstellen. Probeschnitte. Immer noch falsch. Abermals nachjustieren. Dann kriegt man’s so halbwegs hin. Dann macht man einen Gehrungsschnitt und es stimmt wieder nicht genau. Verflixt!
Es gibt nur eins, wenn’s wirklich genau sein muss: Vor jedem einzelnen Schnitt die Fliese mit dem Zollstock oder Maßband exakt auf dem Tisch einrichten. Dann kriegt man nach einiger Übung passable, d.h. millimetergenaue Schnitte hin. War schließlich ganz zufrieden.
Alles in allem: Das Ergebnis, d.h. das erste Bad kann sich sehen lassen. Kann die Maschine für Anwender wie mich durchaus empfehlen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist absolut o.k. Wie gesagt: Wenn’s wirklich genau sein muss, immer nachmessen und Fliese individuell einrichten!