Nachdem wir über das Buch "Der radikale Mittelweg" in Kontakt gekommen waren, hatte sich zwischen Herrn Prof. Heinrichs und mir ein vielversprechender Dialog entwickelt. Nun jedoch zieht Herr Heinrichs mit gewaltiger Kritik über mich her, weil ich in Kapitel 9 meines neuen Buches "Einheit im Licht der Ganzheit" kritisch auf das Weltbild der Blavatsky-Theosophie eingehe. Er erwähnt in seinem langen Text aber nicht, um welche Zitate es in dieser Diskussion geht, nämlich um nichts Geringeres als um folgende Kernsätze von Helena Blavatsky: "Luzifer ist Gott" und "Satan ist Gott", veröffentlicht in ihrem Buch "Die Geheimlehre" (1888). Das sind erstaunliche Aussagen, die weit über jede Kirchenkritik hinausgehen. Religionsvertreter stürzen sich mit Vorliebe genau auf diese Zitate, um zu demonstrieren, dass die New-Age-Bewegung, ja die gesamte Esoterik satanistisch sei. Auf der anderen Seite reagieren Theosophie-Anhänger meistens auf zwei Arten: Die einen weichen aus und zitieren andere Blavatsky-Stellen, um von den Satan-ist-Gott-Stellen abzulenken, und die anderen reagieren mit Aggression bis Feindseligkeit. Herr Heinrichs tut beides - und er greift mich persönlich an, indem er mir undifferenziertes Denken, Absurdität, Hysterie, Paranoia usw. unterstellt.
Gleichzeitig behauptet er selbst undifferenziert und falsch, ich würde die Theosophie mit dem Freimaurertum gleichsetzen (was ich nicht tue) und ich würde die Theosophie als "eine Art Satanismus" bezeichnen. Dabei schreibe ich im Buch auf S. 194 deutlich: "Es wäre jedoch verfehlt und zu einfach, wenn man pauschalisierend sagen würde, all diese Gruppierungen würden eine Luzifer- oder gar Teufelsverehrung propagieren. Wie bereits erwähnt, sollten wir in Betracht ziehen, warum und aus welcher historischen Situation heraus diese Geheimbünde und Geheimlehren entstanden sind."
Philosophisch beruhen diese okkulten Weltbilder auf dem so genannten Deismus, den ich ausführlich analysiere, um aufzuzeigen, wer dieses Weltbild vertritt und wohin es führt, z.B. zu einem fatalistischen Karma-Verständnis. Ich beschreibe in diesem Zusammenhang auch den Unterschied von Polarität und Dualität sowie die ethischen und praktischen Konsequenzen, wenn Polarität und Dualität gleichgesetzt werden, wie dies im Deismus und Monismus der Fall ist.
Ich gehe diesen vielschichtigen Themen ohne Vorurteile und ohne Berührungsängste sowohl historisch als auch philosophisch auf den Grund, zeige auf, warum im Deismus Konzepte wie "Luzifer ist Gott" enthalten sind (mit Zitaten aus dem 19. bis 21. Jahrhundert), was diese bedeuten und worin die Gefahren dieser Konzepte bestehen. (Herr Heinrichs behauptet jedoch, ich würde dies "ohne jeden konkreten und korrekten Beleg" tun.) Ähnliches zeige ich bei den Religionen auf und erwähne dabei auch den Buddhismus, dies jedoch mit der sicher hilfreichen Differenzierung zwischen atheistischem und theistischem Monismus. Weil ich auf solch brisante Punkte eingehe, wirft mir Herr Heinrichs "Hysterie" vor und bemüht dabei das hysterische Schlag-Wort "Verschwörungstheorie", anscheinend in der Hoffnung, damit beim Publikum den gewünschten Effekt des Vorurteils und der Einschüchterung zu bewirken. Ist das für ihn die Bedeutung von differenziertem und diszipliniertem Denken, das er für sich in Anspruch nimmt und mir - und auch meinen Leserinnen und Lesern - abspricht? Letzteres tut er im letzten Satz seines Textes, weil er weiss, dass viele andere das Buch "Einheit im Licht der Ganzheit" natürlich nicht so polemisch verurteilen werden wie er. Diese, so sagt er, würden einfach "dem mühsameren Weg des disziplinierten Denkens" ausweichen.
Aus der Perspektive des "radikalen Mittelwegs" wird erkennbar, welche Faktoren und Einflüsse zu Einseitigkeiten und Halbwahrheiten führen. Die religiöse Einseitigkeit ist problematisch und "dia-bolisch" (wörtlich: "spaltend"), aber genauso führt auch die andere Einseitigkeit in gefährliche Extreme. Denn beide glauben: "UNSER Zweck heiligt die Mittel." Die einen glauben dies im Namen Gottes und die anderen im Namen Luzifers/Satans, der ebenfalls als Gott bezeichnet wird. Also alles im Namen "Gottes"!
Herr Heinrichs will den Glauben "Luzifer/Satan ist Gott" verteidigen und meint deshalb, meine Ausführungen würden dazu führen, dass die religiösen Leute sich nun "gegen einen gemeinsamen Feind vereinen" würden. Ist das nicht Absurdität und Paranoia - genau das, was er in seinem Text m i r unterstellt?
Herr Heinrichs lässt eine starke Abneigung gegen die "monotheistischen Milliardenkonfessionen" erkennen und kann meine Offenheit für den interreligiösen Dialog nur mit Spott quittieren. ("Liebäugelt er doch mit den herrschenden monotheistischen Konfessionen der Gegenwart?")
Im selben Kapitel gehe ich auch auf die zentralen spirituellen Elemente der abendländischen Mysterien- und Einweihungsorden ein, insbesondere des Freimaurertums, aber auch dies kann Herr Heinrichs nur als "Quasi-Entschuldigung" diskreditieren. Es ist bedauerlich, dass er aufgrund seiner persönlichen Vorlieben und Abneigungen den Dialog wie auch die kritische Selbstreflexion der beiden Seiten auf eine solche affektierte Weise torpediert.
Mögen wir alle durch den gemeinsamen Mittelweg in wahrer "Brüderlichkeit" oder noch besser: in wahrer MENSCHLICHKEIT zusammenkommen! Aber dafür müssen wir sowohl auf der religiösen als auch auf der säkularen ("humanistischen") Seite jene Elemente erkennen, die zu Spaltung und Einseitigkeiten und dadurch zu einer Scheinheiligkeit bzw. Scheinerleuchtung führen. Die heute stattfindende Bewusstseinserweiterung führt über alte religiöse, okkulte und akademisch-intellektuelle Muster hinaus zu dem, was wir - mit klarer Definition und Differenziertheit - als ganzheitliche Spiritualität bezeichnen können.
Ich setzte in der Bewertung vier Sterne, weil man sich selbst nicht fünf Sterne gibt :-)