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Eingriffe. Neun kritische Modelle
 
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Eingriffe. Neun kritische Modelle [Taschenbuch]

Theodor W. Adorno
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Theodor W. Adorno
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Pressestimmen

"Über die Eingriffe freue ich mich besonders, weil sie für mich eine Richtung angeben, die ich für diese Reihe immer mehr beschreiten möchte." Siegfried Unseld am 24. April 1963 an Theodor W. Adorno

Kurzbeschreibung

Theodor W. Adornos Eingriffe sind allen zu empfehlen, die sein kritisches Denken in der Bewährung am Detail kennenlernen wollen. Das Buch gefällt, weil Kulturkritik hier ein Denken ist, das sich auf der Höhe der Zeit befindet, das sich also nicht zu gut ist, zu Tagesfragen Stellung zu beziehen, das den spekulativen Höhenflug sicher meidet, ohne den theoretischen Denkansatz - das, was ist, kritisch zu messen an dem, was sein könnte - aufzugeben. Am grundsätzlichsten sind der erste Aufsatz Wozu noch Philosophie?, der zugleich eine gute Einführung in Adornos Denken ist, die kühne Untersuchung über den in der bürgerlichen Gesellschaft integrierten Sexus und die klare Äußerung zur 'Vergangenheitsbewältigung', ein Aufsatz, der sowohl erklärt, als auch deutlich Stellung bezieht. Die Zeit

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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von FrizzText HALL OF FAME REZENSENT
Format:Taschenbuch
in diesen 9 eingriffen kommt adorno so ironisch, bissig und fundamental daher, wie es eigentlich zur denk-entwicklung auch unumgänglich ist: im kapitel MEINUNG WAHN GESELLSCHAFT: "der rechthaber entwickelt, um nur ja die narzisstische schädigung von sich fern zu halten, einen scharfsinn, der oft weit seine intellektuellen verhältnisse übersteigt." im kapitel SEXUALTABUS UND RECHT HEUTE resümiert er trocken, die jurisprudenz habe zuallerst die aufgabe, an das niveau psychologischen und gesamtgesellschaftlichen allgemein-wissens endlich anzuschließen. im anfangskapitel WOZU NOCH PHILOSOPHIE gibt er den braven ratschlag an die kollegen von der positivistischen oder ontologischen zunft, man möge nicht kindlich (und dem so-sein beipflichtend) hinter der geschichte hertrotten, sondern: "philosophie hat ihren lebensnerv am widerstand." in den texten zum thema fernsehen erzählt er u.a. drauflos: "die heldin einer fernsehposse aus einer serie, die von einer lehrerorganisation preisgekrönt ward, ist eine junge lehrerin." das hätte man sich fast schon gedacht. weiter geht es: "nicht bloß wird sie erbärmlich bezahlt, sondern hat auch noch nach den vorschriften eines lächerlich aufgeblähten und autoritären schuldirektors dauernd strafen zu zahlen. so fehlt es ihr an geld, und sie leidet hunger." die medienwissenschaftliche, adorneske suche nach der message lässt nicht lang auf sich warten: "die heldin bewährt so fröhlichen mut, dass ihre glücklichen eigenschaften als entschädigung für ihr armseliges los erscheinen: es wird zur identifikation mit ihr ermuntert." nun, es wird immer von den kontrahenten adornos die meinung infiltriert, er schreibe und rede in unverständlichen wortgirlanden. war das unverständlich? wenn ja, dann die finger von diesem buch lassen. wenn nein: diese kurzgefasste, amüsant widerborstige einführung in kritisches nachdenken sich schnellstens besorgen. und nach kurzem einlesen versteht man dann auch sätze wie diese: "die ICH-schwäche, die reale ohnmacht des einzelnen gegenüber der vergesellschafteten apparatur, wäre einem unerträglichen maß an kränkung ausgesetzt, wenn sie nicht, durch identifikation mit der macht und herrlichkeit des kollektivs, sich einen ersatz suchen würde."
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Buchbesprechung

Erfahrungen und Erinnerungen waren die Werkzeuge, die Theodor W. Adorno bei seinen Betrachtungen oft benutzte. Wem es ähnlich ergeht oder gar schon von der Beobachtungskunst Adornos profitiert hat, wird das Buch gewinnbringend lesen.
Das vorliegende Buch: "Eingriffe: Neun kritische Modelle" enthält mehrere Vorträge, unter anderem eine Rede Adornos, die er im Frankfurter Studentenhaus hielt. Um ein weiteres Beispiel zu nennen, seien die vom hessischen Rundfunk übertragenen Vorträge erwähnt. Des weiteren Arbeiten aus seinen Studien, die er, in der Zeit als wissenschaftlicher Leiter der Hacker Foundation, erhob.
Eine wahre Themenvielfalt tut sich in den Essay-ähnlichen Modellen auf. Bemerkenswert ist Adornos Schreibstil, der sich der Thematik anpasst. Die ersten zwei `Eingriffe' könnten bei Akademiker und Studenten Beachtung finden und zwar bei denen, die Interesse an spezielle Schwierigkeiten eines Lehrstuhls für Philosophie zeigen. Adorno gewährt Einblicke in seine Gedankenwelt und legt persönliche Erfahrungen als Hochschullehrer offen.
Doch im Vorwort ist auch die Rede von `unakademischen Komplexen'. Diese Arbeiten entstanden während seines Exils in Amerika. Seine Eindrücke und Beobachtungen wären von einer anderen Person nicht in gleicher Weise erfahrbar, weil er sie vor dem Hintergrund seiner Erfahrung (Beispiel: Kindheitserfahrungen im Urlaubsort Amorbach) als einzigartig wahr genommen hat. Oder um es einfacher zu beschreiben, Niemand konnte so begreifen wie er, denn niemand war wie er. Da ging es ihm wie jeden. Leise impliziert Adorno auch in diesem Buch, dass er einer der wenigen Menschen ist, die die Dinge so sehen wie sie sind.
Weil er sich mit der amerikanischen Kultur vor seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland der dreiziger Jahre noch nie beschäftigt hatte, gewinnen seine Beobachtungen die seltene Qualität eines objektiven Neuankömmlings. Doch kamen bald berechtigte Zweifel an der Kunst und dem Musikwesen Amerikas auf, die kritisch in seinen Werken spiegeln.
Plötzlich fand sich Adorno in einem Land wieder, wo man seinen Lebensunterhalt hervorragend damit verdienen konnte, beispielsweise das Verhalten der Fernsehzuschauer zu erforschen. Es war als träumte er den amerikanischen Traum, doch Adorno schlief nicht...
Der Titel seiner - zuerst im amerikanischen Sprachraum erscheinenen - Arbeit lässt sich in einer inhaltlicher Lesart etwa mit: "Wie man TV schauen sollte" übersetzen. Provokanter und nicht simplifizierend ist da schon der deutsche Titel: "Fernsehen als Ideologie" zu verstehen. Diese Arbeit, dem ein "Prolog zum Fernsehen" vorausgeht und daher zusammengelesen werden will, könnte man als Ratgeber begreifen. Adorno entdeckt hier `versteckte Botschaften' - ähnlich der heutigen Werbung für das Unterbewusstsein.
Vor fast fünfzig Jahren geschrieben, hat das Buch an Aktualität nichts verloren - im Gegenteil. Das Amerika der `50er Jahre des letzten Jahrhunderts war nicht ohne weiteres auf das damalige Deutschland übertragbar. Diese Rückständigkeit hat Deutschland im neuen Jahrtausend bedauerlicherweise aufgeholt. Nun hetzt die BRD mit zwei bis drei Jahren verspätung dem konsumorientierten Amerika hinterher. Persönlich empfand ich deswegen das fünfte und sechste Modell als `Augenöffner'.
Abschliessend wäre zu raten: Adorno lesen und bewusster, Metaebene-artig Fernsehen.

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