in diesen 9 eingriffen kommt adorno so ironisch, bissig und fundamental daher, wie es eigentlich zur denk-entwicklung auch unumgänglich ist: im kapitel MEINUNG WAHN GESELLSCHAFT: "der rechthaber entwickelt, um nur ja die narzisstische schädigung von sich fern zu halten, einen scharfsinn, der oft weit seine intellektuellen verhältnisse übersteigt." im kapitel SEXUALTABUS UND RECHT HEUTE resümiert er trocken, die jurisprudenz habe zuallerst die aufgabe, an das niveau psychologischen und gesamtgesellschaftlichen allgemein-wissens endlich anzuschließen. im anfangskapitel WOZU NOCH PHILOSOPHIE gibt er den braven ratschlag an die kollegen von der positivistischen oder ontologischen zunft, man möge nicht kindlich (und dem so-sein beipflichtend) hinter der geschichte hertrotten, sondern: "philosophie hat ihren lebensnerv am widerstand." in den texten zum thema fernsehen erzählt er u.a. drauflos: "die heldin einer fernsehposse aus einer serie, die von einer lehrerorganisation preisgekrönt ward, ist eine junge lehrerin." das hätte man sich fast schon gedacht. weiter geht es: "nicht bloß wird sie erbärmlich bezahlt, sondern hat auch noch nach den vorschriften eines lächerlich aufgeblähten und autoritären schuldirektors dauernd strafen zu zahlen. so fehlt es ihr an geld, und sie leidet hunger." die medienwissenschaftliche, adorneske suche nach der message lässt nicht lang auf sich warten: "die heldin bewährt so fröhlichen mut, dass ihre glücklichen eigenschaften als entschädigung für ihr armseliges los erscheinen: es wird zur identifikation mit ihr ermuntert." nun, es wird immer von den kontrahenten adornos die meinung infiltriert, er schreibe und rede in unverständlichen wortgirlanden. war das unverständlich? wenn ja, dann die finger von diesem buch lassen. wenn nein: diese kurzgefasste, amüsant widerborstige einführung in kritisches nachdenken sich schnellstens besorgen. und nach kurzem einlesen versteht man dann auch sätze wie diese: "die ICH-schwäche, die reale ohnmacht des einzelnen gegenüber der vergesellschafteten apparatur, wäre einem unerträglichen maß an kränkung ausgesetzt, wenn sie nicht, durch identifikation mit der macht und herrlichkeit des kollektivs, sich einen ersatz suchen würde."