Generationen von Sonderpädagogen haben für den Hauswirtschaftsunterricht mit Schülerinnen und Schülern, die nicht oder noch nicht lesen können, Bildrezepte angefertigt - je nach persönlichen Möglichkeiten schnell mal eben selbst gezeichnet, von netten Kolleginnen übernommen oder aus Bildrezeptsammlungen abkopiert. Ganz Engagierte haben sicher auch schon vor längerer Zeit mit Fotos gearbeitet.
Die Entwicklung von Digitalkameras eröffnete neue, ökonomischere Möglichkeiten einer möglichst realitätsnahen und wiedererkennbaren Darstellung von Handlungsschritten bei der Anfertigung einfacher und komplexerer Gerichte.
Diese erweiterten Möglichkeiten werden auch von den Autoren der spiralgebundenen DIN A4-Mappe „Einfaches Kochen nach Fotos" genutzt. Sie schreiben dazu:
„Mit Bildern jeden Arbeitsschritt beim Kochen darstellen, das war für uns eine große Herausforderung, die aus dem Hauswirtschaftsunterricht mit behinderten Schülerinnen und Schülern entstand. Als Fachlehrerin und technischer Lehrer an der Sonderschule für Geistigbehinderte in Heitersheim entwickelten wir die Idee, mit der Digitalkamera die einzelnen Arbeitsschritte aufzunehmen. Die Anwendung in der Unterrichtspraxis zeigte Erfolg. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten - mit und ohne Lesefähigkeit - deutlich mehr Selbständigkeit beim Einkauf und der Zubereitung der Speisen.
Die positiven Erfahrungen führten zum kontinuierlichen Einsatz dieser Rezeptvorlagen im Unterricht. Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler bereiteten in Projekten ganze Menüs für die Klasse zu. Wir entwickelten verschiedene Hilfsmittel, wie z.B. Lesebalken oder Bildvergrößerungen für Sehbeeinträchtigte, und verschiedene Einführungsmethoden. ...
So entschlossen wir uns, diese Rezepte und Vorbereitungstechniken auch einem breiteren Interessenten- und Kollegenkreis zur Verfügung zu stellen. Dabei kann bei der Unterrichtsvorbereitung nicht nur sehr viel Zeit gespart werden, es kann auch viel differenzierter und individueller auf die verschiedenen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingegangen werden." (S. 4)
Mit diesem preiswerten Medienpaket aus der Reihe „Bergedorfer Unterrichtsideen" hat der Persen-Verlag eine Veröffentlichung in einer Kombination von Printmedium und CD auf den Markt gebracht, wie sie vermutlich (und hoffentlich) immer mehr die herkömmlichen Kopiervorlagen-Sammlungen verdrängen wird.
Das vierfarbige Buch enthält 44 Rezepte und ein Kapitel „Grundwissen", in dem es z.B. um Mengen oder das richtige Geschirrspülen geht.
Jedes Rezept beginnt mit einer Zutatenliste, wobei alle Zutaten auch auf einem Foto präsentiert werden. Danach werden detailliert die Zubereitungsschritte dokumentiert; beim Käsekuchen sind es bspw. 44, während bei den Salzkartoffeln 16 reichen.
Mit dem Printmedium bekommen die Schüler ein Kochbuch in die Hand, mit dem sie nach einer individuell zugeschnittenen Einführung selbständig arbeiten und eine große Palette von Gerichten zubereiten können. Auch Fertiggerichte und Tiefkühlkost werden angemessen berücksichtigt. Diese Kochbuch ist nach wie vor als Kopiervorlage geeignet, wobei allerdings nicht jeder die Möglichkeit hat, Farbkopien anzufertigen. Wesentlich erweiterte Möglichkeiten bietet aber die Zurverfügungstellung der Rezepte, vor allem aber der einzelnen Fotos, auf der beiugefügten CD.
Die Rezepte liegen auf der CD im PDF-Format vor. Sie lassen sich lesen und ausdrucken mit dem verbreiteten Programm "Acrobat Reader", das auch von der CD aus installiert werden kann. Auf der CD finden sich aber auch alle einzelnen Fotos aus dem Buch - sortiert nach Rezepten - als .jpg-Dateien. Diese Fotos können aus jedem Bildverarbeitungsprogramm auf einem Tintenstrahldrucker bis zum Format DIN A4 farbig ausgedruckt werden. So lassen sich individuell Einkaufszettel anfertigen, großformatige Bildrezepte für eine Pinwand ebenso wie kleine „Spickzettel" für die Schülerinnen und Schüler. Sieht vor Ort die Butter- oder Sahneverpackung im ALDI oder Lidl anders aus als auf den Fotos der CD, kann man sie auch durch eigene Aufnahmen ersetzen, ohne das gesamte Rezept neu abfotografieren zu müssen.
Wer mit diesem so eindeutig zu entschlüsselnden Material arbeitet, sollte jedoch nicht aus dem Auge verlieren, dass auch die Zeichnung oder die Schriftform eines Rezeptes ihren Ort im Unterricht behalten müssen, wenn Schülerinnen und Schüler zur Dekodierung von Zutaten und Handlungsschritten nicht mehr auf den Realismus von Fotos angewiesen sind, sondern sich auch mit Hilfe einfacher Skizzen oder kurzer Texte orientieren können.