Wenn die Erzählstimme von Olive(Emma Stone) das am Anfang von -Einfach zu haben- kund tut, weiß man noch nicht so genau, was man von Will Glucks Film halten soll. Teenie Komödie? Indiependent Film? Oder was? Bereits nach zehn Minuten ist jedoch klar(oder sollte ich vielleicht besser formulieren: war mir klar), dass die verfilmte Story von Olive Penderghasts selbst initiierter "Flittchenkarriere" ein Glücksgriff aus dem DVD-Regal war. Olive hat versprochen, dass es kein Gejammer oder Bedauern in der Geschichte gibt. Sie hält Wort. Vielmehr ist -Einfach zu haben- eine frische, lockere, coole, witzige und manchmal herrlich schräge Geschichte, die sich eines Klasse-Drehbuchs und hervorragender Mimen erfreuen kann.
Olive und ihre geschwätzige Freundin Rhiannon(Alyson Michalka) haben an der Ojai-Highschool nur ein Thema: Natürlich die Jungs. Rhiannon will alles wissen und geht auf einen Scherz von Olive ein, die behauptet, dass sie einen Freund hätte. Da Rhiannon nicht locker lässt, erfindet Olive eine Geschichte und bedient Rhiannons Fantasie. Klar, dass auch ein paar "Details" aus dem Bett in die Lüge einfließen. Das Ergebnis ist, dass Olive zehn Minuten später in der Schule als Schlampe abgestempelt ist. Aber Olive lässt sich von so etwas nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Sie weiß: Wenn man nicht mehr aussteigen kann, muss man voll einsteigen. So lanciert sie noch ein paar weitere Gerüchte und tut alles dafür, dass man sie für das heißeste Stück Mädchen an der gesamten Schule hält. Ihr schwuler Freund Brandon(Dan Byrd) erfährt als erster, dass alles nur ein gigantischer Schwindel ist. Aber er nutzt Olives Ruf, um sich selbst von der Schwulenliste seiner Mitschüler zu nehmen. Mit Olives Einverständnis täuscht er ein heftiges Tete a Tete mit Olive vor und steigt im Ansehen seiner Mitschüler. Logisch, dass sich das rumspricht. Und so wird Olive zur imaginären Florence Nightingale für alle männlichen Loser der Schule. Das stößt jedoch nicht nur auf Sympathie. Marianne(Amanda Bynes), die den christlichen Schülerkreis anführt, will Olives Seele retten. Auch Olives Lieblingslehrer Mr. Griffith(Thomas Haden Church) sorgt sich um seine Schülerin. Olive ist jedoch so in ihrer Aufgabe gefangen, dass sie das Ende ihrer Aktion nicht absehen kann. Gut, wenn man ein paar tolerante Eltern(Patricia Clarkson und Stanley Tucci) hat, die ihre Tochter über alles lieben...
Regisseur Will Gluck hat einfach alles richtig gemacht. Olives Erzählstimme führt genial durch den Plot. Gluck unterteilt den Film in Kapitel, die er mit Webcam-Aufnahmen von Olive einläutet. Zeitraffer und Rückblenden sorgen für jede Menge clevere Storyentwicklung. Die Besetzung der einzelnen Charaktere ist atemberaubend gut. Dazu gibt es Dialoge, die so frech und treffend sind, dass man vor Lachen kaum mitkommt. Die deutsche Synchronisation hat dabei sehr gute Arbeit geleistet und das Original ohne großen Verlust umgesetzt.
Stanley Tucci, Thomas Haden Church, Lisa Kudrow, Malcom McDowell und Patricia Clarkson, das sollte doch eigentlich schon reichen, um wirklich tolle Schauspielleistungen zu sehen. Tatsächlich spielen sie alle am oberen Limit. Ganz oben allerdings ist Emma Stone. Wie sie Olive Penderghast mit Leben füllt, das ist wirklich Spiellaune im Endstadium. Mich hat Stone in der Rolle von Olive ein wenig an die junge Jodie Foster erinnert. Als "verruchte" Olive, die in Wirklichkeit noch Jungfrau ist, kann Emma Stone voll und ganz überzeugen.
Es ist immer wieder schön, ohne Erwartungen an einen Film heranzugehen und sich dann so positiv überraschen zu lassen. -Einfach zu haben- ist das voll und ganz gelungen. Deshalb gibt es von mir auch die Empfehlung zum Anschauen. Sollte sie der Film genau so gut unterhalten wie mich, steht ihnen ein erlebnisreicher Filmabend ins Haus.