Ein Karriere- und Managementberater, Jochen Gabrisch, und eine Diplom-Psychologin, Claudia Krüger, taten sich zusammen, um den Führungskräften das Leben mit der Triple-A-Methode zu erleichtern. AAA heisst so viel wie: Aufmerksamkeit, Anerkennung und Anregung. Regelmässige Leser von Führungsbüchern und Besucher von Seminaren werden die magischen Buchstaben und Begriffe nicht in Ohnmacht fallen lassen. Und dass es Aufgabe einer Führungskraft ist, ihren Mitarbeitern Nutzen zu gewähren, ist nicht neu, wie es mir die Autoren im Vorwort verklickern wollen. Es ist denn auch nicht der Neuigkeitswert, der dieses Buch auszeichnet. Im Gegenteil. Denn obwohl sich die Verfasser schon auf Seite 17 auf die Ergebnisse des renommierten Gallup-Instituts berufen, gehen sie das Wagnis der konsequenten Anwendung neuer Erkenntnisse nicht ein. Trotz ihrer Beteuerungen, neue Wege aufzuzeigen, bleiben sie dem Glauben treu, Menschen würden sich mit den richtigen Tricks und Anreizen in vorgegebene Richtungen lenken lassen. Gabrisch/Krüger sind davon überzeugt, dass Menschen durch Vermeiden von Demotivation und das Herbeiführen günstiger Rahmenbedingungen durchaus motiviert werden können. Das bin ich auch. Aber ich habe offenbar andere Vorstellungen als die Autoren, wie diese Überzeugung in der Praxis umgesetzt werden kann. Denn Gabrisch/Krüger halten Sprache nach wie vor für das wichtigste Medium, um Veränderungen zu erreichen. Mit ihr sollen Leser und Mitarbeiter zu Einsichten gebracht werden. Doch wie der Neurologe Gerhard Roth glaube ich nicht mehr daran, dass sich menschliche Verhaltensmuster durch Einsicht nachhaltig verändern lassen.
Sprache steht im Mittelpunkt, wenn mittels Fragen der eigene Führungsstil ergründet werden soll. Mit Sprache soll die Triple-A-Methode vermittelt werden. Mit Sprache sollen Ziele bekannt gegeben und erreicht werden. Und vorwiegend mit Sprache sollen die 14 Kernkompetenzen gestärkt und verbessert werden. Der Glaube an Veränderungen durch Einsicht führt denn auch dazu, dass der Leser mit Imperativen überschüttet wird. Geben Sie, machen Sie, suchen Sie, aktivieren Sie, fördern Sie, fokussieren Sie, setzen Sie, ermutigen Sie, überlegen Sie, formulieren Sie, nehmen Sie, lassen Sie... Es gibt wohl keine denkbare Aufforderung, die ich in diesem Buch nicht gefunden habe. Und weshalb die so eingebettete Tripps-A-Methode den Titel „Einfach führen" rechtfertigen soll, habe ich letztlich nicht verstanden. Das liegt auch daran, dass sich die Autoren davor scheuen, klare und einfache Positionen zu beziehen. Bezeichnend und stellvertretend für viele Formulierungen ist der Satz: „Allein das Wissen, dass 100-prozentige Erkenntnis kaum erreichbar ist, wird so manche Entscheidung leichter und auch schneller machen." Wieso „kaum"?
Mein Fazit: So attraktiv die Methode klingt und auf den ersten Seiten daherkommt, sie ist weder neu, noch einfach. Und ob sie so wirkungsvoll ist, wie die Autoren mir weismachen wollen, bezweifle ich als Glaubensanhänger vom irrationalen Menschen ohnehin.