Midori Goto, eine der besten Geigerinnen unserer Zeit erzählt in diesem Buch die Geschichte ihres Lebens. Zunächst als Wunderkind, dann als zerbrechliche und zerbrechende junge Musikerin und schließlich als gereifte Frau, die sich bewusst für ihren Beruf als Musikerin entscheiden konnte, ohne sich bei ihrem extremen Arbeitspensum selbst zu vergessen.
Was bedeutet es, gut zu sein? Diese Frage begleitet Midori von Kindesbeinen an. Bereits im Kleinkindalter lernt sie die Geige kennen, wird von der Mutter unermüdlich gefördert und gefordert. Midoris Kindheit und Jugend wird allein von der Violine bestimmt. Als Kind absolviert sie bereits Auftritte in den renommiertesten Häusern der Welt. Sie ist ein "Wunderkind", das eine schwierige Kindheit erlebt. Die Eltern trennen sich, da der Vater ein "normales Leben" führen möchte, aber regelmäßig trinkt. Die Mutter möchte ihre Tochter in den Musiker-Olymp bringen und schafft es auch. Das Mädchen muss darunter leiden. Ihr I.A. (innerer Aufpasser) macht ihr das Leben zusehends zur Hölle. Sie arbeitet unermüdlich an ihrem Geigenspiel, tourt rund um die Welt und vergisst darüber sich selbst.
1994 erfolgt der Zusammenbruch. Massive Essstörungen und Depressionen kosten sie fast das Leben. Sie nimmt sich eine Auszeit, muss aber feststellen, dass dies auch nicht alle Probleme löst. Nach mehreren Rückfällen und Aufenthalten in der Psychiatrie beschließt Midori, am College zu studieren. So ziemlich alles außer Musik. Sie landet bei der Psychologie und merkt, dass es ihr dank des Studiums besser geht. Ihre Tätigkeit als Musikerin nimmt sie wieder auf - allerdings geht sie nun anders an die Sache heran. Sie beginnt sich selbst und die Musik mit anderen Augen zu sehen, investiert viel Zeit und Energie in Projekte, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Musik Kindern - und zwar allen Kindern - nahe zu bringen und letztendlich erlebt Midori, was es bedeutet, einen Weg zu gehen, der von vielen vielleicht als "unorthodox" erachtet wird, aber eben der ihre ist.
Das Buch ist sehr gut geschrieben. Man bekommt hervorragend vor Augen geführt wie mühsam und leidvoll das Leben eines sogenannten Wunderkindes sein kann und welcher Druck, nicht nur von den Eltern, sondern vor allem auch von der Öffentlichkeit, dem Management etc. ausgeübt wird.
Die Biografie ist vor allem aufgrund der Offenheit und Ehrlichkeit der Autorin so gelungen. Die Musik wird nicht verklärt. Midori weist explizit darauf hin, dass es nicht die Musik war, die ihr aus der Krise geholfen hat, sondern ihr Studium. Auch wenn das viele ein bisschen enttäuschen mag. Und trotzdem spricht eine große Liebe zur Musik aus ihr. Man lernt ihre Instrumente wie Menschen kennen.
Ein hervorragendes Buch, das nicht nur den Freunden von Midoris Musik empfohlen sei.