Einfach vom Glauben zu reden ist nicht einfach. Seit über 20 Jahren mühen sich verschiedene Glaubenskurse in Deutschland um ein elementares Reden vom Glauben. Der badische Pfarrer Götz Häuser geht in seiner Heidelberger Dissertation der Frage nach, wie das zum christlichen Glauben gehörende Glaubenlernen durch Glaubenskurse gefördert wird und wie diese beschaffen sein müssen, damit das Glaubenlernen heute gelingen kann.
Häuser gliedert seine Untersuchung in vier Kapitel: Zunächst geht er vom Auftrag des auferstanden Jesus aus: lehret sie halten alles, was sich euch befohlen habe. Glaubenlernen ist ein lebenslanger Prozess in der Nachfolge Jesu. Nach systematisch-theologischen und praktisch-theologischen Erwägungen und einem Blick auf die Situation in Kirche und Gesellschaft fasst er zusammen, dass Glaubenskurse eine gute, zeitgemäße Form der Glaubenslehre sind.
In seinem zweiten Kapitel gibt Häuser einen Überblick über Glaubenskurse, die "auf dem Markt" sind. Eine Besonderheit seines Buches ist, dass er hier nicht nur missionarisch ausgerichtete Glaubenskurse beschreibt (Farbwechsel, Christ werden - Christ bleiben, Alpha und andere), sondern auch auf die Kurse eingeht, die Christen Vertiefung ihres Glaubenswissens anbieten bzw. zum Nachdenken anregen wollen (Ev. Erwachsenenkatechismus und Züricher Glaubensseminar für die Gemeinde). In Exkursen geht er auch auf weitere Kursmodelle und Glaubensbücher ein (z.B. Reli für Erwachsene, Cursillo).
Ein historischer Rückblick ist das dritte Kapitel. Hier gibt der Autor einen Überblick über die Geschichte des Erwachsenenkatechumenates mit drei Schwerpunkten: in der Alten Kirche, in der Katechismusarbeit Luthers und im Kirchenkampf des Dritten Reichs.
Im letzten Kapitel bündelt Götz Häuser seine Erkenntnisse: Glaubenskurse sind eine adäquate Form der Arbeit mit Erwachsenen, die von den Kirchen noch mehr gefördert werden sollte. Auch die Theologie muss hier ihre Aufgabe erkennen. Im Zentrum von Glaubenskursen sollte allerdings nicht das Subjekt des Adressaten mit seinen Bedürfnissen stehen, sondern der Gegenstand des christlichen Glaubens, im Vertrauen darauf, dass er die Menschen herausfordern und in ihre Situation sprechen wird. Dabei ist es wichtig, dass in einem Glaubenskurs einfach über den Glauben geredet wird und zwar so, dass es zu einem partnerschaftlichen Dialog zwischen den Weggenossen und zum Gespräch mit Gott kommt. "Denn die Mündigkeit der christlichen Gemeinde hat ihren Ursprung nicht im Reden und darin, dass sie selber spricht. Sondern die Mündigkeit im Glauben hat ihren Grund im Hören, immer wieder neu: im Hören auf einander, vor allem aber im gemeinsamen Hören auf den einen Lehrer, Christus." (S. 296)
Dieses Buch ist nicht nur eine Hilfe für alle, die sich einen Überblick über das weite Feld von Glaubenskursen verschaffen wollen, sondern eine fundierte Grundlagenarbeit, gerade auch durch die historische Einordnung. Das Fazit von Götz Häuser, dass Glaubenskurse immer wieder neu für die jeweilige Gemeindesituation und die Bedürfnisse der Teilnehmenden "erfunden" werden müssen, kann ich so nicht teilen. Sind doch vor allem die bekannten Glaubenskurse über Jahre hinweg weiter entwickelt worden und in sich ausgereift. Und die Übernahme eines "fertigen" Glaubenskurses für die Gemeindearbeit schließt ja immer die Aktualisierung und Anpassung an die konkrete Gemeindesituation ein. Dabei ist auffällig, dass die aus Deutschland stammenden Kurse meist einen engen Rahmen für Veränderungen setzen, die aus der anglikanischen Kirche stammenden (wie Alpha und Emmaus) eine große Freiheit im Umgang mit dem Material zulassen. Mir ist hier immer noch der Satz des Autors des Emmauskurses, Bischof John Finney, im Ohr: " Und wenn Sie lieber mit der letzten Einheit anfangen wollen, tun Sie es, der Heilige Geist wird schon das richtige daraus machen". Auch haben die fertigen Kursmodelle den Vorteil, dass auch ehrenamtliche Mitarbeitende die Leitung dieser Kurse übernehmen können.
Götz Häuser hat hier ein gut lesbares Buch vorgelegt, das allen eine Hilfe ist, die in der Gemeinde mit Glaubenskursen arbeiten oder es planen, aber auch für diejenigen, die Glaubenskursen skeptisch gegenüber stehen. Denn "die relevante Frage scheint heute nicht, wie der christliche Glaube in unserer Gesellschaft angemessen ins Gespräch gebracht wird, sondern ob er überhaupt zur Sprache kommt." (S. 256)