"Konsequent" -das erste Buch von Thomas Hochgeschurtz- hat mir bereits sehr gut gefallen. Ich lernte die Hauptperson Tim Simon kennen, die nach dem Studium erste Erfahrungen im Berufsleben sammelte. Nach dem plötzlichen Tod seines Mentors sieht er sich bald gezwungen, den Arbeitgeber zu wechseln und landet im Schwarzwald, wo er erfolgreich das im ersten Job Gelernte umsetzt.
Im nun erschienenen Nachfolgeband "Einfach" ist etwas Zeit ins Land gezogen und Tim Simons Arbeitgeber Maertens-Folien hat neue Eigentümer bekommen. Mit dem neuen cholerischen Werksleiter gerät Tim Simon aneinander, als er eine ungerecht behandelte Kollegin in Schutz nimmt. Der Werksleiter sorgt dafür, daß Tim innerhalb der Unternehmensgruppe eine neue Stelle antreten muß. So verschlägt es ihn zu der darbenden Spefo nach Wiesbaden. Hier trifft er auf unmotivierte Mitarbeiter, die nach langem Siechtum ihres Arbeitgebers und unzähligen Restrukturierungen jegliche Hoffnung haben fahren lassen.
Wir verfolgen hautnah, wie Tim Mitstreiter für seine Bemühungen, die Spefo wieder schwarze Zahlen schreiben zu lassen, findet und welche Mißstände er in der neuen Firma nach und nach entdeckt und nach erster Verzweiflung rasch und konsequent abzuschaffen beginnt. Im Lauf der Geschichte erhält Tim Simon einige Nackenschläge, große Schritte nach vorn macht er, als er seine frühere Mitstreiterin Anni als Produktionsleiterin einstellen kann.
Dem Autor Hochgeschurtz gelingt es, seine Gedanken zu wichtigen Führungsprinzipien in eine spannende Geschichte, die auch Krimielemente enthält, einzubauen. So erfahren wir im Fortgang der Geschichte, warum eine Vorbildfunktion wichtig ist und wie sie funktioniert. Wie man Vertrauensarbeitszeit einführt und warum Geld soziale Beziehungen zerstört.
Wer als Sachbearbeiter und Noch-Nicht-Führungskraft gerne mal wüßte, wie ein Visionsworkshop abläuft, bzw. ablaufen könnte, kann es hier in Romanform nachlesen. Man erhält einen sehr guten Eindruck, auch wenn die Beschreibung der oftmals mühsamen Arbeit zu den weniger spannenden und etwas schwerer zu lesenden Teilen des Buchs gehört, aber die Realität ist genauso anstrengend und unaufregend.
Der größte Teil des Buchs läßt sich sehr flüssig lesen. Hochgeschurtz schreibt überwiegend kurze Sätze und formuliert sehr klar, so daß man gerne weiterliest. Einer der drei Holding-Gesellschafter steckt in selbstverschuldeten finanziellen Schwierigkeiten und hat sich erpreßbar gemacht. Aus dieser Konstellation ergeben sich Nebenhandlungen, die zu handfesten Intrigen im Hintergrund führen und die Geschichte mit spannenden Nebenhandlungen würzen. Auch wenn man früh eine Ahnung hat, wer einer der Übeltäter ist, so dauert es doch lange, bis man Gewißheit erlangt. Zwischendrin lernt man quasi nebenbei noch etwas darüber, wie die internationale Sondermüllmafia funktioniert.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Wer am praktischen Beispiel lernen möchte, wie Führung funktionieren kann und wie man komplexe Prozesse einfacher gestaltet, ist hier gut aufgehoben. Wer sich vor theorielastigen und schwer in die Praxis umsetzbaren Büchern und Konzepten fürchtet, wählt dieses kurzweilige und über lange Strecken recht spannende Buch aus und versucht, sich an den vielen Beispielen zu orientieren. Tim Simon ist ein sympathischer Charakter mit (kleinen) Fehlern und Schwächen, der es allen, die selbst noch keine Super-Führungskräfte sind, leicht macht, sich mit ihm zu identifizieren.
Das Buch ist ein Lichtblick im Dschungel der Ratgeberliteratur weshalb ich es sehr gerne weiterempfehle. Nachdem jetzt schon die Rede von einer Tim-Simon-Reihe ist, bin ich gespannt, ob es eine weitere Fortsetzung geben wird.