Diese "Einführung" auf gerade mal gut 120 Seiten ist ein ausgezeichnetes Arbeits- und Reflexionsmaterial für die Berücksichtigung interkultureller Aspekte bei der systemischen Beratung und Therapie.
Das Buch liest sich sehr angenehm und wird im Text immer wieder von fettgedruckten oder grau unterlegten Zeilen aufgelockert. Ein paar wenige Graphiken und Tabellen unterstreichen die Ausführungen, auch wenn man sich hier vielleicht auch mehr Personen- oder Staatenabbildungen gewünscht hätte. Die ersten 50 Seiten des Buches bestechen durch die hervorragend dargestellte Relevanz des interkulturellen Aspektes in der systemischen Arbeit. Es gelingt dem Autorenpaar vortrefflich und transparent, immer wieder zwischen Lehre und Therapieanspruch auf der einen Seite sowie dem Alltagserleben von Beratern/-innen und Therapeuten/-innen auf der anderen Seite hin und her zu "switchen". Gewinnbringend für die Leser/-innen wird es zudem sein, dass über die vielfach schon bekannteren Phänomene in der interkulturellen Arbeit mit türkischen Hilfe- und Ratsuchenden hinaus zusätzlich die Migrationshintergründe aus osteuropäischen, afrikanischen, asiatischen, amerikanischen Staaten und Kulturkreisen Berücksichtigung finden. Aufbauend auf die Erläuterung de rnäheren Grundlagen zu Kultur, Systemen und Kontexten werden im zweiten Buchteil die Möglichkeiten der Zuhilfenahme durch spezialisierte Dolmetscher veranschaulicht. Hier werden die einzelnen Methoden aus der systemischen Arbeit zwar einigen Lesern/-innen vertrauter sein; dennoch werden sie durch den Blick durch die interkulturelle Brille noch einmal mit einem anderen Blickwinkel versehen. Überhaupt glänzt das Buch durch die Vielzahl so praktischer Bezugpunkte und Praxisanwendungsdarstellungen.
Mit einer anderen Systemebene befasst sich das Kapitel "Gestaltung kultursensibler Dienste", wo Einzelheiten noch einmal intensiver behandelt werden.
Die Schlußfolgerungen aus den Darstellungen, die Literatur-, Organisations- und Hilfsstellenauflistungen am Ende des Buches vermitteln ein rundum hilfreiches Bild.
Auch wenn man sich in einzelnen Punkten mehr Vertiefung gewünscht hätte, gelingt es dem Autorenduo doch, dem Anspruch einer im Umfang begrenzten Einführung in die interkulturelle systemische Hilfe vollends gerecht zu werden.
Wer nach der Lektüre vielleicht doch nicht ganz der interkulturelle Profi sein wird, erfährt aber auf jeden Fall eine immense kultursensible Veränderung. Schon allein dafür ist das Buch das passende Instrument, um wirksamer und hilfreicher interkulturelle Gesichtspunkte in die alltägliche Beratung und Therapie einfliessen zu lassen!