Der Autor betrachtet die Medien aus unterschiedlichen Perspektiven und gibt mit diesem Werk einen Einblick in die verschiedenen Felder der Medienwissenschaft. Ziel ist es, Verständnis für diese Wissenschaft zu wecken und dabei nicht nur bestimmte Methoden und Gegenstände zu beschreiben und zu definieren, sondern auch das Eigenständige der Ansätze, der Konzeptionen und der Positionen der Medienwissenschaft hervorzuheben. Hickethier geht dabei von kleinen Einheiten (Begriffsdefinitionen) zu allgemeineren, umfassenderen Begriffen.
Die Medienwissenschaft soll dabei nicht aus ihrem Umfeld herausgelöst werden, sondern es soll ein Bezug zu den umgebenden Wissenschaften (Sprach-, Literatur-, Kultur- und Kommunikationswissenschaft) hergestellt werden. Hickethier beschäftigt sich vordergründig mit den technisch-apparativen Medien: Film, Fernsehen, Radio und Internet. Er geht u. a. auf deren Produktionsabläufe, deren Produkte und Rezeption ein. So stehen Filme, Fernseh-/Radiosendungen und Internetangebote im Mittelpunkt.
In der Einleitung (Teil 1) wird neben grundlegenden Definitionen von Wissenschaft und Medienwissenschaft ein Überblick über die Wissenschaften gegeben, in denen Medien ebenfalls zum Bestandteil werden (z. B. Sozial-, Politik- und Literaturwissenschaft oder auch Medienpädagogik). Auch findet eine Abgrenzung zwischen Medien- und Kommunikationswissenschaft statt.
Eine Erklärung der Grundbegriffe und Modelle findet der Leser im zweiten Teil. Dabei steht zu Beginn der Begriff Medien im Mittelpunkt, der über dessen Entwicklung, Dimension und Funktionen näher umschrieben wird. Hickethier bindet dabei bekannte Konzepte z. B. nach Harry Pross, Marshall Mc Luhan oder Gerhard Maletzke ein. Auch greift er in den Ausführungen über Kommunikation Modelle (z. B. use-and-gratification-approach) bekannter Wissenschaftlicher auf: stellt deren Entwicklung dar, kritisiert sie und prüft die heutige Gültigkeit. Zugrunde liegende und weiterführende Elemente der Kommunikation wie Zeichen, Bilder und Text beschreibt er mit ihren Eigenschaften und bringt sie in Zusammenhang zum Begriff Medien. Weiterführend wird dem Leser die heute existierende Inszenierungsgesellschaft näher gebracht und das Verständnis für Fiktionalität, aus dem Kulturaspekt heraus, erläutert.
Im dritten Teil stellt der Autor den Begriff "Mediendispositiv" vor. Er beschreibt, wie Menschen innerhalb einer Kultur verschiedene Medien wahrnehmen und geht unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses zwischen Technik und Mensch auf Kino, Fernsehen und Radio ein. Er umreißt, was die menschliche Wahrnehmung beeinträchtigt. Im weiteren Verlauf folgt eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der "Öffentlichkeit" und dessen Definitionsveränderung (alt neu) durch die mediale Entwicklung (Veränderung von Raum und Zeit). Hier bindet der Autor abermals bekannte Wissenschaftler wie Jürgen Habermas und Gerhard Maletzke ein. Thematisiert wird weiter, welchen Einfluss Medien auf die kulturelle Entwicklung der Menschen nehmen: sie konstruieren Zeitgefühl, sie etablieren Zeichenhaftigkeit von Welterfahrung, sie steuern Aufmerksamkeit, formen Emotionalität, sortieren Wichtiges und Unwichtiges etc.
Übersichten über Film, Fernsehen, Radio und Computer/Internet findet der Leser im vierten Teil des Buches. Der Autor gibt einen Abriss über die geschichtlichen Entwicklung der Medien und stellt weitere Aspekte wie z. B. Organisation der Unternehmen, Finanzierung, Produkti-onsabläufe, Vertrieb, Produkte, Formen und Formate und mögliche Förderungen vor.
Im fünften und letzten Teil widmet sich Hickethier dem wissenschaftlichen Feld und unterteilt hier in die Bereiche Medienanalyse, Mediengeschichte und Medientheorie. Er beschreibt, dass sich alle drei Felder gegenseitig beeinflussen und bezwecken. Diese Dreieinigkeit von Medienanalyse, Medientheorie und Mediengeschichte stellt als Konstruktion zwangsläufig ein Idealmodell dar. Der Autor stellt u. a. verschiedene Analysekonzepte vor und verdeutlicht verschiedene Darstellungsweisen der Mediengeschichte (z. B. als Institutionsgeschichte, Technikgeschichte, Programm- und Produktgeschichte, Rezeptionsgeschichte).
Neben Grundlagen und Definitionen wird dem Leser aufgezeigt, wie Medien funktionieren, wie sie arbeiten, wie sie wirken. Dabei stehen Film/Fernsehen und Radio im Vordergrund. Vernachlässigt wird das Vorstellen verschiedener Medientheorien, die jedoch im Buch teilweise herangezogen werden, um Veränderungen und Weiterentwicklungen aufzuzeigen. Leser, die mit diesen Theorien noch nicht vertraut sind, können diese ohne Vorwissen schwer einordnen. Das Kapitel "Internet" berücksichtigt keine aktuellen Entwicklungen, z. B. die mögliche Interaktivität des Users (Web 2.0-Idee, Eingreifen des Users in die Inhalte und die Struktur). Insgesamt liefert dieses Werk einen umfassenden Überblick in die Felder der Medienwissenschaft und zeigt, aus welchen Bestandteilen sich diese zusammensetzt, wie sie sich zu anderen Wissenschaften abgrenzt und auch mit ihnen verbunden ist. Dies gelingt dem Autor vor allem über die Definition unterschiedlicher medienrelevanter Begriffe.
Das Werk ist nicht hierarchisch aufgebaut, sondern die Kapitel reihen sich eher in Form eines Netzwerkes aneinander. Die zentralen Aspekte der Medienwissenschaft werden so nicht chronologisch, aber strukturiert dargestellt. Daher kann dieses Buch auch als Nachschlagewerk verwendet werden.