Seinem Titel "Einführung in die Medienwissenschaft" wird das Buch nicht gerecht, es werden nur einige ausgewählte Medientheoretiker vorgestellt, andere bleiben unerwähnt, davon viele sehr wichtige. Im Anfang des Buches findet sich ein engagiertes und intelligentes Plädoyer für die Aufhebung der Trennung zwischen Medienwissenschaft und Kommunikationswissenschaft. Weiter wird dem Leser ein brauchbarer und auch nicht kritikloser Einblick vor allem in die postmoderne Medientheorie geboten, außerdem stößt man zuweilen auf interessante Brückenschläge zwischen Kulturwissenschaften und Medienwissenschaften. Ärgerlich aber ist die wiederholte "Argumentationsmethode", statistisches Datenmaterial anstelle von logischen Begründungen zu liefern. Auf den Punkt gebracht argumentiert Ludes hin und wieder in der Art, dass z.B. eine bestimmte Medienwirkung letztlich dadurch "belegt" sei, dass so und so viele Rezipienten sich einem entsprechenden Medium zuwenden (zugewendet haben). Es kann die Verbindung von sozialempirischer Forschung und tradiert geisteswissenschaftlich geprägter Medienwissenschaft nicht einfach darin bestehen, dass schlicht beider Ergebnisse nebeneinander gestellt werden. Ludes bleibt hier die echte Synthese meist schuldig.
Geradezu peinlich ist das vorgeschlagene "ABC der Medienwissenschaft". Hierin kann eigentlich nur der mißglückte Versuch gesehen werden, auch mal eine eigene "Methode" in die Welt zu setzen, um im wissenschftlichen Diskurs wahrgenommen zu werden. Zusammenfassend muß ich sagen: Die Einleitung von Hörisch ist gut, der sozusagen andere Theorien rezensierende Teil des Buches taugt gut als Überblick (über diese Theorien, nicht über "die" Medienwissenschaften!). Der ganze Rest des Buches ist nicht sehr überzeugend und wirkt in seiner Themeneinteilung oft willkürlich und bemüht.