Der Osnabrücker Literaturwissenschaftler Markus Fauser präsentiert mit seinem Werk eine kurze, aber inhaltsreiche Einführung in die Kulturwissenschaft. Unter Kulturwissenschaft wird hier nicht eine Einzeldisziplin verstanden, sondern „eine transdisziplinär ausgerichtete Forschungspraxis" (9). Gedacht wird die Kulturwissenschaft als ein „fächerübergreifendes Regulativ" (9), das Fragestellungen der klassischen Geisteswissenschaften integriert und ein zukunftsweisendes sowohl theoretisches als auch methodologisches Potential bereitstellt. In Anlehnung an das „Kompendium Kulturgeschichte" von Ute Daniel werden die epistemologischen Implikationen der kulturwissenschaftlichen Forschung besonders hervorgehoben: das kritische Bewußtsein gegenüber überkommenen Wissensbeständen und die beständige Notwendigkeit der kritischen Selbstreflexion. An die Einleitung schließen sich sechs Großkapitel an, in denen charakteristische kulturwissenschaftliche Theorien und Konzepte vorgestellt werden: Kulturphilosophie, Literarische Anthropologie, Handlungs- und Wahrnehmungstheorien, Gender Studies, Gedächtnistheorien und Intertextualität.
Die Entstehung der eigentlichen Kulturwissenschaft wird - wie in neueren Darstellungen üblich - auf die Zeit um 1900 datiert. Bedingt durch gesellschaftlichen und kulturellen Wandel, den Aufschwung der Naturwissenschaften verbunden mit der Legitimationskrise der klassischen Geisteswissenschaften, wird für den Neukantianismus, für Georg Simmel, Max Weber und andere das Phänomen „Kultur" in ihrer Arbeit zentral: Die Kulturphilosophie hat ihre große Stunde. Eindringlich arbeitet Fauser auch die Bedeutung der im Rahmen der Kulturphilosophie formulierten Symbol-Theorien heraus und zeigt ihre Weiterentwicklung in den verschiedenen kulturwissenschaftlichen Konzepten. So gibt es etwa ein eigenes Kapitel über „Symbole in der Bewegung", in dem sich der Autor mit einem der neuesten Zweige der Kulturwissenschaft, der Ritualforschung, auseinandersetzt.
Ob es nun um Cultural Studies oder die Post-Colonial Theory, die Mentalitätsgeschichte oder Theorien des symbolischen Handelns geht, überall kann die Einführung als erster Leitfaden dienen. Neben einem konzisen historischen Abriß der Kulturwissenschaft, wird zugleich eine problemorientierte Einführung in ihre verschiedenen Arbeits- und Forschungsbereiche geliefert. Erfreulich ist das Kapitel über Handlungs- und Wahrnehmungstheorien, wobei besonders das Verhältnis von Kunst und kulturellen Praktiken im Vordergrund steht, denn „Bildwissenschaft und Bildanthropologie" (Kap. IV.5) stellen ein bisher noch nicht voll ausgeschöpftes Potential für kulturwissenschaftliche Forschung dar. Ebenso gelungen ist das Kapitel über Gedächtnistheorien, in dem nicht nur die Theorien des Kollektiven und Kulturellen Gedächtnisses, sondern auch Probleme der „Erinnerungspolitik" behandelt werden.
Abgerundet wird die klar strukturierte und übersichtlich gegliederte Einführung schließlich durch ein Namensregister und eine kommentierte Bibliographie, die sich als eine gelungene Auswahl relevanter kulturwissenschaftlicher Werke erweist, wenngleich man vielleicht auch den einen oder anderen Klassiker vermissen wird. Alles in allem stellt das Werk von Markus Fauser eine gute Einführung in die moderne Kulturwissenschaft dar, einer Wissenschaft, die für sich in Anspruch nehmen kann, zu einer „neuen Beweglichkeit der Geisteswissenschaften" beigetragen und „das Erscheinungsbild so mancher Fächer zum Besseren" verändert zu haben (10).