Die "Einführung in die Homiletik" ist ein wissenschaftliches Lehrbuch für die Predigtlehre (Homiletik). Besonders spannend ist der erste Teil, in dem Engemann auf homiletische Missverständnisse der Predigt und ihre Probleme aufmerksam macht. Anhand von Examenspredigten zeigt er auf teils amüsante, teils ernüchternde Weise häufige Fehltritte der Prediger auf, wie bspw. die Hörerschelte, Pseudo-Dialoge oder Predigtklischees.
Der zweite Teil ist der Theologie der Predigt gewidmet. Der Autor geht der Frage nach, warum überhaupt gepredigt wird, was die Aufgabe der Predigt ist und was ihr Wesen ist. Dabei versteht er die Predigt als ein Kommunikationsgeschehen, dass als ein Dienst an der Welt eine Fortsetzung des Heilsgeschehens in unsere Zeit hinein ist.
Im dritten Teil entwirft er seinen eigenen Ansatz der Homiletik. Er beleuchtet den Verstehens- und Verständigungsprozess in semiotischer Hinsicht. Dann fragt er nach der Person, die predigt, und zieht verschiedene psychologische Ansätze (Freud, Jung, Bernes) hinzu. Weiter werden der biblische Text, die Struktur der Predigt, die Bedingungen der Sprache, die Frage nach dem Hörer und dem Situationsbezug der Predigt und schließlich die Verortung im gottesdienstlichen Geschehen bedacht.
Ein vierter Teil widmet sich der Predigtanalyse und ein fünfter bietet ein kurzes Modell zur Erarbeitung der Predigt.
Das Buch eignet sich im Studium zur Auseinandersetzung mit der Homiletik und zum Kennenlernen eines aktuellen theoretisch durchgearbeiteten Ansatzes. Wer jedoch eine zusammenhängende Geschichte der Predigt und Homiletikoder eine praktische Anleitung zum Erstellen einer Predigt sucht, wird auf andere Lehrbücher zurückgreifen müssen. Das Buch ist gut zu lesen und allen zu empfehlen, die grundsätzlich über die Predigt oder ihre Predigtpraxis nachdenken wollen.