In den letzten Jahren hat die Genogrammarbeit in Beratung und Therapie immer mehr an Bedeutung gewonnen.
Dieses kompakte Buch von Bruno Hildenbrand bietet nunmehr eine gründliche Auseinandersetzung. Der Autor fordert insbesondere dazu auf, sehr sorgfältig die Arbeit mit dem Genogramm zu vollziehen und als einen wichtigen, aber nicht einzigen Bestandteil einer umfassenden Beratung oder Therapie zu betrachten.
So geht es ihm auch nicht darum, möglichst eine große Fülle von Genogramm-Beispielen vorzulegen und die bedeutende Wirkung für Fallgeschichten darzustellen.
Vielmehr möchte der Autor anhand gründlicher Darstellung eines bezeichnenden Falles die wesentlichen Aspekte des Umgangs mit Genogrammen beleuchten.
Im Gegensatz zur gängigen Praxis, das Genogramm allein als Darstellung des Familiensystems zu nutzen, möchte Hildenbrand den Schwerpunkt auf die sequentielle Rekonstruktion legen. Dies bedeutet, dass Schritt für Schritt untersucht wird, welche Entscheidungen von den Vertretern/-innen verschiedener Generationen einer Familie in welchen Rahmen gefällt wurden.
Diese sequentielle Genogrammarbeit nutzt insbesondere das Spiel mit Ideen und Vermutungen und hält viele Optionen offen, welche Muster, Koalitionen und Grenzen es in den Familiensystemen gab, gibt und geben wird. Vor allem nutzt diese Form der Genogramm arbeit objektivierbare Informationen, ohne von Klienten dargelegten Koalitionen oder Grenzen als so gegeben und unveränderbar hinzunehmen.
Um diese Vorgehensweise zu verdeutlichen stellt Bruno Hildenbrand die Verschriftung einer Fallarbeit, welche - mitsamt dem vorgestellten Genogramm - knapp die Hälfte des Buches ausmacht. Diese Fallarbeit verdeutlicht sehr viele geschichtliche, politische, beruf- und migrationbezogene Gesichtspunkte sowie die Korrelationen von Familienstrukturen und (psychischer) „Krankheit".
Nach der Fallarbeit wird ein - an diese Arbeit orientiertes - Glossar mit den wesentlichen Begriffen vorgelegt sowie der Kontext der Nutzung von Genogrammen in Beratung, Therapie und Supervision beschrieben.
Die Präsentation technischer Hilfsmittel bei der Anfertigung und Einschätzung von Genogrammen sowie ein Gesamtbestand zu verwendender Zeichen schließt das Buch ab, ehe ein sorgfältig angelegtes Literatur-, Stichwort- und Personenverzeichnis Möglichkeiten zur vertiefenden Auseinandersetzung gibt.
Wer sich in gründlicher Weise mit einer bemerkenswerten Variation von Genogrammarbeit befassen möchte, liegt mit diesem Buch genau richtig. Für alle anderen ist es eine sehr gute Ergänzung zur herkömmlichen Betrachtungsweise.
Ein kompaktes Buch, das einen vorbildlichen Rahmen liefert, Familiengeschichten mit realitätsnahem Leben zu füllen.