Dieses Buch bietet eine Einführung in die Geldtheorie (mit Ausnahme des Außenhandels wie Zahlungsbilanzen und Wechselkurse). Man erfährt u. a. etwas über Geldangebot- und Nachfrage, Zinsen (inkl. Wicksell), Liquidität und den Zusammenhang zwischen Geldpolitik und Konjunktur. Das schließt die bekannten IS/LM-Kurven und die Phillipskurve sowie das Taylor-Prinzip ein. Inflation und Deflation werden mangels einer allgemein anerkannten Definition an Hand des Keynesianischen Kreuzes (inflatorische / deflatorische Lücke) erläutert. Euro und EZB werden in der 14. Auflage berücksichtigt.
Wie man sieht, gibt es mehrere Theorien über den Transmissionsmechanismus (Wirkung der Geldpolitik) und über relative Preise. Der Autor erkennt, dass Preisschwankungen bei den Erzeugern größer sind als beim Verbraucher und zeigt die Auswirkungen der Inflation auf die relativen Preise der Branchen und auf die intertemporale Allokation (Investition oder Konsum) auf. Es gibt demnach keine anerkannte Theorie, warum die Inflation fast immer positiv ist. Das Preisniveau lässt sich grundsätzlich nicht genau bestimmen, weil Preisindizes problematisch sind. Am Ende tritt der Autor für eine niedrige Inflation ein. Null-Inflation sei zwar wünschenswert, erschwere aber der Zentralbank während einer Rezession die Arbeit.
Der Autor benutzt stets aktuelle Literatur, außer im Einführungskapitel (weil die ältere Literatur Wesen und Geschichte des Geldes besser beschreibe). Leider wird das Standardwerk nicht benutzt. Mises: "Theorie des Geldes und der Umlaufmittel" zeigt den Zusammenhang zwischen Mikro- und Makroökonomie genau auf:
- Inflation breitet sich in Wellen aus und ändert so nach und nach alle relativen Preise (Cantillon-Effekt); deshalb steigt bei den Erstbeziehern des zusätzlichen Geldes die Kaufkraft (Nachfrage) und bei den Letztbeziehern steigt nur das Preisniveau
- die Zinspolitik erzeugt analog zur Zinstheorie von Wicksell die Konjunkturzyklen, indem sie zu nicht nachhaltigen Investitionen animiert (die Erzeugerpreise sind mehr vom Zins abhängig und schwanken deshalb stärker)
- Geldpolitik ist nicht ratsam, da man weder das Preisniveau noch das Wirtschaftswachstum prognostizieren kann
Bis auf die genannten Punkte hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es enthält alles, was man für einen Einführungskurs zur Geldtheorie wissen möchte. Deshalb kann ich es jedem Studenten empfehlen (zumal es preisgünstig ist).