Dies ist auf jeden Fall ein gutes Buch: eine kompetente Einführung in den Buddhismus, inhaltsreich, und aufgrund der Frage-Antwort-Abschnitte sogar ein bisschen interaktiv. Eigentlich sträube ich mich, so ein Buch mit Sternen als mehr oder weniger "gut" zu bewerten, weil ich über den Inhalt wirklich nicht richten kann. Ich möchte aber einen kleinen Vorbehalt äußern zur Relation zwischen Aufmachung und Verwendbarkeit. Unter dem Titel "Einführung in den Buddhismus" würde man sich einen Überblick vorstellen. In gewissem Sinne ist es das, und dann auch wieder nicht. Es werden die gesamten Grundfragen des Buddhismus ausgebreitet; aber es wird nicht die buddhistische Tradition in ihrer ganzen Breite angesprochen; das Buch hilft also nicht dabei sich ein Bild zu machen, mit welcher Erscheinungsform des Buddhismus man sich näher beschäftigen möchte. Sondern es handelt sich hier einfach um eine Perspektive aus der tibetischen Tradition heraus. Das merkt man an gewissen Akzentsetzungen: zB wird das Thema Tod, Zwischenzustand, und Wiedergeburt sehr ausführlich ausgebreitet. Damit keine Missverständnisse aufkommen: tatsächlich sind sich m.W. alle buddhistischen Traditionen darüber einig, inklusive dem sog. Hinayana und dem Zen. Im Prinzip. Allerdings wird nach meiner Wahrnehmung nicht in allen Traditionen so ausgiebig und gern darüber gesprochen. Dasselbe gilt für die "scholastischen" Aspekte der buddhistischen Philosophie. Es gibt also unterschiedliche Auffassungen darüber, was man einem Anfänger als Einführung in den Buddhismus sagen würde. Im Zen würde man zB wohl wesentlich mehr Gewicht auf das "Diesseitige" legen. In dieser einen Hinsicht ist der Titel "Einführung in den Buddhismus also vielleicht nicht ganz glücklich gewählt. -- Das Buch ist inhaltlich entlang der sog. 4 Wahrheiten organisiert, d.h. der Gliederung der ersten öffentlichen Predigt des Buddha in Benares (Erkenntnis des Leidens, seiner Ursachen, deren Aufhebung, und des Weges dazu); man kann das gesamte Wirken des Buddha als einen Kommentar zu diesen 4 Punkten ansehen. Insofern enthält das Buch in der Tat die vollständigen Grundlagen des Buddhismus. Ich muss aber auch sagen, dass mir beim ersten Lesen dieses Buches gar nicht aufgefallen ist, dass es diese Gliederung hat! Das ist meine eigene Unaufmerksamkeit, kein Grund dem Autor einen Stern abzuziehen. Für meine Wahrnehmung wurden aber eben relativ "spezielle" Themen sehr lang ausgebreitet. Auch kann man generell sagen, dass das Buch einen Abriss der buddhistischen Theorie gibt, weniger zur Praxis hinführt, auch das ein spezieller Zug dieser Darstellung. Das sollte man als Leser einfach wissen, es gibt daran aber nichts zu kritisieren. Was das Buch tut, tut es sehr kompetent, und es kann alles im Zweifelsfall nur nützlich sein, schaden kann es wirklich nicht! Wer sich mit dem Buddhismus beschäftigen möchte, wird dann auch sicher nicht bei diesem einen Werk stehenbleiben wollen.