Mit "Einführung in die Test- und Fragebogenkonstruktion" wurde kürzlich ein Buch auf den Markt gebracht, dass im Vergleich zu "Standardwerken" zu diesem Teilgebiet der Psychologie vielerlei Vorzüge aufweist. Das gilt im Besonderen für seine hervorragende Didaktik und seinen starken Praxisbezug.
In einer sehr verständlichen Sprache wird hier, neben statistischen Grundlagen, vor allem das "Handwerkszeug" zur Entwicklung von Tests und Fragebögen - die Klassische Testtheorie - vermittelt. Wer als Psychologiestudent wie ich aus dieser Vorlesung außer Kopfschmerzen wenig mitnehmen konnte und permanent an das Goethe-Zitat: "Dunkel ist der Rede Sinn" erinnert wurde, wird mit diesem Buch voll und ganz entschädigt. Der Leser wird hier Schritt für Schritt und ohne sich in überflüssigen, gehirnerweichenden Formelherleitungen zu ergießen in diese Materie eingeführt. Ohne Formeln kommt dieses Buch freilich nicht aus, aber wozu gibt es SPSS. Gerade solche Standardprozeduren wie die Trennschärfeanalyse, Minderungskorrekturen und exploratorische Faktorenanalysen (Vergleich verschiedener Verfahren, Extraktionskriterien und Rotationstechniken) werden hier sehr eingehend und verständlich erklärt und deren enger Bezug zur Test- und Fragebogenkonstruktion hergestellt.
Wer beim Lesen von Forschungsberichten auf so nebulöse Abkürzungen wie RMSEA, CFI und SRMR gestoßen ist und diese bis dato für Raumfahrtbehörden oder Freihandelszonen gehalten hat, wird in Kapitel 6 "Konfirmatorische Faktorenanalyse" eines besseren belehrt. Es handelt sich hierbei vielmehr um sogenannte Fit-Indizees, die angeben, wie gut ein vor der Datenerhebung aufgestelltes Modell zu Variablenzusammenhängen empirisch bestätigt werden konnte. In diesem Kapitel wird der Sinn und Zweck der Konfirmatorischen Faktorenanalyse dargestellt und Vor- und Nachteile der verschiedenen Fit-Indizees beschrieben sowie Cut-off-Werte angegeben.
Sehr sinnvoll, weil praxisrelevant finde ich, dass die Theorien der Klassischen Testtheorie auch an Beispielen mithilfe des Statistikprogramms SPSS bzw. AMOS schrittweise angewendet und Hilfestellung bei der Interpretation von Ergebnissen gegeben wird.
Ein Kapitel zum kompletten Vorgehen bei der Test- und Fragebogenkonstruktion (was ist dabei zu beachten, welche Fallen und Probleme könne dabei auftauchen) und ein Kapitel zu verschiedenen Korrelationskoeffizienten für Variablen mit unterschiedlichen Skalenniveaus runden dieses sehr lesenswerte Buch ab, dass ich jedem, der mit psychologischer Diagnostik zu tun hat oder noch Psychologie studiert, ans Herz legen möchte, vor allem wenn man noch die Diagnostik- und Methoden-Diplomprüfung bewältigen muss. Dieses Buch erleichtert mit Sicherheit dieses scheinbar so schwierige Unterfangen.