"Wir fahrn, fahrn, fahrn ... auf der Autobahn." So sangen die deutschen KRAFTWERK einen elektronischen Pop-Song, der in den siebziger Jahren eine ganze Seite der damaligen Langspielplatte füllen konnte und in einer stark gekürzten Radio-Version auch den Autofahrer erreichte ... sofern er sein Autoradio zur richtigen Zeit eingeschaltet hatte. KRAFTWERK (Ralf und Florian) sind irgendwann Vegetarier geworden. Heute sind sie als Vorläufer der Techno-Musik zu erkennen. Auf den deutschen Autobahnen war also schon damals für die aufmerksamen und zumindest von Autotechnik begeisterten Deutschen ein Ansatz zur Ökologie in der (technischen) Monotonie des Alltags zu vernehmen und vielleicht zu spüren.
Heute lässt sich die Audiotechnik des privaten Fuhrparks schon für ganze Vorträge nutzen. Nun ja, man mag spotten, ob die technische Monotonie mit einem denn auch monotonen Vortrag zu beantworten ist. Jedenfalls war die musikalische repetitive Monotonie KRAFTWERKs durchaus sympathisch und echt stressfrei. Und wohlwollend stressfrei ist auch der Vortrag des ehemaligen Philosophieprofessors, und man sollte ihn auch so verstehen. Wer eine journalistisch Skandal-Attitüde erwartet, der ist hier verkehrt.
Eine "Radio-Version" wird von Gernot Böhme nicht zu erwarten sein, und eine gekürzte und irgendwie poppige Version seines entspannenden Vortrags macht auch keinen Sinn, soll doch im Informationszeitalter ohnehin das Medium die Message sein. Über Natur streitet man nicht, denn man ist Natur, oder man ist es nicht. Natur ist auch ein wenig das Geld des Geistes, und nicht nur draußen, sondern auch irgendwo anders, eben vermutlich in uns selbst.
Über unsere Ohren könnte uns dort der Vortrag auch berühren.
Aber man darf den Vortrag im Auto auch gemeinsam mit Beifahrern genießen, falls man nicht gerade über Autotechnik sprechen möchte....
Die Stimme des Professors ist leider nicht so gut wie die eines professionellen Nachrichtensprechers, aber das ist eben auch Natur. Irgendwie und irgendwann macht das vertrauenswürdig.
PS: Dankenswerterweise konnte ich den Professor mehrmals in Echtzeit auf einigen seiner Vorträge erleben. Einmal bei einer Veranstaltung in Bremen saß er neben mir im Publikum und ermahnte mich, etwas leiser zu sein. Auch wenn er Anlass zur Mahnung hat, bleibt er von charmanter Gelassenheit.