Wer unter dem Buchtitel eine "Kulturwissenschaft" erwartet wird enttäuscht werden. Von Kultur ist im Grunde nicht die Rede, eine Begriffsdefinition wird nicht angegangen, Referenzen zu anderen Bereichen werden nicht hergestellt. Selbst naheliegende Kulturwissenschaft aus der Literaturwissenschaft wird nicht eingearbeitet, sondern nur genannt (Böhme/Scherpe, 1996; S.J. Schmidt; Müller-Funk). Ähnliches gilt für die Theoretiker, die unter diesem Label gewöhnlich verhandelt werden. Es treten allerdings auf: Adorno, Baudrillard, Cassirer, Bolz, Deleuze, Flusser, Kittler, McLuhan. Dabei werden solche Ungereimtheiten ignoriert, wie dass McLuhan im Grunde bereits in der Einleitung verworfen wird und Kittler in seiner Theorie Heidegger gegenüber Cassirer den Vorrang gibt.
Was Karpenstein-Eßbach vorlegt ist eher eine medientechnische Erweiterung der Literaturwissenschaft als eine Kultur- oder Medienwissenschaft. Was deutlich gemacht wird ist die unhintergehbare Verbindung von 'Kultur' (als unbestimmter Begriff) und Medien. Nutzbar ist die Monographie hinsichtlich ihrer basalen Beschäftigung mit Medien ausgehend von den Sinnen und dann technischen Medien sowie ästhetischen Mustern in Medien. Umfassend für eine Einführung ist zudem die Auseinandersetzung mit Baudrillard, der vor allem im Zusammenhang mit seinem Begriff des Simulakrums auftaucht (157ff.). Dies wird als ein Aspekt der Herstellung von Wirklichkeit durch Medien herangezogen.
Das Buch ist für Studienanfänger, die sich ohne viel theoretischen Balast mit dem Gebiet der Medien bekannt machen wollen am ehesten geeignet. Methodische Hinweise sucht man allerdings vergebens. Positiv zu bemerken bleibt die übersichtliche Darstellung und die am Ende gegebenen Register, welche die Navigation erleichtern. Diese Hilfen und die durchgehend angenehme Schreibweise, die ohne Fremdwortfeuerwerk und Schachtelsätze auskommt, machen es angenehm zu lesen.