Die Flut an Kreativitätsbüchern, die den Büchermarkt lange Zeit überschwemmte, ist in den letzten Jahren merklich zurückgegangen. Nicht weil der Innovationsdruck geringer geworden wäre, sondern weil es einfach nicht viel Neues zu sagen gibt. Denn die Mechanismen und Prozesse sind in ihren Grundzügen inzwischen gut erforscht und aufgearbeitet. Doch an der formalen Vermittlung dieser Erkenntnisse darf durchaus weiterhin gefeilt werden, sind doch paradoxerweise gerade auf diesem Gebiet staubtrockene Darstelllungen eher die Regel als die Ausnahme. Oder dann kippen Kreativitätsratgeber ins pure Gegenteil und versuchen sich in überschäumender Originalität.
Das Buch von Jack Foster verdient die fünf Sterne, weil es den goldenen Mittelweg bestreitet - und zwar inhaltlich sowie formal. Vor knapp zehn Jahren erschien das Original erstmals unter dem Titel „How to Get Ideas". Jack Foster hat zwar wie viele Verfasser solcher Bücher ebenfalls einen Lehrauftrag an der Uni, doch in erster Linie ist er Werber. Als Mann der Praxis verzichtet er auf ausgeklügelte Theorien, langatmige Abhandlungen und akademischen Schwulst. Foster erzählt Geschichten, bringt Beispiele, stellt Fragen und legt mögliche Antworten vor. Dabei hält er sich an die klassischen Etappen kreativer Prozesse. Besonders erfrischend finde ich seinen Mut zur Reduktion. So lautet Foster Definition einer Idee schlicht und einfach „Eine Idee ist nicht mehr und nicht weniger als die neue Kombination von alten Elementen." Statt der Kreativität einen magischen Tarnmantel zu weben, entzaubert er den schöpferischen Prozess, indem er seine Elemente herausarbeitet und den Lesern auf dem Silbertablett präsentiert. Allerdings hält Foster nicht mit seiner Meinung zurück, dass Kreativität eher eine Lebenshaltung als eine leicht lernbare Sammlung von Techniken ist.
Der überzeugende Inhalt wird durch die Gestaltung wirkungsvoll unterstützt, was vor allem das Verdienst von Larry Corby ist, der als Illustrator ebenfalls in renommierten Werbeagenturen arbeitete und Fosters Buch künstlerische Frische gibt. Aufgelockert wird der Textteil auch durch tolle Zitate und die saloppe, aber nie anbiedernde Sprache. Es ist nicht das Anliegen des Autors, das Thema Kreativität wissenschaftlich erschöpfend zu bearbeiten. Wer mehr an Theoretischem als an Praktischem interessiert ist, muss zu anderen Werken greifen, von denen Foster in seinen Literaturangaben auch einige präsentiert. Jack Fosters Buch ist für Leser, die mutig sind, sich mit Bekanntem nicht zufrieden geben mögen und nach Möglichkeiten Ausschau halten, Phantasie und Knochenarbeit verbinden zu können. Sei es nun aus beruflichen oder privaten Gründen.