Das Thema Tod ist wirklich nicht leicht zu behandeln, zumal mit Kindergartenkindern oder ersten Schuljahreskindern, für welche dieses Buch gemacht ist. Und für ängstliche Kinder eignet sich natürlich der Titel auch nicht so gut, weil es eher die Angst vorm Einschlafen fördert, wenn man Angst haben muss, dass jemand in der Nacht verunglückt. So wäre es besser gewesen, den Titel auf "Eines Tages..." zu verändern. Dafür aber gelingt es in dieser Geschichte von dem Kindergartenkind Anna, das seinen Vater bei einem nächtlichen Autounfall verloren hat, in besonderer Weise das mögliche Gefühlschaos darzustellen in all seiner Widersprüchlichkeit. Dabei helfen die kindgemäßen Dialoge und die Aquarellbilder. Letztere sind so angelegt, das "Freud und Leid", "Frohsein und Trauer" nebeneinander stehen. Mimik und Gestik sind nicht immer klar zu erkennen und auch die Wirklichkeit hat keinen festen Raum. Dieses verlorengegangene Raum- und damit Haltgefühl prägt die kindliche Trauerzeit und wird hier mit konträren Farbgebungen stimmig untermauert.
Die Ausgestaltung und Qualität der einzelnen Aquarellbilder ist unterschiedlich. Hier hätte man sich mehr klarere Einheitlichkeit gewünscht, um Anna und die anderen Personen sogleich erkennen zu können. Die Textlängen auf den einzelnen Seiten reicht von knapp bis sehr lange. Dafür sind die Bilder meist sehr detailliert und die kindliche Erlebenswelt einbeziehend gemalt.
Ob es wirklich so sinnvoll ist, dass Anna versuchen sollte - wie es in der Geschichte heißt - ihren Vater zu bitten, ihr zu helfen beim Auffinden eines Teddys, ist wohl Geschmackssache.
Dafür aber ist die letzte Seite schön gemalt mit einem kurvenreichen Weg, den Anna und ihre Mutter gemeinsam gehen.
Ein behutsames und einfühlsames Buch, das man nicht zu sensiblen Kindern gerne vorlesen kann und welches gut zum Gespräch einlädt. Ein größeres Format würde wohl helfen, die Geschichte auch in einer größeren Gruppe vorzutragen.